Institutional Money, Ausgabe 3/2026
Foto: © STANISLAV | Adobe Stock, Aalto University School of Business THEORIE & PRAXIS Momentum-Prämie 110 3/2026 | institutional-money.com Der Momentum-Effekt ist seit Jahrzehnten bekannt. Aber einen Konsens, ihn zu erklären, gibt es nach wie vor nicht. Zu den zwei gängigen Theorien kommt nun eine dritte hinzu. Sie basiert auf einer überraschenden Erkenntnis, wann die Prämie erzielt wird. MONATLICHES MOMENTUM-FENSTER IM JAHR 1993 veröffentlichten Nara simhan Jegadeesh und Sheridan Titman ihre berühmte Studie „Returns to Buying Winners and Selling Losers: Implications for Stock Market Efficiency“ im renom mierten Journal of Finance. Seitdemhat sich Momentum, also der Kauf von Gewinnern undder Verkauf vonVerlierern, dankunzäh liger empirischer Belege als grundlegender Faktor etabliert – vor allemamAktienmarkt. „Ewiges Momentum“ Im vergangenen Jahr publizierte ein Auto renquartett um Bart van Vliet und Guido Baltussen (beide Erasmus University Rotter dam&Northern Trust Asset Management) einen Überblick zum Stand der Forschung („Momentum Factor Investing: Evidence andEvolution“). Die Forscher schreiben, dass bisherige Untersuchungen den Effekt für bis zu 159 Jahre, vielfältige Portfoliostruktu ren undAktienmärkte weltweit nachweisen konnten. Dabei hat sich Momentum trotz Kritik von Markteffizienz-Vertretern als robust erwiesen. Bedenken, dass es sich um bloßes Data-Mining handeln oder der Effekt durch Arbitrage wieder verschwinden könnte, haben sich bisher nicht bestätigt. Deshalb bezeichnen die Studienautoren die einstige Anomalie sogar als „ewiges Merk mal der Finanzmärkte“. Ob man dieser deutlichen Aussage nun folgt oder nicht: Wichtig istMomentumfür Investoren sowie Kapitalmarktforscher auf jeden Fall. Eine Frage ist aber trotz drei Jahrzehnten Forschung nicht abschließend geklärt: Warum gibt es den Momentum-Effekt überhaupt? Eine Erklärung ist, dass er auf der allmählichen (statt der sofortigen) Informationsverarbeitung durch Markt teilnehmer basiert, verursacht etwa durch Verhaltenseffekte. Demnach erfolgt auf neue Informationen zunächst eine Unter reaktionund anschließend eine prozyklische Momentum-Bewegung mit eventueller spä tererÜberreaktion. Die andere, risikobasierte Erklärung ist, dass es sich gar nicht um eine Anomalie, sondern eine bloße Risikoprämie handelt. DannwürdendieMomentum-Ren» Fast die gesamte Momentum-Prämie fällt in sechs Handelstagen gegen Monatsende an. Der Effekt ist in einer breiten Stichprobe dokumentiert, die 19 Industrieländer umfasst. « Matti Suominen, Professor of Finance, Aalto University School of Business
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