Institutional Money, Ausgabe 3/2026
Foto: © Hong Kong Polytechnic University Momentum-Prämie THEORIE & PRAXIS 3/2026 | institutional-money.com 111 diten lediglich für unternehmensspezifische odermakroökonomische Risiken entschädi- gen, die Anleger bei den jeweiligen Aktien eingehen. Auch das Crash-Risiko des Momentum-Faktors selbst könnte die höhere Renditeerwartung erklären. Neue Erkenntnisse Bisher fielen die gängigen Erklärungen in eine der beiden Kategorien. Doch nun stellt ein neues Paper einen dritten Ansatz vor. Daniel Nathan (Hong Kong Polytechnic University), Matti Suominen und Joni Tasa (beide Aalto University School of Business) schreiben in „The Intramonth Momentum Cycle“, dass große Teile der Momentum- Prämie bei US-Aktien innerhalb eines Zeitfensters von nur sechs Handelstagen gegen Ende eines Monats anfallen. Das ist in etwa der Zeitraum, in dem institutio- nelle Anleger dazu neigen, vor Monatsende etwas mehr Liquidität zu schaffen. Das hat ein Autorenquartett um Matti Suominen schon imJahr 2014 nachgewiesen („Dash for Cash: Monthly Market Impact of Institutio- nal Liquidity Needs“). In der aktuellen Studie schreiben Suominen und seine Co-Autoren nun, dass dieser Effekt auch Momentum hervorrufen kann. Die Mechanik ist dabei wie folgt: Wenn institutionelle Anleger ihren Cash- Bestand erhöhen möchten oder müssen, verkaufen sie überproportional Verlierer- Aktien. Das belastet die Kurse während des vorhersehbaren Zeitfensters erneut und befeuert damit den Momentum-Effekt auf der Short-Seite. Darauf deuten zumindest die Untersuchungsergebnisse hin. Diese kommen zustande, indem die Forscher zunächst jeden Monat in zwei Zeitfenster teilen: Eines umfasst die Handelstage T-9 bis T-4 relativ zum letzten Handelstag, das andere die restlichen etwa 15 Tage. Für die jeweils restliche Zeit außerhalb der beiden Zeitfenster nehmen sie an, dass Cash gehal- ten (und verzinst) wird. Das Ganze rechnen sie von Januar 1980 bis Dezember 2025 für den US-Markt zurück. Das Ergebnis erstaunt: Ein US-Dollar, der ab 1980 nur während des sechstägigen monatlichen Zeitfensters in den Momen- tum-Faktor investiert wurde, wuchs bis 2025 auf 18,78 US-Dollar. Wurde dagegen » Momentum-Crashs konzentrieren sich dagegen auf den Monatsanfang. « Daniel Nathan, Assistant Professor of Finance, School of Accounting and Finance, Hong Kong Polytechnic University 159 Jahre Momentum Kumulierte Momentum-Rendite in den USA (1866–2024) Die Grafik zeigt, wie sich ein US-Dollar in der Rückrechnung seit 1866 im Rahmen einer Long-Short-Momentum-Strategie (Top/Flop-Quintile) theoretisch entwickelt hätte. Der grundsätzlich positive Verlauf wurde durch zwei große Crashs getrübt (1929 und 2009). Quelle: Baltussen, G. / Dom, M. S. / Van Vliet, B. / Vidojevic, M. (2025), Momentum Factor Investing: Evidence and Evolution Kumulierte Rendite Daten vor CRSP (1866-1926) Daten im Momentum Paper Jegadeesh & Titman (1965-1989) Daten vor Momentum Paper (1927-1964) Daten nach Momentum Paper (1990-2024) 10 0 10 1 10 2 10 3 10 4 1880 1900 1920 1940 1960 1980 2000 2020 Gleich gewichtet Nach Marktkapitalisierung gewichtet Momentum Paper 1993
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