Institutional Money, Ausgabe 3/2026
Foto: © Aalto University School of Business THEORIE & PRAXIS Momentum-Prämie 112 3/2026 | institutional-money.com nur imübrigen längerenmonatlichen Zeit- fenster investiert, ergaben sich lediglich 2,40 US-Dollar. Das durchweg investierte Momentum-Portfolio wäre im Backtest dagegen auf 45,06 US-Dollar gewachsen (siehe Grafik „6 Tage entscheiden über den Momentum-Effekt“). Short dominiert Als Nächstes schauen sich die Autoren die Gewinnbeiträge der beiden Teilportfolios an. Dabei zeigt sich ein klarer Kontrast. Während die Renditen der Verlierer im sechstägigenZeitfenster um9,5 Basispunkte proTag hinter demMarkt liegen (und damit dem Short-Portfolio zugutekommen), erzie- len sie an den übrigenHandelstagen keinen signifikant positivenRenditebeitrag. Erstaun- lich ist auch, dass die Gewinner in beiden Subzeiträumen keinen nennenswerten Bei- trag erzielen (siehe Grafik „Loser-Aktien bestimmen die Momentum-Prämie“). Diese Ergebnisse sind überraschend. Sie zeigen nicht nur, dass die Momentum-Prä- mie überwiegend in einem relativ kurzen Zeitfenster erzielt wird, sondern auch, dass sie fast ausschließlich von der Short- Seite stammt. Vor diesem Hintergrund ist es nicht korrekt, dass „Gewinner beim Momentum-Effekt gewinnen und Verlierer verlieren“. Stattdessen fallen die Verlierer- Aktien zu vorhersehbaren Zeitpunkten weiter. Außerdem finden die Autoren her- aus, dass sich dieser Effekt vor allem auf liquide Verlierer-Aktien erstreckt. Diese gehören zu den Ersten, die institutionelle Anleger verkaufen, wenn sie schnell Liqui- dität schaffen müssen. Soweit scheint die Erklärung also schlüssig. Robuste Ergebnisse Die Forscher zeigen, dass der Effekt über den Untersuchungszeitraum hinweg stabil war. Wenn überhaupt, schreiben sie, hat sich das Muster innerhalb des sechstägigen Fensters mit dem Anstieg des von institutionellen Investoren verwalteten Vermögens mit der Zeit weiter verstärkt. Außerhalb des monat- lichen Zeitfensters gilt das aber nicht. Das deutet ebenfalls darauf hin, dassMomentum eine strukturelle Ursache hat. Umdie Ergebnisse auf breitere Beine zu stel- len, untersuchendieAutoren weltweitweitere Märkte. Dabei zeigt sich, dass Momen tum-Verlierer im sechstägigen Zeitfenster in 19 weiteren Industrieländern weltweit um durchschnittlich 4,5 Basispunkte pro Tag hinter dem lokalen Markt zurück- bleiben, während Momentum-Gewinner kein entsprechendesMuster aufweisen. Eine Ausnahme ist Japan, wo Momentum noch nie wirklich gut funktioniert hat. Passend dazu tritt der neu dokumentierte Effekt dort ebenfalls nicht auf. Schlussfolgerungen Der Momentum-Effekt hat einen neuen Erklärungsansatz, der die zwei gängigen Theorien herausfordert. Schließlich sollten die Momentum-Renditen kontinuierlich anfallen, wenn es eine Unterreaktion oder Verhaltenseffekte sind, die dazu führen, dass Informationen nicht sofort voll eingepreist werden. Das Gleiche gilt auch für risikoba- sierte Erklärungen. Stattdessen fällt aber ein großer Teil der Prämie in einem relativ kurzenZeitfenster an. Hinzu kommenwei- tere Untersuchungen der Autoren, denen zufolge sich das bekannte Crash-Risiko von Momentum stärker auf die ersten drei Tage eines Monats konzentriert. Das wider- spricht der risikobasierten Erklärung. Denn die Risiken fallen systematisch in einem anderen Zeitraum an als die Prämien. Ins- gesamt stehen die Chancen also gut, dass sich der strukturelle Erklärungsansatz etabliert. Für die Aussicht auf einen abschlie- ßenden Konsens ist es aber immer noch zu früh – auch nach mehr als 30 Jahren Momentum-Forschung. MARKO GRÄNITZ Sechs Tage entscheiden über den Momentum-Effekt Kumulierte Wertentwicklung der Momentum-Strategie Loser-Aktien bestimmen die Momentum-Prämie Einfluss von Gewinnern und Verlierern auf die Momentum-Rendite (1980–2025) Dargestellt sind die kumulierten Überrenditen der Long-Short-Strategien auf Basis von Top/Flop- Momentum-Dezilen. Die Strategien waren im Untersuchungszeitraum jeden Monat zu unterschied lichen Zeiten investiert (6 Tage, Rest des Monats, durchweg) und sonst in Cash. Trotz des relativ kur- zen Anlagezeitraums von nur 6 Tagen pro Monat erzielte die Momentum-Strategie im Zeitfenster T-9 bis T-4 zumMonatsende hin einen deutlich höheren Wertzuwachs als die Momentum-Strategie, die den Rest jedes Monats investiert war. Zudem fiel der Momentum-Crash im Jahr 2009 bei der 6-Tage-Strategie deutlich kleiner aus. Quelle: Nathan,D./Suominen,M./Tasa,J.(2026),The IntramonthMomentumCycle Die Grafik zeigt die mittlerenmarktbereinigten Tagesrenditen vonMomentum-Gewinnern und Momentum-Verlierern sowie die sich daraus ergebende Momentum-Rendite für den 6-tägi- gen Zeitraum gegen Monatsende (T-9 bis T-4) und den Rest des Monats. Quelle: Nathan,D./Suominen,M./Tasa,J.(2026),The IntramonthMomentumCycle Kumulierte Wertentwicklung von 1 US-Dollar (logarithmische Skala) 1 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2025 2 5 10 20 50 T-9 bis T-4 vor Monatsende Restlicher Monat Gesamte Zeit [T-9, T-4] Rest des Monats -15 -10 -5 0 5 10 15 20 Gewinner-Aktien Verlierer-Aktien Gewinner - Verlierer Mittlere tägliche marktbereinigte Rendite in Basispukten
RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=