Institutional Money, Ausgabe 3/2026

Synthetic Risk Transfer THEORIE & PRAXIS 3/2026 | institutional-money.com 105 kann eine Absicherung günstiger sein als das dafür vorzuhaltende Eigenkapital. Das Risiko wird also nicht beseitigt, sondern gegen eine Prämie ausgelagert. Wie stark dieser Hebel wirken kann, zeigt das Rechenbeispiel der BIS-Autoren. Eine Bank hält einKreditportfolio von einerMil- liarde Euro mit einem Risikogewicht von 65 Prozent. Ohne SRT stehen damit 650 Millionen Euro an risikogewichtetenAktiva in den Büchern.Wird eine siebenprozentige Mezzanine-Tranche an Investoren übertra­ gen, sinken die Risk Weighted Assets (RWAs) auf 263 Millionen Euro. Bei einer CET1-Anforderung von 12,5 Prozent fällt das erforderliche Kapital von 82 auf 33 Millionen Euro. Die Bank zahlt zwar für den Schutz, doch gemessen an den risiko- gewichteten Aktiva steigt die Rendite im Modell von fünf auf zehn Prozent. Weni- ger regulatorisches Kapital schafft mehr Spielraum für neue Kredite oder andere Geschäfte. Konsequenterweise kamen seit 2016 im Schnitt rund acht neue emittierende Ban- ken pro Jahr hinzu, mehr als 100 Institute haben SRTs genutzt. Getrieben wurde die Expansion laut den Autoren von regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Änderungen, der Optimierung von Bank- bilanzen und der steigenden Nachfrage institutioneller Investoren. Zugleich hat sich der Markt über die großen europäischen Häuser hinaus verbreitert: Kleinere Banken und zuletzt auch nordamerikanische Insti- tute sind stärker vertreten. Trotz dieser Expansion bleibt der Markt im Verhältnis zu den Bankbilanzen klein. In der EU, den USA, Großbritannien und Kanada waren Ende 2024 jeweils rund zwei Prozent oder weniger der Bankkredite durch SRTs geschützt. Bei den 44 analysier- ten SRT-Banken lag der durchschnittliche Kapitalentlastungseffekt bei lediglich 43 Basispunkten CET1; sektorweit liegen die CET1-Quoten bei rund 14 bis 16 Pro- zent. SRTs sind damit bislang eher ein Instrument der Bilanzsteuerung als ein Fun- dament ganzer Geschäftsmodelle. Größere Institute nutzen SRTs häufiger, was angesichts der Fixkosten und der nötigen Expertise wenig überrascht. Interessanter ist: Banken mit niedrigeren CET1-Quoten greifen eher zu SRTs. In der Untersuchung europäischer Institute erhöht ein Rückgang der CET1-Quote um einen Prozentpunkt dieWahrscheinlichkeit einer SRT-Nutzung um 25 Basispunkte. Der Markt wird damit gerade dort attraktiv, wo Kapital vergleichs- weise knapp ist. Europäische Dominanz Geografisch bleibt SRT ein stark europäisch geprägtes Geschäft. Rund die Hälfte des weltweit ausstehenden Volumens entfiel Ende 2024 auf Banken aus der EU, die laut BIS knapp 391 Milliarden Euro an geschützten Krediten aufwiesen. Die USA kamen auf 164 Milliarden Euro, Groß- britannien auf 126 Milliarden. Europas Dominanz erklärt sich auch historisch: Das stärker bankbasierte Finanzsystemund ein regulatorischer Rahmen, der syntheti­ sche Verbriefungen zulässt, haben dem Instrument früh einenNährboden bereitet. Auch die Kreditportfolios sind konzentriert. Firmen- und KMU-Kredite machten 2024 fast 80 Prozent der Neuemissionen aus. Gerade klassische Unternehmenskredite binden vergleichsweise viel regulatorisches Die Mechanik einer typischen dreitranchigen SRT-Struktur Rechnerisch vermindertes Kreditrisiko für die Bank In der Beispielrechnung der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIS) bleibt ein Kreditportfolio von einer Milliarde Euro in der Bankbilanz, während die Mezzanine-Tranche an Investoren übertragen wird. Dadurch sinken die risikogewichteten Aktiva von 650 auf 263 Millionen Euro. Die Grafik zeigt zugleich die drei gängigen SRT-Strukturen über CLN, Garantie oder SPV. Quelle: BIS Quarterly Review, March 2026 CLN = Credit-Linked Note; RW = Risk Weight; RWA = Risk-Weighted Asset; SPV = Special Purpose Vehicle; SRT = Synthetic Risk Transfer Kreditport­ folio (1 Mrd. €) 65% RW Senior- Tranche (920 Mio. €) 15% RW Mezzanine- Tranche (70 Mio. €) 0% RW SRT: 3 Haupttypen Investor Investor Investor Verwahrstelle Verwahrstelle First-Loss- Tranche (10 Mio. €) 1.250% RW Kreditausfälle Ausstellende Bank Einbehalten Einbehalten Von einer Bank ausgegebene CLN Bilaterale Garantie SPV-Emissionen Bank CLN/Prämie Prämie Prämie SPV CLN Sicherheiten Sicherheiten Bargeld/Absicherung Absicherung Absicherung Bargeld 1 2 3

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