Institutional Money, Ausgabe 3/2026

THEORIE & PRAXIS Synthetic Risk Transfer 106 3/2026 | institutional-money.com Kapital, obwohl die tatsächlichen Ausfall- risiken vielfach überschaubar sind. Für Banken ergibt sich damit einAnreiz, gerade diese Portfolios in SRT-Strukturen einzu- bringen. Inzwischen umfasst das Spektrum aber auch Autokredite, Wohnbaufinanzie- rungen, Commercial Real Estate, Leveraged Finance oder Capital-Call-Fazilitäten. Mit neuen Kreditarten und kleineren Banken wird das Instrument breiter – und somit die Risikolandschaft unübersichtlicher. Auf Investorenseite dominieren speziali- sierte Kreditfonds und Asset Manager. Vor der Pandemie entfielen rund drei Viertel der jährlichen SRT-Investments auf wenige Kredit- und Pensionsfonds. Inzwischen sind Private-Credit-Fonds, Hedgefonds und große Multi-Strategy-Häuser stärker prä- sent. Für institutionelle Investoren liegt der Reiz auf der Hand: Sie erhalten Zugang zu hochwertigen Bankkrediten, die ihnen über öffentliche Märkte oft nicht zur Ver- fügung stehen. Gleichzeitig ermöglichen die Tranchenstrukturen höhere Renditen – gegen konzentrierte Kreditrisiken. Ein neues Spiel SRTs verteilen also letzten Endes Risiken nicht nur, sie schaffen neue Verbindungen zwischen Banken und Nichtbanken. Solange diese überschaubar bleiben, kann das System robuster werden. Kritisch wird es dort, wo aus einer linearen Risikoüber- tragung ein „circle risk“ wird. Das kann so aussehen: Eine Bank überträgt über eine SRT-Struktur Kreditrisiko an einen Fonds. Der Fonds finanziert seine Position wiede- rum über Repo oder Kreditlinien bei einer anderen Bank. Formal hat das ursprüngli- che Institut Risiko ausgelagert, ökonomisch kann ein Teil davon aber über die Finan- zierung des Investors in das Bankensystem zurückkehren. Noch komplexer wird es, wenn der Fonds Unternehmen finanziert oder besitzt, deren Kredite im Referenz- portfolio liegen. Dann können Verluste im Portfolio und Belastungen beim Siche- rungsgeber gleichzeitig auftreten. Die BIS-Autoren weisen auch auf Struk- turen hin, bei denen Banken, Fonds und Versicherer in mehreren Stufen miteinan- der verbunden sind oder SRT-Exposure erneut verpackt wird. Bislang gibt es nur begrenzte Hinweise auf eine breite Nut- zung. Die historische Erinnerung ist dennoch unangenehm. Vor der globalen Finanzkrise war es gerade die Kombina- tion aus Verbriefung, Wiederverbriefung, Fremdfinanzierung undmangelnder Trans- parenz, die vermeintlich verteilte Risiken zu einem systemischen Problem machte. Die heutigen SRTs erscheinen laut Auto- ren zwar regulatorisch wesentlich robuster als die berühmt-berüchtigten Subprime- Pakete, der hohe Verflechtungsgrad steigert jedoch die Unübersichtlichkeit. Persistentes Risiko Problematisch wird es auch, wenn Banken die durch SRTs geschaffene Kapitalentlas­ tung dauerhaft in ihre Bilanzplanung einbauen. Läuft eine Transaktion aus, stei- gen die risikogewichtetenAktiva wieder an, sofern kein neuer Schutz gefunden wird. Das Kreditportfolio selbst hat sich dabei nicht verändert – wohl aber sein regulatori- scher Kapitalverbrauch. Hat eine Bank den frei gewordenen Spielraum inzwischen für zusätzliche Kredite genutzt, wird sie damit abhängig von der Bereitschaft externer Investoren, die Absicherung zu erneuern. Genau daraus leitet die BIS das soge- nannte Rollover- oder Flowback-Risk ab. In einer Stressphase könnte neuer Schutz ausgerechnet dann teurer oder schwe- rer verfügbar werden, wenn zugleich die Kapitalpuffer der Banken unter Druck geraten. SRTs würden einen Abschwung damit nicht verursachen, könnten aber einen bestehenden Kreditzyklus verstär- ken. Co-Autor Chui warnt entsprechend: „In einem Stress-Szenario könnten SRTs als Übertragungsverstärker wirken, indem sie die Kreditvergabekapazität der Banken einengen.“ Bislang ist dieses Risiko reine Theorie geblieben. SRTs haben die jüngsten Stressphasen – einschließlich der Covid- Turbulenzen – vergleichsweise gut überstanden. Die Kreditportfolios zeig- ten robuste Qualität, die Abhängigkeit der Banken von SRT-Kapitalentlastungen ist gering, und eine größere Fälligkeits- wand existiert bislang nicht. Auch die Investorenseite wirkt derzeit weniger fra- gil, als man angesichts des Wachstums von Private Credit vermuten könnte. Vermessung des Wachstums Europäische Domäne mit Amerika-Touch Bemerkenswerterweise wird der SRT-Markt von Europa dominiert. Amerikas Finanzsektor zeigt ob der Hebelmöglichkeiten steigendes Interesse. Quelle: BIS Quarterly Review, March 2026 0 18 15 21 24 50 100 150 Mio. Euro 200 300 EU Restliches Europa Nordamerika und andere 250 EU USA UK Kanada Restliches Europa Japan 49 (391 Mio. Euro) 21 (164 Mio. Euro) 16 (126 Mio. Euro) 11 (83 Mio. Euro) 3 (22 Mio. Euro) 1 (5 Mio. Euro) 0 18 15 21 24 5 10 15 Mio. Euro 20 25 Kreditfonds Vermögensverwalter Pensionsfonds Kreditrisikoversicherer Versicherungs- gesellschaften Öffentlicher Sektor Sonstige oder k.A.

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