Institutional Money, Ausgabe 2 | 2026

Foto: © Gary Spector Photography INTERVIEW Luke Flemmer | MSCI 74 2/2026 | institutional-money.com Transparenz ist natürlich ein Schlüs- selwort, aber in illiquiden Märkten ist sie naturgemäß begrenzt. Wie weit kann man Transparenz in Private Equity, Private Debt oder Venture Capital realistisch treiben, ohne die Geschäftsmodelle der GPs oder der Portfoliounternehmen zu gefährden? LUKE FLEMMER: Ich würde zwei grundlegend verschiedene Arten von Opazität unterscheiden. Die erste ist schlicht die Folge unreifer Datensysteme und Marktpraktiken: Die Information existiert, ist relevant und zugänglich, aber sie wird nicht in einem Format auf- bereitet, das einen Vergleich erlaubt. Da machen wir erhebliche Fortschritte, und die Datenqualität wird sich hier konti- nuierlich verbessern. Die zweite Art von Opazität ist struktureller Natur und die LQWHUHVVDQWHUH 6LH EHWULȬW GDV :HVHQ GHV Investments selbst. Privatmärkte existie- ren zum Teil gerade deshalb, weil sie Unternehmen Kredite geben oder Betei- ligungen ermöglichen, die nicht unter GHP SHUPDQHQWHQ 6SRWOLJKW GHU ĆȬHQWOL - chen Märkte stehen wollen oder können. Am extremen Ende steht Venture Capital: :HQQ ZLU YRQ HLQHP=ZHL 0DQQ 6WDUW XS Sarbanes-Oxley-Compliance und geprüfte Jahresabschlüsse verlangen, kommen wir nicht weit. Es gibt ein Spektrum von Venture über Growth Equity bis hin zu Buy-out, und an jedemPunkt gibt es ange- messene Transparenzniveaus. Investoren werden dafür kompensiert, dass sie diese Informationsunsicherheit tragen, und ein Teil des Alphas ist letztlich Ausdruck davon. Ein großer Teil unserer Arbeit bei MSCI besteht darin, robuste Korrelationen ]ZLVFKHQ GHQ ĆȬHQWOLFKHQ 0ÌUNWHQ XQG den illiquiden Assetklassen aufzubauen, um ein zeitnahes Bild des privaten Port- IROLRV ]X HUPĆJOLFKHQ RKQH GDV :HVHQ GHV privaten Marktes zu beschädigen. Das klingt nach zwei parallelen Zeit- skalen, die gleichzeitig operieren: der natürliche Zeithorizont des Invest- ments einerseits, die Notwendigkeit zeitnaher Information andererseits. Ist das nicht ein fundamentaler Widerspruch? LUKE FLEMMER: Genau das ist ein VHKU ZLFKWLJHU 3XQNW %HLGH =HLWVNDOHQ operieren gleichzeitig und müssen respek- WLHUW ZHUGHQ 'LH QDWĞUOLFKH =HLWVNDOD GHV Investments muss anerkannt werden, sonst brechen wir das, was an Private Assets gut ist: die leichtere Berichtslast, die geringere Aktualitätsanforderung, das Prinzip des geduldigen Kapitals. Aber das bedeutet umgekehrt nicht, dass es keine Echtzeit- informationen gibt, die wir heranziehen können. Nehmen Sie ein mittelgroßes Pri- vatunternehmen mit einem EBITDA von 20 Millionen Dollar: Da gibt es keinen sinnvollen Grund, täglich Umsatz-Updates zu erhalten. Aber ich kann Indizes nut- zen, die robuste Korrelationen zwischen Marktbewegungen und dem Sektor dieses Unternehmens abbilden. Das erlaubt mir einemodellbasierte, wirtschaftlich sinnvolle Echtzeitperspektive auf mein Portfolio. So kann ich im liquiden Teil meines Portfo- liosmöglicherweise korrigierend eingreifen, wenn Signale andeuten, dass private Positio- nen unter Druck geraten – und das noch bevor ich das in den Fondsdaten sehe. MSCI hat mit demPrivate Asset Clas- sification System ein GICS für Private Markets geschaffen. Inwiefern löst das Kommunikationsprobleme, wie wir sie gerade in der Private-Credit-Krise beobachten? LUKE FLEMMER: Das aktuelle Markt- geschehen ist hier sehr illustrativ. Viele börsennotierte Manager mit „Private Cre- dit“ im Namen sahen ihre Aktienkurse massiv einbrechen, obwohl der tatsächli- che Anteil in ihrem Portfolio gering ist. :HLO GLH %UDQFKH NHLQH NODUH HLQKHLWOLFKH Sprache hat, ist es für sie extrem schwer, präzise zu kommunizieren, was in ihren Portfolios steckt. Sie müssen eine ganze Geschichte erzählen, anstatt einfach eine VWDQGDUGLVLHUWH =DKO QHQQHQ ]X NĆQQHQ :HQQ ZLU HLQH JHPHLQVDPH 7D[RQRPLH hätten, könnten Manager ihr Exposure QDFK HLQHP 6WDQGDUGV\VWHP NODVVLlj]LHUHQ und der Investor könnte es sofort ein- ordnen. Finanzmärkte entwickeln sich historisch gesehen durch Krisen weiter. Ich bin überzeugt, dass die aktuelle Pri- vate-Credit-Erfahrung langfristig zu mehr Transparenz und besserer Kommunikation führen wird. Zum Abschluss: Wenn Sie einem Investment Committee eines großen institutionellen Investors drei Fragen mitgeben dürften, die es sich heute in Bezug auf Private Markets stellen sollte, welche wären das? LUKE FLEMMER: Ich würde folgende vorschlagen: Erstens, wird der Mana- ger bereit sein, auf Assetklassenebene in einem Detailgrad zu berichten, den wir für unsere Steuerungszwecke als ange- PHVVHQ HUDFKWHQ" =ZHLWHQV EHULFKWHW GHU Manager in einem Format, das mit mei- ner eigenen Portfoliosicht konsistent ist, oder in einer idiosynkratischen Sprache, die das Portfolio zu einem unlesbaren Flickenteppichmacht? Und drittens, werde ich über wesentliche Ereignisse im Port- folio zeitnah informiert? Gibt es eine klare Policy des Managers, was kom- muniziert wird und wann? Diese drei Fragen – angemessene Granularität, kon- sistente Nomenklatur und Aktualität – adressieren die Dimensionen, an denen Private-Markets-Daten heute in der Praxis DP KÌXljJVWHQ VFKHLWHUQ HANS HEUSER » Ich bin überzeugt, dass die aktuelle Private-Credit- Erfahrung langfristig zu mehr Transparenz und besserer Kommunikation führen wird. « Luke Flemmer, Head of Private Assets bei MSCI

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