Institutional Money, Ausgabe 2 | 2026
INTERVIEW Luke Flemmer | MSCI 64 2/2026 | institutional-money.com PRIVATE MARKETS SIND LÄNGST kein Nischensegment mehr. Laut Luke Flemmer, Head of Private Assets bei MSCI in New York, machen sie inzwischen fast ein Fünftel institutioneller Großportfolios aus. Und doch fehlt es an den grundle- gendsten Voraussetzungen für rationale Anlageentscheidungen: konsistente Daten, verlässliche Bewertungen, eine gemeinsame Sprache. Wir haben den Privatmarktexper- ten dazu befragt, und er hat uns erklärt, ZDUXP *HQHUDO 3DUWQHU LKUH 0DQGDWVGHlj - QLWLRQHQ QLFKW VHOWHQ JHIÌKUOLFK RȬHQ ODVVHQ wie ein Drift von Senior zu Junior Debt unbemerkt Portfoliorisiken verändert und ZDV GDV DOOHV LQQHUKDOE HLQHV LPPHU KÌXlj - ger angewandten Total-Portfolio-Ansatzes konkret bedeutet. Herr Flemmer, MSCI hat innerhalb weniger Wochen gleich zwei Akqui- sitionen im Private-Markets-Bereich abgeschlossen, Vantager und PM Insights. Was steckt dahinter, und wo stehen Sie heute? LUKE FLEMMER: Das waren zwei sehr unterschiedliche, aber strategisch eng auf- einander abgestimmte Transaktionen, die jeweils neue Kapazitäten in unser Haus bringen. Vantager adressiert den Pre-Trade- Bereich: Wir haben bereits ein robustes Post-Trade-Geschäft, das institutionelle Asset Owner bei der Verwaltung ihrer Positionen, beim Reporting und dem lau- fenden Datenmanagement unterstützt. Mit Vantager weiten wir das nun auf die Due-Diligence-Phase aus. Die Plattform, und das ist ein entscheidender Punkt, ist KI-nativ konzipiert und hilft LPs dabei, Investmentopportunitäten strukturiert zu erfassen, die oft manuell und fehleran- fällig befüllten Datenräume der Manager zu digitalisieren und den gesamten Ent- scheidungsprozess mit MSCI-Analysen zu unterlegen. PM Insights hingegen ist auf Bewertung und Pricing fokussiert, kon- kret auf tägliche Valuations für große, spätphasige Privatunternehmen. Für diese Gesellschaften existiert bereits ein aktiver Sekundärmarkt, auf dem täglich Anteile den Eigentümer wechseln. PMI aggregiert diese Preissignale und liefert ein tägliches Bild von Preisen, Liquidität und Markt- tiefe. Damit schließen wir eine Lücke, die im Markt schon lange wahrgenommen wurde. Das stärkt unsere Positionierung im Bewertungsbereich für Private Assets erheblich und ergänzt unser bestehendes Portfolio auf ideale Weise. Private Markets haben sich von einer Nischenstrategie zu einem Kern- element institutioneller Portfolios entwickelt. Wo stehen wir im Zyklus? Mitten in einer Normalisierung oder noch immer im außergewöhnlichen Wachstumsmodus? LUKE FLEMMER: Unsere Einschät- zung, die sich aus Befragungen und dem direkten Austauschmit Marktteilnehmern speist, ist eindeutig: Die Allokationen in Private Markets werden weiter wachsen. Wir sehen keine Trendumkehr, und das trotz des Lärms rund um Private Credit, der zuletzt die Schlagzeilen dominierte. Die institutionelle Basis wie Pensionsfonds, Staatsfonds und Versicherungen investiert seit vielen Jahren in diese Anlageklassen, weshalb diese Märkte in vielerlei Hinsicht bereits als relativ reif gelten können. Für Anleger mit natürlich langemZeithorizont sind Illiquiditäts- oder Geduldskapitalprä- mien hochgradig attraktiv, und daran wird sich grundsätzlich nichts ändern. Was sich verändert, sind die Treiber am Rand des Marktes. Zwei säkulare Trends fallen dabei besonders auf: zum einen der politische Rückenwind, gerade in Europa. Im Ver- einigtenKönigreich hat dasMansionHouse explizit empfohlen – und das als deutli- che politische Absichtserklärung –, bis zu zehn Prozent des institutionellen Pensions- vermögens in Private Assets zu lenken. In Deutschland gab es ähnliche Impulse für Infrastruktur: Eine Fünf-Prozent-Allokation in Infrastrukturfonds wurde mandatiert oder zumindest stark gefördert. Das spie- gelt den breiten politischenWunsch wider, mehr Kapital in heimische Kapazitäten zu lenken. Zum anderen beobachten wir ein spektakuläres Wachstum im Retail- und Wealth-Kanal, und das mit Wachstumsra- ten von 150 Prozent im Jahresvergleich in manchen Segmenten. Das sind zwei sehr unterschiedliche Kanäle, die beide auf ihre HLJHQH $UW QDFKKDOWLJH .DSLWDO]XijĞVVH LQ Private Assets generieren. Sie haben den „Lärm“ rund um Pri- vate Credit angesprochen. Ist das » Wenn Investoren Bedenken zur Kreditqualität hegen und Kapital abziehen wollen, dabei aber auf einen Gating- Mechanismus stoßen, entstehen Schlagzeilen. « Luke Flemmer, Head of Private Assets bei MSCI DATEN UND FAKTEN: Gründung: 1969 als Teil von Morgan Stanley Capital International, seit 2009 eigenständig Hauptsitz: New York City Börsennotierung: New York Stock Exchange (NYSE) Tickersymbol: MSCI ISIN: US55354G1004 Marktkapitalisierung: circa 40,9 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: 3,13 Milliarden US-Dollar (Geschäftsjahr 2025; +9,75 % gegenüber Vorjahr) Mitarbeiter: circa 6.300 weltweit Größte Aktionäre: Vanguard (11,77 %) BlackRock (5,39 %) State Street (4,23 %)
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