Institutional Money, Ausgabe 2 | 2026

Foto: © Christoph Hemmerich INTERVIEW Burkhard Balz | Deutsche Bundesbank 60 2/2026 | institutional-money.com überall imEuroraumvöllig gleichberechtigt als gesetzliche Zahlungsmittel akzeptiert werden. Es gibt also keinen Widerspruch. Bargeld und der digitale Euro ergänzen sich sinnvoll. Angesichts der wachsenden Bargeld- skepsis im Handel und steigender Kosten in der Logistik: Ab welchem Punkt wäre die Bundesbank ver- pflichtet, offen zu sagen, dass die Bargeldversorgung in der bisherigen Form nicht mehr leistbar ist? BURKHARD BALZ: Ich sehe keine wach- sende Bargeldskepsis im Handel. Unsere Studien zeigen unisono, dass Bargeld im deutschen Handel nach wie vor fast über- all akzeptiert wird. Und mit dem bereits erwähnten Verordnungspaket „Single Cur- rency Package“ wird es Händlern wohl NĞQIWLJ QXU QRFK LQ VHKU HQJ GHljQLHU - ten Ausnahmefällen erlaubt sein, Bargeld nicht anzunehmen. Was unsere Infra- VWUXNWXU EHWULȬW 0LW XQVHUHU NĞQIWLJHQ Filialstruktur, einschließlich der vier neuen Bundesbank-Filialen, fühlen wir uns sehr gut aufgestellt, um die Bargeldversorgung langfristig zu sichern. Die Frage nach GHP 3XQNW DQ GHP ZLU ĆȬHQWOLFK $ODUP schlagen müssten, stellt sich für mich also überhaupt nicht. Sie waren fast zehn Jahre Abgeord- neter im Europäischen Parlament, finanzpolitischer Sprecher der EVP im ECON-Ausschuss, davor lange im Bankenbereich tätig. Hilft oder hemmt diese Biografie Ihre Rolle als unabhän- giger Zentralbanker? BURKHARD BALZ: 0HLQH %HUXIVHUIDK - rung hilft mir enorm, und das geradezu täglich. Die Jahre im Europäischen Parla- ment, insbesondere im ECON-Ausschuss, haben mir ein sehr tiefes Verständnis für den komplexen europäischen Gesetzge- bungsprozess und für unterschiedliche politische Perspektiven gegeben. Das ist gerade jetzt von absolut unschätzbarem Wert, wo wir über große Themen wie den digitalen Euro sprechen. Die Zeit im Bankenbereich hat mir zudem einen VHKU SUDNWLVFKHQ %OLFN DXI GLH 0ÌUNWH DXI Geschäftsmodelle und operative Abläufe YHUPLWWHOW :HQQ ZLU KHXWH ĞEHU 0DUNWLQ - frastrukturen oder die Kapitalmarktunion sprechen, kenne ich die Sicht der betrof- fenen Institute aus eigener Erfahrung. *OHLFK]HLWLJ LVW IĞU PLFK DEHU NODU 0LW dem Wechsel in den Bundesbankvor- stand habe ich ganz bewusst auch die Rolle gewechselt – von der Politik hin- ein in eine völlig unabhängige Institution. Unabhängigkeit bedeutet für mich, Ent- VFKHLGXQJHQ VWULNW DP0DQGDW XQG DQ GHU Sachlage auszurichten, und nicht an par- teipolitischen Erwägungen. Die politische und marktnahe Erfahrung hilft mir sehr, Argumente besser zu verstehen. Dieses Ver- ständnis ändert aber natürlich nichts an der Distanz, die ein Zentralbanker unbedingt haben muss. Wenn Sie mit einem kritischen insti- tutionellen Investor sprechen, der in der aktuellen Regulierungs- und Infrastrukturagenda vor allem „Over- reach“ der Zentralbanken sieht: Welches Missverständnis räumen Sie als Erstes aus, und bei welchem Kri- tikpunkt sagen Sie: „Da hat der Markt einen Punkt“? BURKHARD BALZ: Das wichtigste 0LVVYHUVWÌQGQLV LQ VROFKHQ *HVSUÌFKHQ ist die Vorstellung, wir Zentralbanken wollten mit Projekten wie dem digitalen Euro, Wholesale-CBDC oder einer stren- geren Regulierung für Stablecoins den 0DUNW YROOVWÌQGLJ YHUGUÌQJHQ RGHU DP Ende alles zentral steuern. Unser Ziel ist GDV JHQDXH *HJHQWHLO :LU ZROOHQ HLQHQ VWDELOHQ YHUOÌVVOLFKHQ 5DKPHQ VFKDȬHQ in dem private Innovation überhaupt erst gedeihen kann, mit Zentralbankgeld als sicherem Anker. Beim digitalen Euro geht es uns nicht darum, Banken oder Zahlungs- dienstleister zu ersetzen. Der digitale Euro kann eine gemeinsame europäische Infra- VWUXNWXU VFKDȬHQ DXI GHU %DQNHQ HLJHQH Angebote entwickeln und ihren Kundin- nen und Kunden europaweit nutzbare Zahlungslösungen anbieten können. Und Wholesale-CBDC sorgt dafür, dass auch in einer tokenisierten Finanzwelt die Abwick- lung über Zentralbankgeld erfolgt. Es geht nicht darum, private Plattformen zu ver- staatlichen. Gleichzeitig, das sage ich ganz RȬHQ KDW GHU 0DUNW EHL HLQHP3XQNW UHFKW Wir müssen sehr sorgfältig darauf achten, GDVV 5HJXOLHUXQJ XQGQHXH ĆȬHQWOLFKH ,QIUD - strukturprojekte nicht unnötig Komplexität und hohe Kosten erzeugen. Die Sorge vor Überlagerung und teuren Doppelstruktu- ren ist ernst zu nehmen. Deshalb ist mir der enge Austausch mit der Finanzwirtschaft auch so wichtig, sei es bei der Ausgestal- tung des digitalen Euro, bei Pontes und $SSLD RGHU EHL 6WDEOHFRLQV :R GHU 0DUNW auf echte Umsetzungsprobleme hinweist, sollten wir zuhören und pragmatisch nach- justieren, ohne jedoch die übergeordneten Ziele wie Stabilität, Souveränität und faire Wettbewerbsbedingungen aus den Augen zu verlieren. Ende August endet Ihre reguläre Amtszeit im Vorstand der Bundes- bank. Bleibt es dabei oder gibt es eine Verlängerung? BURKHARD BALZ: Die Entscheidung über die Bestellung von Vorstandsmitglie- dern der Bundesbank liegt bei der Politik. Nur politische Entscheidungsträger können und sollen darüber entscheiden. Was ich VDJHQNDQQ 0HLQH GHU]HLWLJH$XIJDEHPDFKW mir nachwie vor sehr viel Spaß. Sie ist außer- ordentlich interessant. HANS HEUSER » Unabhängigkeit bedeutet für mich, Entscheidungen strikt am Mandat und an der Sachlage auszurichten – und nicht an parteipolitischen Erwägungen. « Burkhard Balz, Deutsche Bundesbank

RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=