Institutional Money, Ausgabe 2 | 2026
INTERVIEW Burkhard Balz | Deutsche Bundesbank 52 2/2026 | institutional-money.com ein normales Bankkonto angebunden sein. Ein Beispiel: Nehmen wir an, das Halte- limit wird auf 3.000 Euro festgelegt, jemand möchte aber Möbel für 8.000 Euro kaufen. Dannwird der fehlende Betrag automatisch vomBankkonto in dieWallet nachgeladen. Digitale-Euro-Transaktionen sind also in beliebiger Höhe möglich, ohne dass Nut- zerinnen undNutzer selbst aktiv Geld vom Bankkonto in die Wallet umbuchen müs- sen. Deswegen sprechen wir von einem Haltelimit und nicht von einem Trans- aktions- oder Verfügungslimit. In diesen Tagen gibt es Meldungen, wonach sich die Abstimmungen im EU-Parlament zum digitalen Euro verzögern und der Zeitplan für das gesamte Projekt wackelt. Sollte man sich Sorgen machen? BURKHARD BALZ: Dass sich die Ver- handlungen auf europäischer Ebene nun etwas länger hingezogen haben, hat uns nicht überrascht. Das ist absolut nicht schlimm. Solche weitreichenden Gesetz- gebungsprozesse brauchen in einer Demokratie schlichtweg ihre Zeit, und es geht hier um ein Projekt von ganz erhebli- cher Tragweite. Was mich sehr optimistisch stimmt: Die Verhandlungsführer haben ]XOHW]W DXVGUĞFNOLFK XQG ĆȬHQWOLFK JHVDJW dass sie ihre Arbeit im Juni abschließenwol- len. Der erste Trilog zwischen Europäischer Kommission, EuropäischemParlament und demRat der EuropäischenUnion soll noch vor der parlamentarischen Sommerpause VWDWWljQGHQ 'DV LVW HLQ VHKU NODUHV 6LJQDO Ich bin absolut zuversichtlich, dass wir bei diesem Vorhaben auf Kurs bleiben. Können Sie verstehen, dass es Skep- sis gegenüber dem digitalen Euro gibt, gerade seitens der Banken? BURKHARD BALZ: Natürlich verstehe ich diese Skepsis. Wir haben in Europa ein Zahlungssystem, das sich über Jahr- zehnte hinweg bewährt und entwickelt hat. Und eine völlig neue digitale Bezahl- PHWKRGH NDQQ DXFK GLVUXSWLYH (ȬHNWH entfalten. Die Banken stehen im Zah- lungsverkehr heute ohnehin schon unter massivem Druck, der nicht von uns als Zentralbank kommt, sondern durch die enormen Transformationsprozesse im Markt. Es gibt neue Player, sehr agile Fintechs, völlig neue Zahlungsformen und auch Stablecoins. Ich erinnere in solchen Diskussionen aber immer gern daran: Als wir vor nunmehr über 25 Jah- ren den Euro eingeführt haben, war die anfängliche Skepsis ebenfalls riesig. Auch damals mussten die Notenbanken viel Überzeugungsarbeit leisten. Diese Skepsis ist dann aber relativ schnell verschwun- den. Heute ist der Euro bekanntermaßen eine allgemein anerkannte und sehr ver- trauenswürdige Währung. Wir wollen mit dem digitalen Euro nun eine digi- tale Version von genau dieser Währung VFKDȬHQ 'HVKDOE VLQG ZLU DOV %XQGHV - bank schon heute sehr aktiv imDialog mit den Menschen. Wir haben zum Beispiel eine eigene Veranstaltungsreihe mit dem Namen „Bits und Bargeld“ entwickelt. Da geht es um digitale Zahlungsmöglichkei- ten und Bargeld als verschiedene Optionen mit unterschiedlichen Eigenschaften, die Bürgerinnen und Bürgern nutzen können. 'LHVHV )RUPDW ljQGHW LQ]ZLVFKHQ EHUHLWV zum zehnten Mal statt und wird sehr gut angenommen. Manche befürchten, der digitale Euro werde eher Komplexität als Effizienz erzeugen, etwa durch parallele Systeme neben Bargeld, Instant Pay- ments und Kartensystemen. BURKHARD BALZ: Der digitale Euro wird bei richtiger Ausgestaltung dabei helfen, die heutige Fragmentierung imeuro- päischen Zahlungsverkehr zu verringern. Banken und andere Zahlungsdienstleister können mit dem digitalen Euro ihre Kun- denbindung weiter stärken. Sie bleiben die zentrale Anlaufstelle für die Verbrauche- rinnen und Verbraucher. Alle praktischen Services rundumdendigitalenEurowerden weiterhin von den Banken, den Sparkas- sen und anderen Zahlungsdienstleistern erbracht. Ich sehe den digitalen Euro ganz klar als Ergänzung zu privaten europäischen Lösungen wie der Wero Wallet oder süd- europäischen Bezahllösungen wie Bizum. Solche privaten Systeme und der digitale Euro könnenund sollenmiteinander koope- rieren. Am Ende muss der digitale Euro bei den Menschen im Alltag ankommen. Das wird über die etablierten Bank-Apps lau- fen, die viele Bürgerinnen und Bürger heute schon kennen und nutzen. Das klingt nach einer Partnerschaft, die für die Banken auch finanziell attraktiv sein muss. BURKHARD BALZ: Das ist ein absolut zentraler und berechtigter Punkt. Wenn ich sage, wir brauchen eine enge Partner- schaft mit der Kreditwirtschaft, dannmuss sich diese Partnerschaft für Banken und andere Zahlungsdienstleister amEnde auch wirtschaftlich lohnen. Eine Zentralbank muss keine eigenen Gewinne erwirtschaf- ten. Geschäftsbanken, vor allem natürlich börsennotierte Banken, müssen das schon. Deshalb diskutiert der Gesetzgeber derzeit intensiv ein mögliches Kompensations- modell. Ich betone das ganz bewusst: Es PXVV ljQDQ]LHOO ZLUNOLFK DWWUDNWLY VHLQ GLHVH neuen Services rund umden digitalen Euro anzubieten. Das gilt für Privatbanken, Spar- kassen und andere Zahlungsdienstleister gleichermaßen. Die entsprechenden Ver- handlungen dazu laufen noch. Aber die grundsätzliche Richtung ist völlig klar. DEUTSCHE BUNDESBANK: 10.333 Mitarbeiter 1 Zentrale (Frankfurt) 9 Hauptverwaltungen 31 Filialen Bilanzsumme: 2.348,98 Mrd. € Gesamte Währungsreserven: 481,8 Mrd. € Goldbestand: 3.350 Tonnen im Wert von 395,2 Mrd. € Devisen: 31,9 Mrd. € Forderungen an den IWF: 54,7 Mrd. €
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