Institutional Money, Ausgabe 2 | 2026

Foto: © Christoph Hemmerich INTERVIEW Burkhard Balz | Deutsche Bundesbank 50 2/2026 | institutional-money.com überstehen. Nehmen Sie das sehr nahelie- gende Beispiel eines größeren Stromausfalls. Wir hatten derartige Vorfälle kürzlich erst in Berlin, im vergangenen Jahr in wei- ten Teilen der Iberischen Halbinsel sowie in einigen Regionen Südfrankreichs. Der Strom war plötzlich komplett weg. Ganze Ladenketten haben infolgedessen JHVFKORVVHQ 'HVKDOE LVW GLH JHSODQWH 2Ȭ - line-Funktion des digitalen Euro für uns ein wesentliches und unverzichtbares Design- element. Mit dieser Funktion kann man auch dann digital bezahlen, wenn tempo- rär kein Netz und kein Strom verfügbar ist. Eine Voraussetzung ist natürlich, dass das Handy mit der Digitale-Euro-Wallet aufgeladen ist. Auch Bargeld ist ein sehr resi- lientes und daher wichtiges Zahlungsmittel. Schweden ist in diesem Zusammenhang ein lehrreiches Beispiel: Dort wird nur noch bei weniger als zehn Prozent der Zahlungen Bargeld genutzt. Das Parla- ment hat die Riksbank – die schwedische Zentralbank – jedoch aufgefordert, wie- der neue Cash-Center zu errichten. Denn physisches Bargeld ist in Krisensituationen eben doch sehr relevant. Insgesamt geht die Bargeldnutzung fast überall zurück. In Deutschlandwurden 2023 rund 51 Prozent der Transaktionen an der Ladenkasse in bar getätigt; im Jahr 2017waren es noch 74 Pro- zent. InNorwegenwaren es 2023 nur noch drei Prozent. Daher brauchenwir dringend ein digitales Zahlungsmittel mit ähnlichen Eigenschaften wie Bargeld. Kommen wir zu den konkreten Design- elementen: Keine Verzinsung, das ist klar. Aber wird es ein hartes Halte- limit geben? BURKHARD BALZ: Ja, ein solches Halte- limit wird es auf jeden Fall geben. Daran habe ich keinen Zweifel. Der ökonomi- sche Grund dafür ist genau derselbe wie bei der Nichtverzinsung: Wenn Menschen unbegrenzt digitale Euro auf ihrer Wallet halten könnten, könnten sie in Krisensitu- ationen plötzlich große Geldbeträge von ihrem Bankkonto abziehen und in digi- tale Euro umschichten. Das könnte die Finanzstabilität gefährden. Wie hoch die- ses Haltelimit am Ende sein wird, kann ich heute noch nicht verbindlich sagen. Es gab einmal eine erste Indikation von rund 3.000 Euro. Diese Zahl nannte damals das EZB-Direktoriumsmitglied Fabio Panetta, der heutige Gouverneur der Banca d’Italia, im Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Par- laments. Zu dieser Zeit waren 3.000 Euro der obere Rand unserer internen Diskus- sion. Wichtig ist aber noch ein weiterer Punkt: Das sogenannte Wasserfallsystem wird es den Menschen ermöglichen, auch viel größere Beträge zu bezahlen. Denn ihre Digitale-Euro-Wallet wird in der Regel an BURKHARD BALZ Burkhard Balz hat Rechts- und Staatswissenschaften an der Georg-August-Universität Göttingen studiert. Den Grundstein seiner beruflichen Laufbahn legte er mit einer Bankausbildung bei der Commerzbank, der er anschließend in verschiedenen Funktionen treu geblieben ist, zunächst im Firmenkundengeschäft, später als Referent im EU-Verbindungsbüro in Brüssel und schließlich als Abteilungsdirektor Institutionelle Kunden in Hannover. 2009 wechselte Balz in die Politik und zog als Abgeordneter der CDU ins Europäische Parlament ein, demer bis 2018 angehört hat. Dort profilierte er sich als Koordinator der Europäischen Volkspartei im Ausschuss für Wirtschaft und Währung und vertrat die Fraktion in finanz- und geldpolitischen Fragen. Im September 2018 berief ihn die Bundesregierung in den Vorstand der Deutschen Bundesbank. Seither verantwortet Balz dort unter anderem die Bereiche Zahlungsverkehr und Abwicklungssysteme sowie die Bargeldversorgung. Er engagiert sich im Komitee für Zahlungsverkehr und Marktinfrastrukturen (CPMI) der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und ist Mitglied der High-Level Task Force der EZB zum digitalen Euro. Seit Februar 2024 ist er zudem Vorsitzender des Nationalen Bargeldforums.

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