Institutional Money, Ausgabe 1 | 2026
88 1/2026 | institutional-money.com PORTRÄT Wolfram Gerdes einem reden, weil der eigene Arbeitgeber ein so großer Aktionär der entsprechenden Unternehmen ist“, sagt Gerdes heute. Am Seeufer wird es jetzt richtig windig. WolframGerdes hat der „Wind of Change“ durch seine Positionen und die südlichen Regionen Deutschlands getragen, bis der gebürtige Schwabe schließlich inDortmund landete. Hier bleibt er seiner Anlagestrategie treu, die er seit 2011 verfolgt. „Meine Aufgabe ist es, einMilliardenvermö- gen so zu investieren, dass künftige Renten ljQDQ]LHUW ZHUGHQ NĆQQHQĺ VDJW HU 6HLQH Strategie lässt sich auf denGrundsatz „Inves- tieren statt verwahren“ reduzieren. Dabei unterscheidet er klar zwischen zwei Arten von Vermögen: Nominalwerte wie Anlei- hen oder Rentenpapiere und Substanzwerte wie Aktien, Immobilien oder Private Equity. Seine Überzeugung ist eindeutig: Langfris- tige Rendite entsteht vor allem durch Betei- ligungen an der realen Wirtschaft. Deshalb liegt rund die Hälfte der Anlagen in Aktien und Private Equity. Der Blick ist konsequent global ausgerichtet. „Kapitalmärkte haben nichts mit Landesgrenzen zu tun“, sagt Ger- des. Europa, USA, Asien – entscheidend ist, wo wirtschaftliches Wachstum entsteht. Trotz der großen Summen bleibt sein Ansatz erstaunlich unspektakulär. Hekti- sche Umschichtungen vermeiden er und sein Team, ebenso kurzfristigeWetten. „Die wichtigste Voraussetzung für gute Anlage- entscheidungen ist, dassman imStress nicht verkaufen muss“, erklärt Gerdes. Weil die Versorgungskassen, für die er tätig ist, lang- fristig wachsen, muss er Vermögenswerte in Krisen nicht veräußern. Das erlaubt ihm, ruhig undmit Geduld zu agieren. Heute stehen noch Termine an, es wirdZeit für den Rückweg. Er führt vorbei an einem echten Industriedenkmal: derWestfalenhüt- te, einemehemaligen Eisen- und Stahlwerk. „Wenn ichdarauf zujogge, dann gibtmir das immer so richtiges ‚Dortmund-Gefühl‘, das mag ich“, sagt Gerdes. Vor demGebäude in der Voßkuhle 38muss noch eine Frage sein: Welche Eigenschaften braucht ein Portfoliomanager, der dafür sorgt, dass Tausende von Versicherten eines Tages ihre Betriebsrente ausgezahlt bekom- men? Wolfram Gerdes überlegt. „Neugier, die Lust daran, die Welt immer zu beob- achten“, sagt er. „Und ganz sicher den Mut, sich gegen jeden Mainstream voll- kommen unabhängig eine eigene Mei- nung zu bilden“, erklärt er. Dann sagt er „Auf Wiedersehen!“ und will sich mit einem sportlich-festen Händedruck schon fast verabschieden. „Ach so“, ruft Wolfram Gerdes, während er sich kurz noch ein- mal umdreht. „Viel Glück für die Rück- fahrt mit der Deutschen Bahn!“, ruft er – und lacht wissend. ANDREA MARTENS ZAHLEN UND FAKTEN: DIE KZVK UND DIE VKPB KZVK: Die Kirchliche Zusatzversorgungskasse Rheinland-Westfalen (KZVK) ist eine Altersversorgungseinrichtung der Evangelischen Kirchemit Sitz in Dortmund. Sie gewährt privatrechtlich beschäftigtenMitarbeitern von rund 5.000 kirchli- chen und diakonischenArbeitgebern eine betriebliche Zusatzrente imAlter, bei Erwerbsminderung und für Hinterbliebene. Im Jahr 2024 belief sich die Zahl der Versicherten auf 1,5 Millionen, die der Rentner und Rentnerinnen auf 244.000. VKPB: Die VKPB ist die Versorgungskasse für Pfarrer und Kirchenbeamte der Evangelischen Kirche imRheinland, der Evangelischen Kirche von Westfalen und der Lippischen Landeskirche. Am Standort Dortmund beschäftigt die Versor- gungskasse 75Mitarbeiter. Die Zahl der Versicherten beläuft sich aktuell auf rund 2.760 Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Kirchenbeamte, die der Versorgungsempfänger auf zirka 5.120. VERWALTETES VERMÖGEN: Rechtlich gesehen sind KZVK und VKPB zwei Kassen, sie werden aber wie ein Unter- nehmen mit einer Anlagepolitik geführt. Das verwaltete Vermögen liegt in Summe derzeit bei 20 Milliarden Euro. Fotos: © Christoph Hemmerich
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