Institutional Money, Ausgabe 1 | 2026

PORTRÄT Wolfram Gerdes 84 1/2026 | institutional-money.com kommen“, schmunzelt Wolfram Gerdes. „Als ich dann meine Position hier in Dort- mund angenommen habe, wollte ich mei- ner Familie keinen weiteren Umzug zumu- ten“, erzählt er. So entscheiden er und seine Frau, sich mit Sohn und Tochter dauerhaft imbaden-württembergischen Esslingen am Neckar niederzulassen. „Seitdempendle ich halt fast jedeWoche und lerne immer mehr über die Deutsche Bahn“, scherzt Gerdes. Massachusetts, Stuttgart, München, Frank- furt, Dortmund: Nach all den Jahren in der Ferne ist noch immer deutlich zu hören, wo die Wiege des heutigen Kapitalanlage- chefs stand: in Schwaben. „Das Licht der Welt habe ich im Oktober 1960 in Ellwan- gen erblickt“, sagtWolframGerdes bei einer 7DVVH.DȬHH +LHU LQGHU .OHLQVWDGW DP5DQ - de derOstalb, wächst er zusammenmit zwei Brüdern behütet auf. Sein Vater ist Bauinge- QLHXU VHLQH 0XWWHU +DXVIUDX 0LW GHQ 7KH - menGeldanlage und Finanzmärkte bringen ihn seine Eltern nicht in Berührung. Wohl aber mit der Devise „Lern viel und mach etwas aus dir!“. Das braucht dem wissensdurstigen Schüler ohnehinniemandzu sagen. Schon früh inter- essiert er sich für Mathematik, ist neugierig DXI GLH:HOW ijHLĕLJ ł XQG VHKU VSRUWOLFK Ľ,FK war inmehreren Sportvereinen gleichzeitig“, EHULFKWHW *HUGHV $XĕHUGHP OHUQW HU *HLJH spielt schon bald in verschiedenen Orches- tern und gibt obendrein auch noch Nach- KLOIHVWXQGHQ Ľ0DQFKPDO ZHLĕ LFK JDU QLFKW ZLH LFKGDV DOOHV XQWHU HLQHQ+XW EHNRPPHQ KDEHĺ VDJW *HUGHV UĞFNEOLFNHQG +DW LKQ GLH (UIDKUXQJPLW HLQHPVWUDȬ GXUFKJHWDNWHWHQ =HLWSODQ JHSUÌJW" 3URljWLHUW HU KHXWH QRFK davon, wenn er 20Milliarden Euromanagt? Gerdes schüttelt denKopf. „Nein, eigentlich nicht, denn Kapitalanlage ist imGrunde ja eine ganz ruhige Angelegenheit“, schmun- zelt er. „Wenn man seine Strategie einmal vernünftig aufgebaut hat, ist das Auf und Ab an den Börsen gar nicht so interessant, man kann diesen Job ganz unaufgeregt PDFKHQĺ ljQGHW GHU 9HUPĆJHQVSURlj :DV aber unerlässlich sei, das sind die Neugier DXI 9HUÌQGHUXQJHQ GHU 6SDĕ GDUDQ GHQ eigenen Standpunkt zu überdenken, die Bereitschaft, sich unabhängig und auf Basis aktueller Daten immer wieder eine neue Meinung zu bilden. „Emotionen sind in der Kapitalanlage NHLQ JXWHU 5DWJHEHUĺ ljQGHW *HUGHV 1LFKW umsonst gehört das Buch „Factfulness: Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie ZLUNOLFK LVWĺ YRQ +DQV 5RVOLQJ ]X VHLQHU /LHEOLQJVOHNWĞUH Ľ'LH 0DWKHPDWLN ł XQG GLH OLHEH LFK ELV KHXWH ł KDW PLFK JUXQG - legend geprägt“, sagt Gerdes. „Wenn man etwas zu 99,9 Prozent beweisen kann, hat man gar nichts“, erklärt er. 100 Prozentmüs- sen es sein. ,P9HUPĆJHQVPDQDJHPHQW JLEW HV GLHVH Prozent nicht immer, das ist demKapitalan- lagechef von zwei kirchlichen Versorgungs- kassen natürlich klar. Eine emotionslose, datengestützte Anlagestrategie ist ihm aber sehr wichtig. „Wenn ichmich in einem Jahr LQ GHQ 5XKHVWDQG YHUDEVFKLHGH ZHUGH LFK über die breite Datenbasis, auf die ich jetzt zugreifen kann, nicht mehr verfügen“, sagt Gerdes. Das bedauert er ein wenig. 'HU .DȬHH LVW JHWUXQNHQ GLH 0ÌU]VRQQH schickt ihre warmen Strahlen durch die )HQVWHU GHV JURĕ]ĞJLJHQ %ĞURV Ľ:LU NĆQQ - ten starten“, schlägt Wolfram Gerdes vor. Sehr gern. Es geht nach unten und mit GHP $XWR LQ 5LFKWXQJ GHV 3KRHQL[ 6HHV 'HU 9HUPĆJHQVSURlj MRJJW JHUQ XP GHQ künstlich angelegten See auf dem ehemali- JHQ 6WDKOZHUNVDUHDO 3KRHQL[ 2VW LP 'RUW - PXQGHU 6WDGWWHLO +ĆUGH 0DJ *HUGHV 'RUW - mund eigentlich? „Schon,“ sagt er. Aber seine VFKZÌELVFKH +HLPDW LVW LKP OLHEHU Der Kalender zeigt denOktober 1980, als er sie verlässt. Den frischgebackenenAbiturien- ten zieht es zumMathematik- undPhysikstu- GLXP QDFK +HLGHOEHUJ (U JHKĆUW ]XU HUVWHQ Generation in seiner Familie, die eine Aka- demikerlaufbahn einschlägt. „Nichts Beson- deres“, sagt Gerdes heute in der nüchtern- trockenen Bescheidenheit, die ihm zu eigen LVW Ľ,Q GHQ HU -DKUHQ ZDU LFK HLQHU von vielen, die in den Genuss des für diese Zeit typischenBildungsaufstiegs gekommen sind“, erklärt er. :ROIUDP *HUGHV ZHLĕ GLH &KDQFH ]X QXW - ]HQ :DV HU GDPDOV DXĕHUGHPZHLĕ LVW GDVV er eines Tages auf jeden Fall in den USA lebenwill. „Warumdas sowar, kann ich gar nicht erklären“, berichtet er. Aber dass es so ist, steht für ihn fest. Zwar hat er nach dem Studienabschluss keineAhnung, welcheUS- Uni ihn für eine Promotionnehmenkönnte, noch, wie er dieses Projekt jenseits des gro- ĕHQ 7HLFKV ljQDQ]LHUHQ VROO 'RFK HV NODSSW 'DV0DVVDFKXVHWWV ,QVWLWXWH RI 7HFKQRORJ\ ł QLFKWV ZHQLJHU DOV HLQH86 .DGHUVFKPLHGH ł nimmt ihn an. Er bekommt einStipendium, kann promovieren. Und nun geht es losmit demThema Kapitalmärkte. „Zu dieser Zeit zählten Aktien und die Finanzmärkte in Deutschland noch nicht zu den Themen, über die man sich am .DȬHHWLVFK RGHU LQ GHU 0HQVD XQWHUKLHOWĺ HULQQHUW *HUGHV ,Q GHQ 86$ LVW GDV JDQ] anders. „Dort hat einfach jeder davon erzählt, wie er sein Geld anlegt. Wenn man keine Aktien hatte, wurde man gerade- zu komisch beäugt“, berichtet Gerdes auf GHP:HJ ]XP3KRHQL[ 6HH :DV TXDVL ]XP guten Ton gehört, fesselt schon bald auch den Doktoranden. Er arbeitet sich ein, und VFKQHOO HUĆȬQHW VLFK LKP HLQ 8QLYHUVXP abseits der Mathematik. Am See angekommen, zeigt sich: Der lang ersehnte Frühling hält nur schüchtern Ein- zug. Die Sonne hat sich zurückgezogen, es weht ein kalter Wind. Wolfram Gerdes stört das nicht, er mag es, bei jedem Wet- ter in der Natur zu sein. Der Mathemati- Foto: © Christoph Hemmerich » Meine Aufgabe ist es, ein Milliardenvermögen so zu investieren, dass künftige Renten finanziert werden können. « Wolfram Gerdes, Vorstand für Kapitalanlagen und Finanzen KZVK und VKPB

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