Institutional Money, Ausgabe 1 | 2026
INSTITUTIONAL MONEY MEINUNGSRADAR 36 1/2026 | institutional-money.com Befürworter erwarteten eine stär- kere heimische Wirtschaft sowie eine erhöhte Flexibilität, während Kritiker vor Handelsbarrieren und finanziellenNachtei- lenwarnten. Das Ergebnis ist weitgehend negativ: Stu- dien von NIESR und Commons Library Research Brie- fing zeigen, dass die britischeWirtschaft Anfang 2025 um rund sechs bis acht Prozent kleiner war als ohne Brexit – und der Handel mit der EU 2024 real etwa 18 Prozent unter dem Niveau von 2019. Auch auslän- discheKapitalinvestitionen gingen zurück, was die Pro- duktivität bremste. Zuletzt hat dasUK jedochdieBezie- hungen zu den USA gestärkt und milliardenschwere Abkommen in den Bereichen KI, Quantencomputing und Atomenergie angekündigt – ein klarer wirtschaft- licher Vorteil gegenüber der politisch fragmentierten EU. Die Inflation wurde durch eine Pfundabwertung und neue Handelsbarrieren strukturell erhöht; vor allemLebensmittelpreise stiegen. Das Pfund verlor an Wert und blieb seither unter Vor-Brexit-Niveaus, wäh- renddieLondoner Börse zunächst hinter europäischen Märkten zurückblieb. Allerdings profitieren viele der im FTSE 100 gelisteten multinationalen Unternehmen vom schwächeren Pfund, da sie rund 75 Prozent ihrer Umsätze im Ausland erzielen. Genau diese Unterneh- men gilt es erfolgreich zu selektieren. In der Gesamtbetrachtung gibt es einzelneVorteile, die Nachteile überwiegen jedoch. Insbesondere in einem Umfeld der zunehmenden geopolitischen Risiken und erhöhten Handelsbarrierenwird es für das UK schwie- riger, seinen Platz zu behaupten. MAXIMILIAN KLEIN WSH Family Office Die unmittelbare Erwartungshal- tung war damals, dass die Schweiz durch den Brexit einen Zuwachs an Volumen im Asset Management sehen würde. Diese Erwartungen sind zum Teil auch eingetroffen. Kapital wurde aus dem Vereinigten Königreich abgezogen, und Familien, die in das UK gezogen waren, kehrten teilweise in die Schweiz zurück. Auch nordische Fami- lien aus Norwegen, Schweden und Finnland wählten die Schweiz als neue Destination, dies vor allem aus steuerlichen und geopolitischen Erwägungen. Aus der Perspektive eines Schweizer FamilyOfficewar das Neugeschäft mit neuen Kunden, die im Zuge des Brexit kamen, grundsätzlich positiv. Allerdings hat die- se Brexit-Entwicklung auch eineArt Collateral Damage ausgelöst. Es gab nicht nur den Brexit, sondern auch nachgelagerte Änderungen beim c, die die Attraktivi- tät des UK als Domizil für vermögende Familien deut- lich reduziert haben. Parallel dazu entstand die Wahr- nehmung, dass auch in der Schweiz neue steuerliche Strukturen Einzug halten könnten – etwa durch Dis- kussionen rund umeinemögliche Erbschaftsinitiative. Diese regulatorische Unsicherheit beeinträchtigte den Zuzug merklich. Familien, die die Schweiz ernsthaft in Betracht gezogen hatten, entschieden sich für Alter- nativen wie Italien oder Dubai, die merklich an Attrak- tivität gewannen. Mittlerweile hat sich die Lage weit- gehend stabilisiert, doch der zeitweise entstandene Reputationsschaden war durchaus spürbar. Auf unse- re Investmentstrategie hatte der Brexit keinen nen- nenswerten Einfluss. ALAIN REIMANN 1856 Family Office AG
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