Institutional Money, Ausgabe 1 | 2026

238 1/2026 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN Rüstungsimmobilien mente hinsichtlich einer Erweiterung zuprü- fen, um den besonderen Anforderungen, aber auch der Analyse der Infrastruktur im Verteidigungsbereich Rechnung zu tragen“, meint Susanne Eickermann-Riepe, Senior Vice President des globalen Berufsverbands RICS (Royal Institution of Chartered Sur- veyors), „es bleibt abzuwarten, inwieweit die geplanten zusätzlichen immobilienspe- ]LljVFKHQ $XVJDEHQ IĞU 9HUWHLGLJXQJ GDV zukünftige Bild prägen.“ Sie verweist darauf, dass sich der Wettbewerb um Investitions- kapital bereits heute andeutet und dass eine Konkurrenzsituation zwischen Infrastruktur und Immobilieninvestments entsteht. „Das erhöht die Unsicherheiten imDevelopment zusätzlich zu den bereits langen Prozessen IĞU *HQHKPLJXQJHQ (V EOHLEW ]X KRȬHQ dass der Bauturbo hilft und Prioritäten der Investoren, aber auch der Länder und Kom- PXQHQ ]XHLQDQGHU ljQGHQĺ PHLQW (LFNHU - mann-Riepe. Eine Frage des Risikos „Militärimmobilieninvestments inDeutsch- land bringen derzeit Renditen von drei, vier oder sogar fünf Prozent. Außerdem sind sie langfristig vermietbar und haben eine sehr geringe Ausfallwahrscheinlichkeit. Schließ- lich steht der Bund dafür gerade. Außerdem bewegen sie sich entgegen klassischerMarkt- zyklen; sie sind der Investmentlogik folgend eine der stabilsten Nischen des institutionel- lenReal Estate“, ist Beyerle positiv gestimmt. Mit Blick ins Ausland verweist er darauf, dass Defence inGroßbritannien zunehmendwie eine Subkategorie kritischer Infrastruktur behandelt wird – mit ähnlichen Renditen wie für Rechenzentren, Energieinfrastruk- tur, Polizei- und Justizgebäude. Finanzierungen sind aktuell in Deutsch- land noch schwierig, denn die Darlehensge- ber befürchten, dass ihre erstellten Gebäude undLiegenschaften in einemmöglichenKri- senfall zur Zielscheibewerden. „Es gibt zwar Investitionsschutzabkommen. Damit lassen sich erlittene Schäden einklagen, aber das geht nur über völkerrechtlich sehr langwie- rige Prozesse. Besser wären staatliche Inves- titionsgarantien, ähnlich wie eine Hermes- bürgschaft“, meint Schilder. Beyerle sieht GDV ÌKQOLFK ĽŸȬHQWOLFKH *DUDQWLHQ EH]LH - hungsweise Förderkredite könnten helfen, beispielsweise durch die KfW oder den EU Defence Fund. Das würde die Finanzie- rungskosten senken. Daneben sind auch steuerliche Anreize denkbar, etwa beschleu- nigte Abschreibung oder eine Sonder-AfA für resiliente/sichere Infrastruktur.“ ESG-Korsetts lockern BleibendieNachhaltigkeitsbedenken – doch auchhier deutet sich einUmdenken an: „Ein klarer Wendepunkt war hier das überarbei- tete Zielmarktkonzept 2024 des deutschen Fondsverbands BVI. Demnach sindMilitär- und Rüstungsinvestitionen für nachhaltig vertriebene Fonds nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen. Der frühere Zehn-Prozent- Rüstungsausschluss für nachhaltige Fonds entfällt“, erklärt Axel Schilder. Ausgeschlos- VHQEOHLEHQ YĆONHUUHFKWOLFKJHÌFKWHWH:DȬHQ Allerdings haben sich einige Investoren zusätzlich zu den regulatorischen Vorgaben weitere Nachhaltigkeitsregeln gegeben, die oft Ausschlusskriterien für Rüstung beinhal- ten. „Viele Versorgungswerke denken inzwi- schen im Inneren drüber nach, wie sie das eigene Nachhaltigkeitskonzept erweitern können, und orientieren sich dabei am BVI-Zielmarktkonzept“, beobachtet Schil- der. „Die Produktion von Abwehrrüstungs- industrie, FlugabwehrwieDroneShield, aber auch die maritime Sicherheit sind Themen, bei denen einige institutionelle Investoren bereits aktiv engagiert sind – sowohl mit Debt als auch mit Equity“, weiß Schilder, „aber es ist nochnicht sehr viel angesichts des gigantischen Investitionsbedarfs.“ Hampel sieht noch Bedarf im VC-Bereich: „Im liquiden Anlagebereich haben zahlrei- che Asset Manager ihre Ausschlusskriterien angepasst undRüstungsunternehmen nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen“, so Hampel. Auch im Bereich illiquider Anla- gen steige das Interesse an sicherheits- und verteidigungsnahen Investments, wenn auch begleitet von intensiven Diskussionen. „Im Venture-Capital-Segment besteht weiterhin Mangel an privatem Kapital, obwohl dort zentrale technologische Innovationen, etwa bei Dual Use, Cybersecurity, KI und auto- nomen Systemen, entstehen“, betont Ham- pel abschließend. ANKE DEMBOWSKI Risiken und Renditen im Bereich Defence Property Defence Properties liegen typischer- weise in einem Spektrum von 3,0 bis 7,0 Prozent Nettoanfangsrendite (NAR) je nach Land, Mietermix, Risikoprofil und Grad des militärischen Bezugs. Defence Properties entwickeln sich meist stabi- ler und antizyklischer als klassische Immobilien – Core bei staatlichenMietern, CorePlus bei Tech- nologie- undDual-Use-Immobilien sowie höhere Renditen bei PE. Quelle: Prof. Thomas Beyerle, Lehrstuhlinhaber für Immobilien- forschung, Hochschule Biberach » Es bleibt zu hoffen, dass der Bauturbo hilft und Prioritäten der Investoren, aber auch der Länder und Kommunen zueinander finden. « Susanne Eickermann-Riepe, Senior Vice President des globalen Berufsverbands RICS Bereich Mögliche Rendite Core-Bereich: staatlicher Mieter, extrem lange Lauf- zeit, gesicherte Budgetierung 3,0–4,5 % CorePlus: Dual Use, Forschung, High- tech, gemischte Betreiber 4,5–6,0 % Value-Add / Deve- lopment: Neubau, Modernisierung, Technologiecluster 6,0–7,5 % Foto: © Farideh Diehl

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