Institutional Money, Ausgabe 1 | 2026
Künstliche Intelligenz PRODUKTE & STRATEGIEN 1/2026 | institutional-money.com 209 KÜNSTLICHE INTELLIGENZ ist, abhängig vom jeweiligen Experten, gleichbedeutend mit einer ökosozialen Apokalypse oder der Schlüssel zu einem veritablen Utopia. Die Technologie hat sich laut diesen Quel- len an den Märkten entweder zu einer kompletten Blase aufgebauscht oder ist aufgrund des schier endlosen Potenzials massiv unterbewertet. Angesichts einer derartigen – mitunter emotionalen – Pola- risierung sind die Einschätzungen des fran- zösischen Fondshauses Carmignac wohltu- end gelassen. Auf der Jahreskonferenz, die im Januar in Paris stattgefunden hat, gab beispielsweise Maxime Carmignac, CEO von Carmignac UK, folgende Maxime aus: „Künstliche Intelligenz hat sich zu einem wichtigen geopolitischen und industriel- len Thema entwickelt und erfordert daher ein tiefes Verständnis ihrer Anwendungs- fälle, Wertschöpfungskette und Risiken.“ Während das Fondshaus selbst die Tech- nologie in ihren Prozessen implementiert – etwa imBereich des Research – und dem Thema auf Veranstaltungen einen äußerst SURPLQHQWHQ 6ORW HLQUÌXPWH ljHO GLH (LQ - ordnung bemerkenswert konservativ aus. Anstatt Parallelen zur industriellen Revo- lution mit all ihren gravierenden gesell- schaftlichen Umbrüchen zu ziehen, erin- nert die KI-Dynamik die Franzosen unter anderem an die Einführung der Eisen- EDKQ VLHKH *UDljN Ľ., ,PSDFW LQ GHU KLVWR rischen Einordnung“). Carmignac unter- sucht dabei die Zeitspanne von 1830, als die Technologie Fuß zu fassen begann, bis 1910, als sie eine fest etablierte Größe im volkswirtschaftlichen Gefüge war. Historische Einordnung Verglichen wird dabei die Entwicklung dreier Variablen: Infrastrukturkosten, Gewinn und Marktkapitalisierung. Das Bild ist eindrucksvoll: Während die ersten 50 Jahre die Kosten den Gewinn quasi auf- fraßen, stieg die Marktkapitalisierung von Eisenbahnaktien auf mehr als 60 Prozent des US-Aktienmarktes an. Erst nach 1890 gab es eine markante Schere zwischen Gewinn und Kosten – und zwar zuguns- WHQ GHV 3URljWV 1DKH]X JOHLFK]HLWLJ LPSOR - dierte der prozentuelle Anteil der Kapi- talisierung auf knapp über 20 Prozent. Carmignacs Schluss: „Die Unternehmen, die die Verbreitung neuer Technologien durch das Aufbauen einer Blase mittragen, sind nicht notwendigerweise die Haupt- nutznießer.“ Es kommt also zu Marktbereinigungen, man könnte auch sagen: Winner takes DOO 3DUDOOHOHQ ]X GHQ 0DJQLljFHQW 6HYHQ KI-Impact in der historischen Einordnung Carmignac hat zwei historische Ereignisse analysiert, die deutlichen Einfluss auf das globale gesellschaftliche Gefüge hatten. Die französische FondsschmiedeCarmignac hat auf ihrer Jahreskonferenz inParis einen –wohl unvermeidbaren – Fokus auf das ThemaKI gelegt, ist dabei aber einemdurchausdifferenziertenAnalyseprozessgefolgt. DerVergleichmit demSiegeszugder Eisenbahnzeigt dieDynamikeinerBlasenbildungauf. Auf der anderen Seite steht der mögliche gesamtwirtschaftliche Nutzen, wie er etwa der Elektrifizierung in den USA folgte. Quelle: Carmignac, Exponential View, Barclays » Künstliche Intelligenz hat sich zu einem wichtigen geopolitischen und industriellen Thema entwickelt und erfordert daher ein tiefes Verständnis ihrer Anwendungsfälle, Wertschöpfungskette und Risiken. « Maxime Carmignac, CEO Carmignac UK 1830 Gewicht der Eisenbahnunternehmen in der Marktkapitalisierung des US-Aktienmarktes Profit der Eisenbahnunternehmen Kosten der Eisenbahninfrastruktur 1840 1850 1860 1870 1880 1890 1900 1910 40 60 80 0 20 100 Mrd. aktuelle US-Dollar 120 140 20% 30% 40% 0% 10% 50% 60% 70% 1895 1900 1905 1910 1915 1920 1925 1930 1935 1940 40 60 80 100 Mrd. aktuelle US-Dollar 120 140 160 180 Produktivitätswachstum in den USA Elektrifizierung +1,4% pro Jahr +5,0% pro Jahr zwischen 1921 und 1929 Foto: © Carmignac UK
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