Institutional Money, Ausgabe 1 | 2026

Emissionsdaten THEORIE & PRAXIS 1/2026 | institutional-money.com 135 IM LETZTEN JAHRZEHNT sahen sich Unternehmen in den USA einer steigenden Nachfrage von Investoren, Regierungen und Regulierungsbehörden nach Informa- tionen zuUmwelt, SozialemundUnterneh- mensführung (ESG) gegenüber. Viele Fir- men reagierten darauf mit der freiwilligen 2ȬHQOHJXQJ YRQ ,QIRUPDWLRQHQ ĞEHU LKUH ESG-Praktiken. Ein besonderer Fokus lag dabei auf Treibhausgasemissionsdaten, ins- besondere auf den Angaben von Unterneh- men zu ihren eigenen Emissionen (Scope- (PLVVLRQHQ GLH KÌXljJ ĞEHU GDV &DUERQ 'LVFORVXUH 3URMHFW &'3 YHUĆȬHQWOLFKW ZHU - den. Tatsächlich haben sich Emissionsanga- ben zu einer weit verbreitetenGrundlage für die Messung von Klimarisiken entwickelt und werden regelmäßig in Investorenprä- sentationen, politischen Dokumenten und wissenschaftlichen Studien zitiert. Umstrittene Genauigkeit Studien haben gezeigt, dass die Treibhaus- gasschätzungen auf Unternehmensebene KÌXljJ DXI YHUDOWHWHQ 0RGHOOHQ EDVLHUHQ oder methodisch intransparent sind. Die Autoren Daniel Aobdia, Professor an der Penn State, Gerrit Köchling, Assistant Pro- fessor an der TU Ilmenau in Thüringen, Peter Limbach, Professor an der Universität von Bielefeld, sowie Aaron Yoon, Associate Professor an der Northwestern University, konzentrieren sich in einer neuen Arbeit auf die Bedeutung der regulatorischenKon- WUROOH XQG GDV 5LVLNR HLQHU 2ȬHQOHJXQJV - SijLFKW IĞU 8QWHUQHKPHQ GLH *HQDXLJNHLW ihrer freiwilligen Angaben zu verbessern. Konkret untersuchen sie, ob und wie Fir- men ihre gemeldeten Treibhausgasemissio- nen als Reaktion auf eine mögliche regulatorische Prüfung durch die US-Bör- VHQDXIVLFKWVEHKĆUGH 6(& DQSDVVHQ 'DEHL nutzen sie einen entscheidenden Wende- punkt imMärz 2021, der den Beginn einer gQGHUXQJ GHU 6(& 3RVLWLRQ EHWUHȬHQG GLH Klimaagenda, die bis dahin keinen Zwang YRUVDK KLQ ]X HLQHU SRWHQ]LHOO YHUSijLFKWHQ - den Klimaberichterstattung markierte. Im 0ÌU] YHUĆȬHQWOLFKWH GLH 6(&XQWHU GHU damaligen kommissarischen Vorsitzenden Kommissarin Allison Lee einen formellen ĆȬHQWOLFKHQ $XIUXI ]XU 6WHOOXQJQDKPH ]X NOLPDEH]RJHQHQ 2ȬHQOHJXQJHQ 'HU .RQ - sultationsprozess zog umfangreiches Feed- back von Investoren, Berichterstellern und Politikexperten nach sich und signalisierte GDPLW GLH HUQVWKDIWH $EVLFKW GHU 6(& GLH 2ȬHQOHJXQJVODQGVFKDIW QHX ]X JHVWDOWHQ Um diese Absicht zu bekräftigen, richtete GLH 6(& ]XGHP HLQH 7DVN )RUFH IĞU .OLPD und ESG innerhalb der Enforcement Divi- sion ein. März 2021 als Knackpunkt Wichtig anzumerken ist, dass die von der 6(& EHDXIVLFKWLJWHQ 8QWHUQHKPHQ GLHVH Initiativen kannten und einige von ihnen daraufhin bereits ihre Lieferketten anpass- ten, um ihre Scope-3-Emissionen zu mini- mieren. Ein Jahr später – konkret imMärz ł PĞQGHWH GLH 6(& ,QLWLDWLYH VFKOLHĕ - lich in einemVorschlagmit demTitel „Ver- besserung und Standardisierung klimabe- ]RJHQHU 2ȬHQOHJXQJHQ IĞU ,QYHVWRUHQĺ GHU GDUDXI DE]LHOW GLH2ȬHQOHJXQJ YRQ 6FRSH und Scope-2-Emissionen für bestimmte Adressaten künftig vorzuschreiben. Die Initiative vom März 2021 stellt jeden- falls den Ausgangspunkt für eine potenziell verstärkte regulatorische Kontrolle und ein erhöhtes Risiko künftiger Rechtsstreitigkei- ten dar. Deshalb untersuchte das Forscher- quartett, ob und wie Unternehmen zuvor gemeldete Treibhausgasemissionen in ihren &'3 2ȬHQOHJXQJHQ UHYLGLHUHQ (LQ VRO - ches Verhalten kann auf Schwächen in der bisherigen Klimaberichterstattung hin- deuten. Frühere Studien im Bereich bele- gen einerseits, dass die regulatorische Kon- WUROOH LQVEHVRQGHUH GXUFK GLH 6(& SRVLWLYH Auswirkungen auf die Qualität der Finanz- berichterstattung und sogar reale Auswir- kungen auf Unternehmensentscheidungen hat. Darüber hinaus zeigen einige Studien, dass Firmen Änderungen vornehmen, sobald eine Verordnung vorgeschlagen wird, noch bevor die endgültigen Regeln in Kraft treten. Die Aussicht auf verstärkte .RQWUROOHQ GXUFK GLH 6(& NĆQQWH 8QWHU - nehmen daher veranlassen, ihre Treibhaus- gas-Berichterstattungsprotokolle und die internen Kontrollen zu überprüfen und zu verbessern. Dies erhöht wohl die Wahr- Richtigstellungen von Klimaberichten Durchschnittliche Restatement-Raten börsennotierter und privater US-Unternehmen im Zeitablauf Dargestellt sind die durchschnittlichen jährlichen Klimabericht-Berichtigungswahrscheinlichkeiten von börsennotierten und nicht börsennotierten Unternehmen. Beide steigen über die Jahre an. Während die Berichtberichtigungsquoten beider Unternehmenstypen bis 2021 einem ähnlichen Trend folgen und statistisch nicht voneinander zu unterscheiden sind, steigt die Quote börsen- notierter Unternehmen in den Jahren 2022 und 2023 deutlich an. Die Zäsur stellt dabei die SEC- Initiative von 2021 betreffend klimabezogene Offenlegungen dar, die notierte Firmen verstärkt veranlasste, nachzubessern. Quelle: Studie Durchschnittliche Restatement-Rate 2011 Börsennotierte Firmen Private Firmen 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 0,000 0,025 0,050 0,075 0,100 0,125 0,150 0,175

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