Institutional Money, Ausgabe 1 | 2026

THEORIE & PRAXIS Geopolitik 104 1/2026 | institutional-money.com zen. Die Zwischenkriegszeit und die Jah- re der lateinamerikanischen Schuldenkrise stechen hingegen als Phasen höherer Vola- tilität hervor. Auswirkung von Kriegen Zunächst wollen wir einen Blick auf ein- getretene Kriegsszenarien werfen. Hier verknüpfen die Autoren den EXBI mit geolokalisierten Daten zu sämtlichen Krie- gen seit 1870 – also sowohl zwischenstaat- OLFKH .RQijLNWH DOV DXFK %ĞUJHU XQG 8QDE - hängigkeitskriege – und zeigen, dass ein .ULHJVVFKRFN YRQ HLQHU 6WDQGDUGDEZHL - chung, das entspricht Opferzahlen von UXQG ]ZHL %DVLVSXQNWHQ GHU :HOWEHYĆO - NHUXQJ GLH JOREDOHQ $QOHLKHQUHQGLWHQ LQQHUKDOE HLQHV -DKUHV XP HWZD IĞQI 3UR - ]HQWSXQNWH VHQNW 'LHVHU (ȬHNW LVW YHU - JOHLFKEDU PLW GHP HLQHU 5H]HVVLRQ RGHU eines Aktienmarkt-Crashs im jeweiligen )LQDQ]]HQWUXP $XI /ÌQGHUHEHQH VLQG GLH %HIXQGH QRFK GUDVWLVFKHU 2EZRKO GLH jährliche Wahrscheinlichkeit, zumKriegs- VFKDXSODW] ]X ZHUGHQ EHL OHGLJOLFK GUHL Prozent liegt, entfällt ein Viertel aller histo- rischen Anleihen-Crashs auf solche Ereig- nisse. Der durchschnittliche Krieg auf HLJHQHP %RGHQ GUĞFNW GLH 5HQGLWHQ LP $XVEUXFKVMDKU XP IDVW ]HKQ 3UR]HQWSXQN - te und erhöht die Ausfallwahrscheinlich- NHLW XP VLHEHQ 3UR]HQWSXQNWH .ULHJH HQWSXSSHQ VLFK GDEHL DOV GDV ZDV die Autoren „Multikrisen“ nennen: Das %,3 EULFKW SHUVLVWHQW XP ELV ]X 3UR - ]HQW HLQ GLH 9HUEUDXFKHUSUHLVH VFKQHO - OHQ XP UXQG 3UR]HQW QDFK REHQ GLH Fiskallage verschlechtert sich, und Ban- ken-, Währungs- sowie Schuldenkrisen WUHWHQ RIW JOHLFK]HLWLJ DXI Ľ'LH 5HDNWLRQ der Anleihenmärkte auf Kriege im eige- nen Land ist nicht auf einen einzelnen .DQDO ]XUĞFN]XIĞKUHQ VRQGHUQ GDV (UJHE - QLV HLQHU XPIDVVHQGHQ PDNURljQDQ]LHO - len Verwerfung, in der mehrere Krisenty- pen gleichzeitig wahrscheinlicher werden“, HUNOÌUW 5HLQKDUW 'LH 6FKXOGHQTXRWH VWHLJW in der Folge um mehr als zehn Prozent- SXQNWH ZREHL GDV 5LVLNR HLQHU H[WHUQHQ Staatsschuldenkrise fast zehnmal stärker zunimmt als jenes einer rein inländischen. Instruktiv ist der Vergleich mit anderen Krisentypen: Allein Kriege erklären rund IĞQI 3UR]HQW GHU 9DULDWLRQ JOREDOHU $QOHL - KHQUHQGLWHQ ł PHKU DOV 5H]HVVLRQHQ LP )LQDQ]]HQWUXP ¶EHU HLQHQ 'UHLMDKUHV]HLW - UDXP VWHLJW GLH (UNOÌUXQJVNUDIW DXI ĞEHU ]HKQ 3UR]HQW XQG ĞEHUWULȬW GDPLW DXFK Aktienmarkt-Crashs und Veränderungen LP JOREDOHQ .ULVHQLQGH[ /HW]WHUHV ]ÌKOW sämtliche gleichzeitig laufenden Wäh- UXQJV ,QijDWLRQV %DQNHQ XQG 6FKXO - GHQNULVHQ XQG EHZHJW VLFK LP *OHLFK - NODQJ PLW GHP .ULHJVLQGH[ ł DXI 6SLW]HQ der Kriegsintensität folgt regelmäßig ein $QVWLHJ GHU .ULVHQNHQQ]DKO EHVRQGHUV DXVJHSUÌJW ZÌKUHQG GHU EHLGHQ :HOWNULH - ge und in den 1960er-Jahren. Anatomie der Drohung Womit wir uns den Auswirkungen von 'URKJHEÌUGHQ DXI GLH 0ÌUNWH ZLGPHQ wollen. Zur Kategorisierung der diversen 'URKV]HQDULHQ KDEH GLH $XWRUHQ HLQHQ Datensatz herangezogen, der in der Kon- ijLNWIRUVFKXQJ VHLW -DKU]HKQWHQ DOV 5HIH - renz gilt: das „Correlates of War Project“, das 1963 vom Politikwissenschaftler J. 'DYLG 6LQJHU LQV /HEHQ JHUXIHQ ZXUGH GHU ZLHGHUXP DQ GHU 8QLYHUVLW\ RI 0LFKL - gan forschte. Ziel des Projekts war und ist die systematische Akkumulation wis- VHQVFKDIWOLFKHU (UNHQQWQLVVH ĞEHU .ULHJ – ein Anspruch, der sich in einer lücken- losen Erfassung sämtlicher militärischer $XVHLQDQGHUVHW]XQJHQ XQG 'URKJHEÌUGHQ zwischen Staaten seit 1816 niederschlägt. In den späten 1990er-Jahren wurde das 3URMHNW DQ GLH 3HQQ 6WDWH 8QLYHUVLW\ ĞEHU - führt, wo es unter neuer Leitung weiter- geführt und erweitert wurde. Die für die 6WXGLH ]HQWUDOH 7HLOGDWHQEDQN ł GLH VRJH - nannten „Militarized Interstate Disputes“ – verzeichnet auf monatlicher Basis jede zwi- VFKHQVWDDWOLFKH .RQIURQWDWLRQ GLH ĞEHU rein diplomatische Kanäle hinausgeht. (QWVFKHLGHQG LVW GDVV QXU H[SOL]LWH 'UR - KXQJHQ (LQJDQJ ljQGHQ ł DOVR 8OWLPDWHQ mit einer klaren koerziven Komponente, QLFKW GLȬXVH :DUQXQJHQ YRU ĽVFKOLPPV - WHQ .RQVHTXHQ]HQĺ 'LH $XWRUHQ GLȬHUHQ - ]LHUHQ ]ZLVFKHQ YHUEDOHQ 'URKXQJHQ EHL GHQHQ HLQH 5HJLHUXQJ DQNĞQGLJW PLOLWÌ - risch zu reagieren, falls die andere Seite Im 19. Jahrhundert führten Kriegsdrohungen deutlich wahrscheinlicher zu Kriegen als im 20. – was gegenwärtig auch der Fall zu sein scheint. Quelle: Studie „War, Threats (…)“, C. Reinhart et al. Wahrscheinlichkeit eines Kriegsausbruchs In den vergangenen 200 Jahren sind Drohun- gen unterschiedlich oft umgesetzt worden. » Sieht man sich den EXBI- Anleihenindex an, so erinnert die Zeit nach 2010 stark an die vor 1914. « Prof. Carmen Reinhart, Minos A. Zombanakis Professor of the International Financial System, Harvard Kennedy School 0 -5 -4 -3 -2 -1 0 Monate rund um die Bedrohung Durchschnittliche monatliche Wahrscheinlichkeit 1 2 3 4 5 0,5 1 1,5

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