Institutional Money, Ausgabe 3/2026

INTERVIEW Marcel Lähn und Heinz-Werner Rapp 96 3/2026 | institutional-money.com das kann man schon in einem alten Buch von Gustave Le Bon aus dem Jahr 1910 über diePsychologiederMassennachlesen. Diese psychologischenMuster, Zyklen aus Übertreibung und Panik, haben sich bis heute nicht grundlegend verändert und lassen sich mit den passenden Systemen durchaus erkennen. Das gibt einem als Investor flankierendHalt, vielmehr als der wiederbelebteMarkowitz-Ansatz.Neuund noch nicht abschließend zu beurteilen ist allerdings, was passiert, wenn immermehr Marktteilnehmer selbst mit KI-Modellen versuchen, genau diese Verhaltensmuster zu erkennen oder gegeneinander auszu- spielen. Dannkönnten auchbislang stabile Regime plötzlich zusammenbrechen, weil die KI sie systematisch untergräbt. Das wissen wir heute schlicht noch nicht, wir behalten es aber sehr genau im Blick. Wenn Sie einen großen europäi- schen institutionellen Investor für die nächsten zehn Jahre neu aufstellen müssten, was wären Ihre zentralen Leitlinien jenseits aller taktischen Positionierungen? MARCEL LÄHN: Das lässt sich nicht in drei einfachenSätzenbeantworten, weil es sehr darauf ankommt, ob jemand frisch beginnt oder ein historisch gewachsenes Portfoliomitbringt, inDeutschlandhäufig mit einem hohen Anteil illiquider Immo- bilieninvestments. Wir haben 2022 erlebt, wie Aktien und Renten gleichzeitig fie- len und der Alternative-Investment-Anteil dadurch ungewollt an Gewicht gewann – mit teils erzwungenen Verkäufen, um die Zielrelationen wiederherzustellen. Für mich kristallisieren sich trotzdem drei zentrale Themen heraus. Erstens die Dollar-Frage: Wie hoch sollte der strate- gische Dollar-Anteil sein, um Amerikas Wachstums- und Innovationspotenzial nicht zu verpassen, während gleichzei- tig eine strukturelle Währungsschwäche droht? Zweitens, gerade für deutsche ins- titutionelle Investoren, die Attraktivität der traditionellen Anlageklasse Immobi- lien angesichts veränderter regulatorischer Risikounterlegung, ein Thema, das aktu- ell sehr diskutiert wird. Und drittens die grundsätzliche Frage nach Illiquidität ver- sus Liquidität innerhalb der alternativen Anlageklassen. Kritiker sprechen bei „semiliquiden“ Private-Markets-Produkten oft von eher „semiilliquide“. Teilen Sie diese Skepsis? MARCELLÄHN: Absolut,undichmöchte dazu eine Begebenheit erzählen, die diese Haltunggut illustriert: Ichhatteeinenspan- nendenAustauschmit einemPartner einer derglobalführendenInvestmentbankenzur Thematik Private Credit und die Grenze zwischen liquide und illiquide. Er sagte, er verbieteinnerhalbseinesHausesdenBegriff semiliquide völlig, es gebe nur liquide und illiquide,Punkt.GenaudieseHaltungteilen wir bei Feri. Wir schauen uns diese Demo- kratisierung der privaten Märkte an und sagen unseren Kunden nicht einfach, hier hast du etwas Neues zum Investieren. Ich bin selbst durch die Finanzkrise gegangen, habe erlebt, was Rücknahmebeschränkun­ gen bei Hedgefonds bedeuten, und man genau in dem Moment nicht an sein Geld kommt, wenn man es braucht. Deshalb sagen wir unseren institutionellen wie auchprivatenKundenganzklar:Wasdrauf- steht, sollteauchdrinsein. IlliquidesKapital bleibt bei uns illiquide, entsprechend kom- pensiert über eine echte Liquiditätsprämie. Das erklärt auch, warumwir keine großen Unterstützer bestimmter semiliquider Fondsstrukturen sind. Herr Dr. Rapp, wenn Sie einenAusblick auf das nächste „Big Picture“ Ihres Instituts geben müssten, was ist das größte noch unterschätzte Risiko? HEINZ-WERNERRAPP: Ichwürdesagen, das amerikanische Finanzsystembleibt nach wie vor das Wichtigste überhaupt, daran hängtletztlichdasgesamteWeltfinanzsystem überUS-Dollar,-ZinsenunddieNotenbank. Am meisten beunruhigt mich jedoch die Risikozunahme im Maschinenraum selbst: Die Zinskosten, die die USA im Verhältnis zu ihren Staatseinnahmen zu tragen haben, liegenbereitsbeiüber20Prozent,eineGrößen­ ordnung,dieauchÖkonomenwieRayDalio oderKennethRogoffalshochkritischeinstu- fen.GleichzeitigarbeitetmaninWashington längstanGegenmaßnahmenmitStablecoins, umeinenTeilderStaatsschuldenumzufinan- zieren,oderKonzeptenwiedemsogenannten Mar-a-Lago Accord, mit dem man Kosten stärker auf ausländische Investorenabwälzen möchte. Meiner Einschätzung nach ist das zu einem großen Teil bereits in Umsetzung. Nur berichtet bisher kaum jemand darüber, dasvollziehtsichsehrgeräuschlos.Genaudas halteichfüreinendergroßenblindenFlecken unserer Tage, und institutionelle Investoren mit hohem US-Exposure sollten das auf- merksam beobachten, ohne vorschnell alles umzuschichten.HANS HEUSER Das USA-Dilemma Komplexe Rückkopplungen zwischen Fiskal- und Geldpolitik Die weltweit größte Volkswirtschaft befindet sich in einem sich selbst nährenden Kreislauf aus hoher Verschuldung, zunehmendem Vertrauensverlust, ansteigenden Risikoprämien und wach- senden Zinskosten. Quelle: Feri Cognitive Finance Institute Feedback Loop Verschuldung Verantwortungslosigkeit Vertrauensverlust Marktrückzug Risikoprämien Zinsanstieg Bei zusätzlicher Inflationsdynamik: Problemverschärfung Bei unglaubwürdiger Notenbankpolitik: Problemverschärfung Zinskosten Budgetdefizite Staat Schuldentragfähigkeit Dysfunktionalität Misstrauen Risikobewertung Regierung Investoren Kapitalmarkt

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