Institutional Money, Ausgabe 3/2026
60 3/2026 | institutional-money.com THEORIE & PRAXIS Reife Firmen Unternehmen ableitet. Auch hier ist das Ergebnis eindeutig: Reife Firmen mit den geringsten Einschränkungen (oberstes Quintil) erzielten 57 Prozent der gesamten über Treasury Bills hinausgehenden Wert- schöpfung, obwohl sie weniger als drei Prozent aller Beobachtungen ausmach- ten. Reife Unternehmen mit den größ- ten finanziellen Einschränkungen schnit- ten dagegen deutlich schlechter ab. Selbst innerhalb der besten Lebenszyklusphase zeigen sich also erhebliche Unterschiede je nach Finanzierungssituation. Ebenfalls überdurchschnittlich performten Unter- nehmen ohne finanzielle Einschränkun- gen, die sich in den Phasen Wachstum und Umbruch befanden. Zusammen mit dem obersten Quintil der reifen Firmen erklärt diese relativ kleine Gruppe finan- ziell flexibler Unternehmen in der Mitte ihres Lebenszyklus ganze 83 Prozent der gesamten Wertschöpfung. Portfoliokontext Neben den absoluten Wertzuwächsen in US-Dollar untersuchen die Autoren die Renditen von Portfolios, die anhand der Lebenszyklusphasen zusammengestellt wurden. Dabei zeigt sich, dass Firmen in der Mitte ihres Lebenszyklus auch das bes- te Rendite-Risiko-Verhältnis bieten. Das Portfolio mit reifen Unternehmen erziel- te mit 9,7 Prozent nicht nur die höchste annualisierte Überrendite, sondern auch die geringste Volatilität (13,7 Prozent). Daraus ergibt sich eine Sharpe Ratio von 0,71. Die Forscher zeigen, dass diese Per- formance auf systematischen Positionen in fundamental starken Firmen beruhen dürfte. So weist das Portfolio statistisch sig- nifikant positive Werte bei den drei Fakto- ren Profitabilität, Qualität und Investment auf. Das deutet darauf hin, dass sich die Unternehmen in der reifen Phase grund- legend vom aggressiven Wachstum der Vermögenswerte in den Phasen Einfüh- rung und Wachstum unterscheiden. Sie werden in ihrer Reifephase also konserva- tiver, was typisch für etablierte Cashflow- Erzeuger ist. Interessant ist auch die Untersuchung der Finanzierungssituation im Portfo- liokontext. In der reifen Lebenszyklus- phase erzielen finanziell am wenigsten eingeschränkte Firmen (Quintil 1) nahe- zu identische Renditen und Volatilitä- ten wie das Portfolio aller reifen Firmen. Das bedeutet, dass die meisten etablier- ten Unternehmen ohnehin weitgehend uneingeschränkt sind. Auch die Quin- til-1-Portfolios in den Phasen Wachstum und Umbruch erzielen attraktive Shar- pe Ratios von 0,54 beziehungsweise 0,53. Am Anfang und am Ende des Lebenszyk- lus, also in der Einführungs- und Nieder- gangsphase, sind dagegen die größten Ver- besserungen durch ein Screening nach der Finanzierungslage möglich. Schlussfolgerungen Die Ergebnisse präzisieren die früheren Erkenntnisse von Hendrik Bessembinder um eine Lebenszyklus- und eine Finan- zierungskomponente. Als Leitlinie für langfristig orientierte Investoren lässt sich daraus ableiten, dass Aktienportfolios vor- dergründig auf finanziell flexible, unab- hängige Unternehmen in der Mitte ihres Lebenszyklus ausgerichtet sein sollten. Fir- men in der Einführungs- und Nieder- gangsphase sind dagegen riskanter und sollten genau unter die Lupe genommen werden. Rechnet man nicht in absoluten Dollar, sondern in möglichen Renditen, können aber gerade Unternehmen in der Anfangsphase erhebliche Zuwächse erzie- len. Schließlich haben sie potenziell lang anhaltende künftige Wertzuwächse vor sich und können deshalb weitaus höhere Bewertungen verdienen als ältere, größere und etablierte Unternehmen. Ein Finan- zierungs-Screening kann hier helfen, das Rendite-Risiko-Profil zu optimieren. Insgesamt dürfte die Ausrichtung auf attraktive Lebenszyklusphasen die Anlage ergebnisse traditioneller Strategien verbes- sern und dabei helfen, begrenzte Risiko- budgets effizienter einzusetzen. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass sich die im Paper vorgestellte Analyse nur auf US- Aktien konzentriert. Spannend wäre vor diesem Hintergrund analog zur damali- gen Bessembinder-Studie eine erweiterte globale Untersuchung. Dargestellt ist, wie sich die gesamteWertschöp- fung aus Sicht der Aktionäre auf die einzelnen Phasen desUnternehmenslebenszyklus verteilt. Untersucht wurden US-Aktien im Zeitraum von Januar 1990 bis Dezember 2024. Quelle: Puhan,T./Tresl,J./Li,Z.(2025),ValueCreationandFirmLifeCycle Fokus auf die Mitte Aggregierte Wertschöpfung nach Lebenszyklusphase DR. MARKO GRÄNITZ » Vor allem in der Früh- und Spätphase kommt es auf die finanzielle Flexibilität der Firmen an. « Tatjana Puhan, Head of Asset Allocation, Swiss Re Asset Management, und Dozentin am Lehrstuhl für Internationale Finanzierung, Universität Mannheim 0 10 20 16,8% 71,4% 13,6% 0,6% -2,4% 30 40 50 Einführung Wachstum Reife Umbruch Niedergang Wertschöpfung in Billionen US-Dollar
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