Institutional Money, Ausgabe 3/2026
LEUCHTTURM-ANALYSEN 36 3/2026 | institutional-money.com DasHype-Thema KI hat in den vergangenen Monaten eine gewisse Reife erreicht. Fragen zu Ethik, Effizi enz und Nachhaltigkeit – sowohl in ökologischer als auch finanzieller Hinsicht – gehen inzwischen mit einer gewissen Vorsicht einher. Die Investitionen, die von den einzelnen PlayernuntereinanderimUhrzeiger sinn erfolgen, stimmen ebenfalls nachdenklich.IstderHöhepunktalso überschritten–undwennja,waswird das „nächste große Ding“? Im Rahmen unserer täglichen Recherche sind uns hier vor allem zwei Trends aufgefallen. Der erste kommt einmal mehr aus dem Tech- Sektor: Es handelt sich um den Bereich des Quanten-Computing. JahrzehnteanGrundlagenforschung stehen in den Büchern. Bislang gab es jedoch kaum einen nennenswer- tenmonetären Nutzen. Doch laut Marktbeobachtern wie beispielsweise den Beratern von McKinsey wurde bereits 2025 ein „Tipping Point“ erreicht, als Unter- nehmen aus demBereich Quantum Computing weltweit einen Umsatz von rund einer Milliarde US-Dollar erwirtschaftet haben. Berauschend ist das nicht, spannend wird es jedoch, wenn man sich die Zehn- jahresprojektionen ansieht. Hier erwartet McKinsey einen durch Quanten-Computing erwirtschaf- teten ökonomischen Wert von 1,3 Billionen US-Dollar – am unteren EndederErwartungen.Globalgehen die Prognosen per 2035 auf bis zu 2,7 Billionen US-Dollar. Dass die Technologie auch im Bereich der Finanzmärkte erst am Beginn der Entwicklung steht, sieht man nicht zuletzt daran, dass die Zahl der investierbaren Unternehmen mehr als nur über- schaubarist.Als„PurePlay“werden oftdieQuant-SchmiedenIonQ,Rigeti oder D-Wave genannt. Jedes dieser Unternehmenverfolgtunterschiedli- cheAnsätzebeiderEntwicklungund Verbesserung von Quantencom- putern. IonQ verwendet einzelne, gefangene Ionen als Informations träger, Rigetti setzt hingegen auf supraleitende QBits. Die Herange- hensweisevonIonQscheintbessere und präzisere Ergebnisse zu liefern, die Systeme sind aber mechanisch extremaufwendig. Rigetti orientiert sich eher an bestehendenChiptech- nologien. Das macht den Prozess effizienter, allerdings auch fehleran- fälliger.D-WaveverfolgtdasKonzept des Quantum Annealing. Hier werdenProblemenicht schrittweise gelöst,vielmehrwirdeineArt„Ener- gielandschaft“ entworfen, inder ein möglichst guter Gesamtzustand beziehungsweise die bestmögliche LösungfüreinProblemgesuchtwird. Tech-Experten weisen darauf hin, dass die Systeme in ihrer Architek- tur grundverschieden sind und sich potenziell verdrängen. Es könnte sich – etwa analog zum Videorekor der-Wettbewerb des späteren 20. Jahrhunderts – ein Winner-Takes- All-Szenario einstellen. Dem geringen Reifegrad entspre chend existieren auch kaum Finanzprodukte, die den Bereich Quanten-Computing abdecken. So gibt es beispielsweise den Wisdom- Tree Quantum Computing ETF. Die bereits genannten Unternehmen machen hier die Top-drei-Positio- nenaus.Weitere reineQuant-Player bestreiten die Plätze vier bis sieben. Diese Positionen machen knapp 30 Prozent der Portfolios aus. Danach findenwiralteBekanntewieGoogle, FujitsuundMicrosoft. VanEckQuan- tum Computing wiederum führt Rigetti nicht unter den Top Ten. Insgesamt liest sich das Portfolio abgesehen von den Top-zwei-Posi- tionen eher wie ein herkömmlicher Tech-ETF. Mit Siemens, Deutsche Telekom und Infineon befinden sich aber gleich drei deutsche Werte in den Top Ten. Auch Blackrock hat sich mit dem ishares Quantum ComputingETFpositioniert:Diedrei erwähnten Pure Plays finden sich in den Top-Ten-Positionen wieder, die größte Position macht aber IBM aus. Tencent, Intel, Alphabet oder Microsoft gehören ebenfalls zu den größten zehn Investments und tra- gendazubei,dassdieUSAundChina mehr als 75 Prozent des geografi- schen Exposures ausmachen. Allen drei Produkten ist übrigens gemein, dass sie erst 2025 lanciert wurden. Insgesamt sehen manche Beob- achter aufgrund der starken europäischenGrundlagenforschung ökonomische Chancen für den Kon- tinent. Die Frage ist jedoch, ob beim Übergang von der Forschung in die Monetarisierung nicht wieder die USA den Rahmabschöpfen. Ein grundlegendes Risiko für Quan- ten-Computing stellt übrigens ausgerechnet dieKI selbst dar. Kriti- kermeinen,durchKI-Einsatzwürden Probleme bereits so schnell gelöst, dassQuantencomputer keinen rele- vantenMehrwert bieten. Undder zweiteMega-Trend, der sich geradeentwickelnkönnte?Longevity –einKonzept,dasinderGesellschaft längst angekommen ist, an den Finanzmärkten aber noch einSchat- tendasein führt. Mehr dazu auf den entsprechenden Schwerpunktsei- ten „Wollt ihr ewig leben?“ und im dazupassenden „Top/Flop“-Format, in dessen Rahmen wir eine hoch- spezifische Longevity-Peergroup analysieren. DAS NÄCHSTE GROSSE DING ... HANS WEITMAYR
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