Institutional Money, Ausgabe 3/2026

Foto: © R+V Versicherung STEUER & RECHT Verbriefungen – Solvenzkapital 252 3/2026 | institutional-money.com Geht man davon aus, dass die Versicherer aufgrund der reduzierten Kapitalanforde- rungen ihre Allokationen in Verbriefungen ausweitenwerden, wird das nicht ohne Aus- wirkungen auf den Markt bleiben. „Wenn das große Geld der Versicherungswirtschaft in Verbriefungen fließt, wird das Emis- sionsvolumen insgesamt steigen, und die Marktliquidität wird zunehmen. In dem Fall werden auchmehr Anlagenmit attrakti- venCredit Spreads verfügbar sein, was dann auch den Pensionskassen zugutekommt“, erwartet Uebel. Auch Banken, als dritte große Gruppe der Marktteilnehmer, könnten indirekt von den Solvency-II-Änderungen profitieren: Wenn sie künftig mehr Credit-Risiken in Verbriefungen verpacken können, senkt das ihre Kapitalbelastung, ohne dass sie die Kundenverbindung aufgeben müssen. Uebel betont, dass dies den Kapitalmarkt insgesamt leistungsfähiger machen könnte: „Verbriefungen bilden Brücken zwischen Bankkreditenund Investitionendurch Inves- toren. Wenn das Emissionsvolumen an Verbriefungen steigt, entstehen neue Finan- zierungsspielräume. Außerdem werden Kreditrisikenbreiter gestreut, was denMarkt insgesamt widerstandsfähiger macht.“ Aufschließen zu anderen Märkten möglich Trotz allerHoffnungen, die sich andieRefor- men knüpfen, werden sie den europäischen Markt nicht über Nacht auf das Niveau des US-Verbriefungsmarktes bringen. „Der ist mehr als zehnmal so groß und deutlich liquider als der europäische Markt“, sagt Uebel und verweist darauf, dass Verbrie- fungen in den USA seit Jahrzehnten ein gängiges Instrument zur Unternehmensfi- nanzierung sind. Sie schlägt einen Bogen zum britischen Verbriefungsmarkt: „UK hat nach dem Brexit einen eigenen Verbrie- fungsrahmen geschaffen, indem das Land 2024 die EU-Regelungen sehr pragmatisch in ein nationales Regelwerk umgesetzt hat. Die UK-Regeln sind gut auf den britischen Markt zugeschnitten, was die Offenlegungs- undReporting-Pflichtenbetrifft“, beobachtet Uebel undmerkt an: „Wirmüssen inEuropa darauf achten, dass wir nicht zu schwerfällig daherkommen.WennGroßbritannienflexib- ler reagiert als Kontinentaleuropa, ist das ein Standortvorteil für UK. Entscheidend wird aber auch die praktische Umsetzung sein: Wie einfach ist derMarktzugang?Wie schnell könnenBankenneueTransaktionen struktu- rieren? Steigt tatsächlichdasMarktvolumen?“ Verfahren ist auf der Zielgeraden Vielleicht gelingt es Europa, zumindest zu Großbritannien aufzuschließen. Schließlich ist das EU-Gesetzgebungsverfahren bereits weit fortgeschritten, auch wenn es noch nicht finalisiert ist. „ImSommer 2025 haben wir die ersten Vorschläge gesehen. Inzwi- schenhabenEU-Rat undEU-Parlament ihre Positionen verabschiedet, und aktuell befin- det man sich in den Trilogverhandlungen. Wir rechnen im zweiten Halbjahr 2026 mit der konkreten politischen Vereinbarung“, umreißt Uebel den zeitlichen Rahmen. Im Anschluss braucht es dannnur nochdie fina- len Rechtsakte. Entsprechend rechnen viele Marktteilnehmer damit, dass schon ab dem kommenden Jahr die wesentlichen Ände- rungen wirksamwerden. „Die größteHürde ist nichtmehr die grund- sätzliche Zustimmung zu den Reformen. Es geht nur noch um Detailfragen: Welche Erleichterungenbei Transparenz undMelde- pflichten sind vertretbar? Wie stark möchte man STS-Verbriefungen bevorzugen?“, sagt Uebel und erwartet, dass Versicherer stärker in den Verbriefungsmarkt zurückkehren. „Die Investition der Versicherer können einen großen Impuls für den gesamten Markt setzen“, ist sie überzeugt und beob- achtet, dass sich Banken bereits stärker mit demThema Verbriefungen beschäftigen. Siegmund hingegen dämpft allzu hochflie­ gende Hoffnungen auf einen plötzlich ansteigenden Verbriefungsmarkt: „Ich sehe dasweniger strukturell als demografisch. Die von der großen Finanzkrise 2007 gebrannte Generation verlässt langsam die Häuser, seien es Banken, Investoren oder Strukturie­ rer. Sie haben erfahren oder gesehen, was es heißt, unvorsichtig bei Verbriefungen zu sein. Die neuen Generationen müssen nun eigene Erfahrungen sammeln.“ Wenn dem sowäre, dannmuss offenbar noch eine deut- lich längere Kurve gedreht werden, ehe es der EU-Kommission gelingenwird, die posi- tivenMarktwirkungenvonVerbriefungen in die Praxis umzusetzen. ANKE DEMBOWSKI » Im Rahmen der Säule 2 werden bei der R+V die Risikobeiträge von Verbriefungen in einem intern entwickelten Kreditportfoliomodell abgebildet. Dies wird stetig validiert. « Uwe Siegmund, Chefvolkswirt der R+V Versicherung Regionale Aufteilung des Verbriefungsmarktes 2025 Was das Volumen betrifft, dominiert der US-Markt. Der Anteil der USA am globalen Markt für Ver- briefungen ist mit 42 Prozent sehr hoch. Mit weitem Abstand folgt Europa (mit rund 29 Prozent), wovon Großbritannien einen hohen Anteil auf sich verbucht. Quelle: Dataintelo 100% Gesamtanteil 5,8% 3,9% 42,2% 42,2% 42,2% Nordamerika Lateinamerika Naher Osten und Afrika Europa Asien-Pazifik-Raum

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