Institutional Money, Ausgabe 3/2026
PRODUKTE & STRATEGIEN Windenergie 224 3/2026 | institutional-money.com BauGB für Außenbereichsanlagen über 50 Meter eine Rückbauverpflichtungser klärung, meist abgesichert über eine Bankbürgschaft. Eine bundeseinheitli che Berechnungsformel existiert jedoch nicht. Rückbauverpflichtungen seien „von Beginn an im Finanzierungs- und Betriebsmodell verankert“, sagt Rosteck. Aktualisieren sollten Investoren die Kos tenansätze dennoch alle drei bis fünf Jahre. Der Wert wandert vom Asset zum Standort Für lange aktive Investoren hat die Obso leszenzfrage mehrere Facetten. In Bezug auf bestehende Assets sagt Nordex-Sprecher Felix Losada: „Technischer Fortschritt kann den relativen Wert älterer Anlagen verrin gern, weil neue Anlagen leistungsfähiger, effizienter und oft besser wartbar sind. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass ältere Anlagen unverkäuflich werden.“ Der eigent liche Werttransfer findet anderswo statt. Denn ältere Standorte sind aufgrund bereits gesicherterNetzanschlüsse, Genehmigungen und erprobter Windverhältnisse besonders attraktiv für Repowering. Der Verband WindEurope beziffert die Repowering-Effekte auf durchschnittlich 25 Prozent weniger Turbinen, einemehr als verdreifachte Parkleistung und eine vervier fachte Leistung je Anlage. In Deutschland entfielen 2024 laut Fachagentur Wind und Solar 1.191 Megawatt installierte Leistung auf 224 Repowering-Anlagen – das war gut ein Drittel des Bruttozubaus. Hier schließt sich der Kreis: Der Export rückgebauter Anlagen ist im Regelfall kein Entsorgungsvorgang, sondern ein Verkauf. David Schindler, Asset Mana ger Energie & Infrastruktur bei BVT, ordnet ein: „Rund die Hälfte der bislang in Deutschland zurückgebauten Windener gieanlagen wurde ins Ausland exportiert, auch Generatoren und Getriebe sind stark nachgefragt.“ Auf dem Marktplatz wind-turbine.com sind 19.300 Nutzer aus 187 Ländern regis triert, das Angebotsvolumen beträgt 4,7 Milliarden Euro. „Käufer aus Osteuropa, Lateinamerika, Südostasien und Afrika erwerben gezielt gebrauchte europäische Turbinen, weil sie günstiger sind als Neu anlagen und schnell verfügbar sind“, berichtet Cycap-CEO Schreiber. Die Verschiebung des Recyclingproblems ins Ausland, wo die Recyclinginfrastruk tur oft schwächer ist als in Mitteleuropa, wird aber auch kritisch gesehen. Der Bun desverbandWindenergie fordert selbst ein Exportverbot für gebrauchte Rotorblät ter, um das illegale Entsorgen im Ausland klar zu unterbinden. Das Recycling müsse in allen europäischen Ländern nach dem gleichen Standard erfolgen. Die Politik reagiert ebenfalls. Die Öko design-Verordnung EU 2024/1781 erfasst die Rotorblätter, sie greift aber noch nicht, weil es dafür noch keinen delegierten Rechtsakt gibt. Seit Mai 2026 gilt die neue EU-Abfallverbringungsverordnung mit strengeren Regeln für grenzüberschreitende Verbringungen. Außerdem kann über den Net-Zero Industry Act der EU seit Dezember 2025 die Recyclingfähigkeit neuer Rotorblätter ein Zuschlagskriterium in öffentlichen Ausschreibungen sein. In Deutschland entscheidet sich mit einer Rechtsverordnung zum EEG 2027, ob davon Gebrauch gemacht wird. Das schärfste Schwert sinddieEU-Taxonomie und das DNSH-Kriterium („Do No Sig nificant Harm“), die verlangen, dass die Verfügbarkeit langlebiger und recycling fähiger Komponenten bewertet und nach Möglichkeit eingesetzt wird. Taxonomiekon forme Windenergie-Assets brauchen somit jedenfalls ein dokumentiertes Rückbau- und Verwertungskonzept. ALEXANDER ENDLWEBER Je hochwertiger das Recycling, desto teurer Rotorblatt-Verwertungswege: Kosten je Tonne und Marktreife Wenige Prozent entscheiden über die Recyclingquote Massenanteile einer Onshore- Windkraftanlage inklusive Fundament Zwischen Deponie und hochwertigem Faserrecycling liegt der Faktor zehn. Solange Rezyklate keine tragfähigen Absatzmärkte finden, entscheidet der Preis über den Verwertungsweg, nicht die Technik. Für Investoren heißt das: Die Rückstellung sollte den Pfad abbilden, der vertraglich zugesagt ist, nicht den billigsten. Quelle: Kostenspannen nach energy-solutions.co (2025) unter Berufung auf Ökon Recycling Aggregierte Quoten verdecken das Problem: Wer 90 Prozent der Masse verwertet, hat den kritischen Rest noch nicht gelöst. Er bestimmt die Kosten. Quelle: Fachagentur Wind und Solar Solvolyse Pyrolyse Mechanisches Recycling Co-Processing Zementwerk Deponie 50 100 200 Kosten je Tonne in US-Dollar (log. Skala) 500 1.000 2.000 1.000—2.000 $ kommerziell kommerziell kommerziell Marktreife Pilotanlagen Labor, Demo 1.000—2.000 $ 1.000—2.000 $ Verbundwerkstoffe: 2—3% Rotorblätter — der Engpass der Kreislaufwirtschaft Beton 60—65% Stahl 30—35% Sonstige: Kupfer, Aluminium, Elektrik, PVC – je < 1 %
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