Institutional Money, Ausgabe 3/2026

PRODUKTE & STRATEGIEN Quanten-Gefahr 196 3/2026 | institutional-money.com Hybride Verfahren, die klassische und Post-Quantum-Kryptografie kombinieren, lassen sich dort bereits einsetzen. Schwieri- ger wird es bei langlebiger Hardware und stark vernetzten Systemen. Hier können Austauschzyklen und die Abhängigkeit von zahlreichen Drittanbietern Jahre kos- ten. Europol spricht deshalb von einer mehrjährigen, schrittweisen Migration, die in ohnehin anstehende Modernisie- rungsprogramme integriert werden sollte. Rapp bringt die Konsequenz auf den Punkt: „Banken beginnen keinen Tag zu früh, sich auf das Quantenzeitalter vorzu- bereiten. Eigentlich hätten viele Institute bereits vor drei oder vier Jahren damit anfangen müssen.“ „Wir beobachten die Lage und die Entwick- lung der Quantenkryptografie aktiv“, sagt Wilhelms von der DekaBank. „Im Rah- men unseres Cyber-Security-Programms bearbeiten wir das Thema projekthaft, unter anderem eruieren wir, wo PQC- Algorithmen eingesetzt werden können.“ Welche Dimensionen die Umstellung bei einer globalen Großbank annehmen kann, zeigt JPMorganChase. Die US-Bank prüft und modernisiert nach eigenen Angaben ihre kryptografischen Systeme und arbeitet an größerer Kryptoagilität, um quanten­ sichere Standards übernehmen zu können. In einem Emissionsdokument warnt der Konzern zugleich, der Übergang zu robus- teren Schutzmechanismen einschließlich quantenresistenter Verschlüsselung könne „erhebliche Investitionen in Technologie“ erfordern. Eine konkrete Summe nennt die Bank nicht, aber der Hinweis zeigt, dass große, technologisch weit entwickelte Institute das Thema als finanziell relevant erachten. Selbst ein Institut, das seine eigene Krypto­ grafie frühzeitig umrüstet, kann das Quantenrisiko nicht allein beherrschen. Finanztransaktionen laufen durch ein dich- tes Netz aus Banken, Börsen, Clearing- und Zahlungssystemen, Verwahrstellen sowie Cloud- und Softwareanbietern. Genau des- halb fordert das von Europol initiierte Quantum Safe Financial Forum eine koor- dinierte Migration der gesamten Branche. Ihm gehören unter anderem Allianz, San- tander, Barclays, BNP Paribas, Mastercard und Rabobank an. Nicht nur Geschäftsbanken müssen sich gegen die Quantengefahr wappnen. Auch die G7-Zentralbanken beschäftigen sich inzwischen ausdrücklich mit den möglichen Folgen der Quantentechnolo- gie für die Sicherheit und Stabilität des Finanzsystems. Rapp skizziert ein drasti­ sches Worst-Case-Szenario: „Man kann sich durchaus vorstellen, dass ein staatli- cher Akteur mit einem leistungsfähigen Quantencomputer zentrale Elemente des Finanzsystems lahmlegt. Schon wenige Tage gestörter Zahlungsverkehr wür- den eine Volkswirtschaft massiv unter Druck setzen.“ Wie sich zentrale Finanzinfrastruktur quantensicher machen lässt, wird bereits praktisch erprobt. BIS Innovation Hub, Banque de France und Bundesbank haben in der ersten Phase von Project Leap quan- tensichere Kommunikation zwischen zwei Zentralbank-IT-Systemen getestet. In Phase zwei gingen BIZ, Banca d’Italia, Banque de France, Bundesbank, Nexi-Colt und Swift einen Schritt weiter: In einem operativen Zahlungssystem wurden bei Liquiditäts- transfers klassische digitale Signaturen durch Post-Quantum-Signaturen ersetzt. Die Tests funktionierten, offenbarten aber deutliche Performanceunterschiede und machten Anpassungen zahlreicher System- komponenten erforderlich. Wie unmittelbar ein Quantenangriff Ver- mögenswerte bedrohen könnte, lässt sich an Bitcoin illustrieren. Bei einem Teil der Bitcoin-Bestände sind öffentliche Schlüssel Fahrplan zur Quantensicherheit Mehrjähriger Umstellungsprozess Die Cyber Expert Group der G7 skizziert sechs Phasen für die Umstellung auf Post-Quantum-Kryptografie bis 2035. Quelle: G7 Cyber Expert Group, 2026 2025 2026 2027 2028 2029 2030 Schwerpunktaktivitäten Sensibilisierung/ Vorbereitung Bestandsaufnahme Umsetzung der Migration Tests der Migration Validierung und Überwachung Risikobewertung und Planung Laufende Aktivitäten Governance und Risikomanagement Management externer Abhängigkeiten, Branchenentwicklung und Risikolage, Dialog über Hindernisse und Erfolgsbedingungen 2031 2032 2033 2034 2035

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