Institutional Money, Ausgabe 3/2026

Foto: © M&G Frontier Markets PRODUKTE & STRATEGIEN 3/2026 | institutional-money.com 187 liquidenMärkten kann das erhebliche Aus- wirkungen auf die Aktienkurse haben.“ Für aktive Anleger beginnt die interes- sante Phase deshalb häufig schon vorher. Dollmann zufolge antizipieren Investo- ren eine mögliche Indexaufnahme und positionieren sich, bevor benchmarkorien- tiertes Kapital zufließen muss. Auch am Anleihenmarkt funktioniert ein ähnlicher Mechanismus über Ratingveränderungen. „Wer Alpha erzielen will, darf deshalb nicht erst auf das Rating-Upgrade war- ten, sondern muss positive Entwicklungen erkennen, bevor sie der Markt vollständig eingepreist hat“, sagt Wildermuth. Welche Länder für einen Aufstieg infrage kommen, hängt auch von der Anlageklasse ab. M&G sieht bei Hartwährungsanleihen insbesondere Usbekistan und Georgien mit guten Chancen, in den kommenden Jahren vomFrontier- ins Emerging-Market-Universum aufzusteigen. Verbesserte makroökonomische Fundamentaldaten und eine solide Wirtschaftspolitik könn- ten beiden Ländern perspektivisch sogar ein Investment-Grade-Rating ermöglichen. Nigeria und die Elfenbeinküste wiede­ rum zählen für M&G langfristig zu den Kandidaten für einen Aufstieg ins Emerging-Market-Universum. Auf der Aktienseite steht in diesemZusam- menhang und trotz der geschilderten Klumpenrisiken im Leitindex vor allem Vietnam im Fokus. Thozet würde sich, müsste er sich heute auf einen einzigen Frontier Market festlegen, für Vietnam ent- scheiden. Gleichzeitig zeigt gerade dieses Beispiel, wie fließend die Kategorien gewor- den sind: FTSE Russell stuft Vietnam seit September 2026 als Emerging Market ein, während das Land bei MSCI weiterhin als Frontier Market klassifiziert ist. Die Kehrseite der Medaille Allerdings wäre es ein Fehler, auf einen zwangsläufigen und generellen Aufstieg der heutigen Frontier Markets zu setzen. M&G schätzt, dass in den kommenden zehn Jahren weniger als zehn Prozent der heutigen Frontier Markets tatsächlich zum EmergingMarket aufsteigenwerden. Refor- men können ins Stocken geraten, politische Prioritäten wechseln und günstige demo- grafische Voraussetzungen ungenutzt bleiben. Hinzu kommenWährungs-, Liqui- ditäts- und Governance-Risiken, die selbst eine überzeugende volkswirtschaftliche Entwicklung für Investoren zunichtema- chen können. Gestiegene Bewertungen Auch gestiegene Bewertungen mahnen inzwischen zur Selektivität. Das Emerging- Market-Debt-Team von M&G verweist darauf, dass Frontier Markets in den ver- gangenen Jahren unter anderem von attraktivenAusgangsbewertungen, Reform- programmen und zuletzt von höheren Rohstoffpreisen profitiert haben. Inzwi- schen seien die Risikoprämien jedoch historisch eng. Gleichzeitig liefen einige IWF-Programme aus, und nach Jahren teilweise einschneidender Reformen drohe Ermüdung in der Bevölkerung. Eine Fort- setzung der jüngsten Outperformance sei deshalb keineswegs selbstverständlich. Die geringe Einbindung vieler Frontier-Län- der in die Weltwirtschaft muss dabei nicht ausschließlich ein Nachteil sein. Bahrke zufolge sind sie – abgesehen von rohstoff- intensiven Ländern und Ausnahmen wie Vietnam–weniger stark in die globalen Lie- ferketten integriert und damit auchweniger unmittelbar von Protektionismus betroffen. Das kann ihre Abhängigkeit von manchen globalen Risikofaktoren begrenzen, besei- tigt aber die länderspezifischen politischen, Währungs- und Liquiditätsrisiken nicht. Mehrere Variablen Für Investoren dürfte deshalb weniger ent- scheidend sein, welches Land die höchsten Wachstumsraten verspricht, sondern ob sich daraus tatsächlich attraktive Investments ableiten lassen. Dabei können die Antwor- ten je nach Anlageklasse unterschiedlich ausfallen: Ein Aktienmarkt kann zu klein oder konzentriert sein, während sich im selben Land Chancen bei Anleihen oder in den PrivateMarkets eröffnen. Die Suche nach der nächsten Wachstumsgeschichte führt damit nicht zwangsläufig zu einem neuen China oder Indien. Entscheidend ist vielmehr, wo wirtschaftliche Entwicklung, Reformen und zunehmende Investierbar- keit gleichzeitig konkrete Anlagechancen entstehen lassen. DAVID VERBEEK Aufstieg bringt neue Kapitalströme Vietnams Hochstufung sorgt für zusätzliche indexgetriebene Kapitalzuflüsse. Im FTSE Frontier Markets Index kommt Vietnam auf rund 35 Prozent Gewicht, im wesentlich größeren Emerging-Markets-Index auf etwa ein Prozent. KraneShares schätzt die zusätzlichen indexgetriebenen Investments infolge der Hochstufung auf rund 300 Millio- nen US-Dollar. Noch erheblich größer wäre der Effekt einer möglichen späteren MSCI-Hoch- stufung: Hier werden zusätzliche Zuflüsse von rund 12,4 Milliarden US-Dollar geschätzt. Quelle: KraneShares; Daten und Schätzungen von Dragon Capital,MSCI,FTSERussellundBloomberg | Stand:30.Juni 2026 » Während klassische Emerging Markets reifer werden und ihr Wachstum nachlässt, bleiben Frontier Markets aufgrund ihrer niedrigeren Ausgangsbasis noch auf Jahre Wachstumsgeschichten. « Purvi Harlalka, Senior Emerging Market Sovereign Debt Strategist, M&G FTSE Frontier Markets Index FTSE Emerging Markets Index *geschätztes benchmarkgebundenes aktives und passives Anlagevermögen 4,9 Mrd. $* 1,7 Mrd. $* 200 Mrd. $* 2 Mrd. $* 35% 1 % +0,3 Mrd. $

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