Institutional Money, Ausgabe 3/2026
Foto: © DWS PRODUKTE & STRATEGIEN KI-Boom 176 3/2026 | institutional-money.com vehikel. Invesco schreibt in der Studie: „Die Staatsfonds-Investoren sind von der grundsätzlichen Bedeutung des Themas KI mehr überzeugt als von der saubersten Lösung, das Thema abzubilden.“ 77 Prozent sehen in der Technologie einen wesentli- chenwirtschaftlichenWachstumsfaktor für die kommenden Jahrzehnte, aber nur die Hälfte der Befragten hält die entsprechen- den Märkte noch für unterbewertet (9 %) beziehungsweise für so preiswert (41 %), dass Investments noch ausreichend Fanta- sie haben. Die Sorge, dass KI bereits eine „Bubble“ sei, äußerten nur 20 Prozent. Einzelaktien Es sind vor allem Wetten auf ein- zelne Unternehmen die als gefährlich, aber nichtsdestotrotz verlockend eingestuft werden. Der Kauf von börse- notierten Aktien mit KI-Fantasie findet sich bei der Economist-Impact-Studie auf Platz drei der Investitionshitparade. In der Invesco-Befragung von Staatsfonds lande- ten Einzelaktieninvestments mit 47 Prozent auf Platz zwei, auch hier liegt der Fokus auf Infrastrukturmit KI-Bezug an der Spitze (50 %). Ein Viertel der 75 teilnehmenden Sove- reign Wealth Funds gab jedoch an, noch gar keine aktive KI-Strategie zu verfolgen. Wie schwierig es nach wie vor ist, Poten- ziale und Risiken mittel- bis längerfristig richtig einzuschätzen, zeigt ein Detailer- gebnis der Nuveen-Umfrage. Obwohl eine große Mehrheit der aus Deutschland stam- menden Teilnehmer (80 Unternehmen) auf die Frage, ob KI in den kommenden zehn Jahren zu einer erheblichen Steigerung der wirtschaftlichenProduktivität führenwerde, mit Ja antworteten, gabnur ein geringer Pro- zentsatz an, seine Engagements in Branchen undUnternehmen zu reduzieren, bei denen ein hohes KI-Disruptionsrisiko wahrschein- lich ist. Auch bei deutschen Großanlegern rangiert KI- beziehungsweise Cloud-Infra- struktur auf Platz eins, wenn nach den größten KI-Anlagechancen gefragt wird. Energie als KI-Strategie Eine Parallele der unterschiedlichen Befra- gungen ist die günstige Beurteilung der Energiebranche. Obwohl unklar ist, obUS- amerikanische oder chinesische KI-Modelle das Rennen machen werden, steht für die meisten institutionellen Anleger wohl fest, dass die „Sieger“ sehr viel Strom benöti- gen werden. Korrekturerwartungen Dass nach den hinter uns liegenden Höhenflügen beträchtliches Kurskorrektur- potenzial besteht, ist hinlänglich bekannt. Die Studienmacher von Economist Impact stellten daher auch die naheliegende Frage nach der Wahrscheinlichkeit, mit der die Investoren einen 20-prozentigen KI-Kurs- rutsch binnen zwölf bis 18 Monaten – also bis etwa Ende 2027 – einschätzen. Undmit 37 Prozent hielt mehr als ein Drittel der Befragten einen solchen KI-Ausverkauf für „sehr wahrscheinlich“, weitere 41 Prozent halten ihn für „wahrscheinlich“. In Summe erwarten somit 78 Prozent auf Sicht eine solche Korrektur. Für die Antwortmög- lichkeit „sehr unwahrscheinlich“ votierte ein Prozent der Teilnehmer, für „unwahr- scheinlich“ sechs Prozent (siehe Grafik „Wahrscheinlichkeit eines KI-Sell-offs“). Zu geringe Risikobudgets? Die von der DWS angestoßene Umfrage erfasste die Stimmung im Frühjahr 2026. Seither hat sich etwa derWert des Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data UCITS ETF in der Spitze um weitere 40 Prozent erhöht, seit Anfang Juni tendiert er seit- wärts. Man muss daher davon ausgehen, dass sich die Zahl der Großanleger, die die Möglichkeit eines Rückschlags hoch veranschlagen, seither eher gewachsen ist. Bemerkenswert ist dabei, dass dieMehrzahl der Investoren auf Nachfrage einräumte, für diese potenziellen Kursverluste in ihren Aktienportfolios nicht ausreichend hohe Risikobudgets zu haben. Weniger als ein Prozent der Anleger gab an, eine mehr als 20-prozentige Kurskorrektur verkraften zu können. Fast zwei Drittel der Investoren können lediglich einen Portfoliorückgang zwischen zehn und 15 Prozent tolerieren. Eingedenk des erwarteten Kursrücksetzers betont die Studie, dass die Diskrepanz zwi- schen erwarteten und tragbaren Verlusten eklatant sei. Nichtsdestotrotz gaben mehr als 80 Prozent der Investoren an, Vertrauen in ihre Portfolios zu haben, wobei ein Großteil davon diesbezüglich nur „ziem- lich zuversichtlich“ sei. DieserWiderspruch ließ die Studienautoren die Sorge äußern, dass dieWiderstandsfähigkeit der Portfolios seitens der Investorenmöglicherweise über- schätzt wird. Hohe KI-Gewichtungen Vor allem Investoren, die das KI-Thema hoch gewichten, würden eine allfällige Kurskorrektur schmerzhaft zu spüren bekommen. Und diese Gruppe ist laut Eco- nomist-Impact-Umfrage nicht eben klein. Demnach gewichten 63 Prozent der Institu- tionellenKI-Aktien imAktien-Subportfolio in der Bandbreite zwischen 26 und 50 Pro- zent. Zwei Prozent sind noch mutiger und allokieren KI-Aktienmit einer Gewichtung zwischen 51 und 75 Prozent. Dennoch gibt etwa nur ein Drittel der Anleger an, dass KI-bezogene Aktien im Vergleich zu ihren Zielallokationen im Aktiensegment übergewichtet sind. Bei anderen Assetklassen ist die entsprechende KI-Übergewichtung ebenfalls gegeben, aber nicht so hoch wie bei Aktien: Bei „Renten“ Wahrscheinlichkeit eines KI-Sell-offs Investoren sehen ein hohes Ausverkaufsrisiko. Institutionelle Investoren schätzen die Wahr- scheinlichkeit für einen Abverkauf imBereich KI auf Sicht von 12 bis 18Monaten relativ hoch ein. Für 37 Prozent ist das „sehr wahrscheinlich“, für 41 Prozent immerhin noch „wahrscheinlich“. Für die Antwortmöglichkeit „ebenso wahr- scheinlich wie unwahrscheinlich“ votieren 15 Prozent. Nur sechs Prozent glauben an weiter steigende Kurse. Quelle: Economist Impact Studie Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit eines KI-Sell-offs in Höhe von 20 Prozent in den kommenden 12 bis 18 Monaten? Sehr wahr- scheinlich 37% Wahr- scheinlich 41 % Ebenso wahrscheinlich wie unwahr- scheinlich 15% Sehr unwahr- scheinlich 1 % Unwahr- scheinlich 6%
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