Institutional Money, Ausgabe 3/2026
Foto: © Christoph Hemmerich KI-Boom PRODUKTE & STRATEGIEN 3/2026 | institutional-money.com 175 FÜR KAPITALMARKTHISTORIKER der Zukunft werden die 2020er Jahre mit hoherWahrscheinlichkeit das Jahrzehnt des KI-Aufstiegs sein. Revolutionäre Technolo- gien – von der Eisenbahn über das Radio bis zumInternet –waren immer auch Invest- mentthemen und dabei leider häufig mit enormen Höhenflügen und dramatischen Abstürzen verknüpft. Für viele institutio- nelle Anleger dürfte der KI-Hype in diesen Tagen für heftige Diskussionen und reich- lich Researcharbeit sorgen. Es steht fest, dass man investiert sein muss, und dabei ist auch klar, dass Lehren, die etwa aus dem Platzen der Dotcom-Bubble zu ziehen sind, berücksichtigt werden müssen. Insgesamt sind noch sehr viele Fragen imZusammen- hangmit demThema offen, und die extrem schnelle Entwicklung erschwert Investment- entscheidungen für jedenMarktteilnehmer. Wie andere Großanleger mit der Thematik umgehen, dürfte daher für alle Akteure von Interesse sein. Während der letzten Monate wurden hierzu mehrere interessante Unter- suchungsergebnisse publiziert. Zu den wenigen Studien, die sich dezidiert mit KI befassen, zählt „Exuberance and exposure: Institutional investors and the AI boom“. Für die von der Deutsche-Bank- Tochter DWS unterstützte Untersuchung befragte der britische Thinktank „Econo- mist Impact“ 300 institutionelle Investoren aus Nordamerika, Europa und Asien. Da runter waren unter anderemPensionsfonds, Versicherer, Staatsfonds, Stiftungen oder FamilyOffices. Die Erhebungwurde in den Monaten Februar und März 2026 durch- geführt. Invesco veröffentlichte im Juni eine inhaltlich breiter angelegte Arbeit mit dem Titel „Invesco Global Sovereign Asset Management 2026“, für die 90 Staatsfonds und 54 Zentralbanken auch zu ihren KI- Strategien befragt wurden. Bereits Ende 2025 veröffentlichte der amerikanische Asset-Management-Riese Nuveen eine globale Umfrage unter rund 800 institu- tionellen Anlegern, die ebenfalls erfragte, welche Rolle künstliche Intelligenz in deren Portfolios spielt. Investmentmotive Zu den weniger überraschenden Erkennt- nissen dieser Untersuchungen zählt die Tatsache, dass das Thema sehr ernst genom- men wird und teilweise auch schon in den Portfoliostrategien umgesetzt wird. Eigenkapital vs. Fremdkapital Bei der Frage nach Eigenkapital vs. Fremd- kapital deutet die von der DWS initiierte Untersuchung auf eine Bevorzugung von Eigenkapitalinstrumenten hin. Der Grund dafür wird klar, wenn man die Frage nach den Investmentmotiven stellt. Einerseits wollen die Großanleger am laufenden Trend mitverdienen, in der Studie sind dies „vonMomentumgetriebene Faktoren“. Für 53 Prozent der Umfrageteilnehmer sind diese ein zentraler Aspekt ihrer Investitio- nen in diesem Bereich. Andererseits hat man auch die erhofften gesamtwirtschaft- lichen Auswirkungen der immer noch jungen Technologie im Auge. Auf Platz zwei und drei im Ranking lagen die fun- damental getriebenen Investmentmotive „Langfristige Produktivitätssteigerungen und wirtschaftliche Vorteile durch den flächendeckenden KI-Einsatz“ (52 %) und „Mittelfristiges Umsatzwachstum durch KI-gestützte Produkte und Dienstleistun- gen“ (43 %). Umsetzung der KI-Strategie Obwohl die zentralen Anlagemotive der Großanleger tendenziell ähnlich sind, stellt sich doch die Frage danach, wie sie konkret umgesetzt werden. Aus allen erwähnten Studien lässt sich schlie- ßen, dass das bevorzugte Marktsegment „Beteiligungen an Anbietern von KI-Infra struktur“ heißt. Aus institutioneller Sicht weisen Anbieter von KI-Infrastruktur ein interessantes Chance-Risiko-Profil auf. Man profitiert vom Boom, meidet aber das schwer einschätzbare Risiko der eigentlichen Technologieentwickler. Ein alternativer Weg, die Gefahren zu kontrol- lieren, ist der Einsatz von Branchen-ETFs. Bei der Umfrage von Economist Impact lag diese Variantemit 38 Prozent auf Platz zwei imUmfrage-Ranking. Die Invesco-Untersuchung zeigt, dass auch die Hälfte der befragten Sovereign Wealth Funds bereits in KI-bezogene Infrastruk- turunternehmen investiert ist. 47 Prozent sind in notierte Aktien investiert, und 41 Prozent gingen denWeg über Privatmarkt- » Der Bericht befasst sich mit einer der einflussreichsten Kräfte, die derzeit die Kapitalmärkte und die Welt darüber hinaus neu gestalten: dem immer schneller voranschreitenden Aufstieg der künstlichen Intelligenz. « Simon Klein, Global Head of Xtrackers Sales, DWS Treiber von KI-Investments Sowohl ökonomische Fundamentaldaten als auch Momentum locken Investoren. Sowohl „von Momentumgetriebene Faktoren“ als auch „ökonomische Fundamentaldaten“ motivieren institutionelle Investoren zu bedeu- tenden Engagements im KI-Bereich. Am häu- figsten (53 %) nannten die Investoren (Mehr- fachnennungen möglich) den Beweggrund „Aktuelle Aktienentwicklung und Gewinndyna- mik“, knapp gefolgt von „Langfristige Produk- tivitätssteigerungen und wirtschaftliche Vor- teile durch den flächendeckenden KI-Einsatz“ (52 %). Das Argument „Der Druck, nicht hin- ter anderen Unternehmen oder Benchmarks zurückzubleiben“ kam nur auf bescheidene fünf Prozent. Quelle: Economist Impact Studie Jüngste Aktienentwicklung und Gewinndynamik von Momentum getriebene Faktoren ökonomische Fundamentaldaten Langfristige Produktivitätssteigerungen und wirtschaftliche Vorteile durch den flächendeckenden KI-Einsatz Mittelfristiges Umsatzwachstum durch KI-gestützte Produkte und Dienstleistungen Eine hohe Konzentration der Erträge auf eine kleine Anzahl marktbeherrschender KI-Unternehmen Kurz- bis mittelfristige Margensteigerung durch Kostensenkungen Der Druck, nicht hinter anderen Unternehmen oder Benchmarks zurückzubleiben 53% 52% 43% 31 % 14% 5%
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