Institutional Money, Ausgabe 3/2026
PRODUKTE & STRATEGIEN Trendfolgemodelle 158 3/2026 | institutional-money.com TATSÄCHLICH IST dieses „Ist es diesmal anders?“ die immer wiederkehrende Frage von Investoren, die Kursverluste bei ihren Trendfolgestrategien erleben. Auch beschäf tigt sie systematische Trader besonders. Die quälende Sorge, dass sich eine funda mentale Marktdynamik verändert hat, liegt auf dem Tisch. Dass es ungeachtet der Lehren aus der Vergangenheit diesmal wirklich anders ist: Die Ineffizienz, von der Handelsstrategien einst profitierten, ist ver schwunden oder durch ein neues, grund legendes Marktgesetz aufgehoben worden. Dazu gesellt sich politisches Störfeuer, das zu einer Unberechenbarkeit führt, die nur schwer zu modellieren ist. Anbieter von Trendfolgesystemen müssen ihre Strate gien angesichts der Sorge vieler Investo ren, dass das Konzept nicht länger halten kann, was es verspricht, einmal mehr ver teidigen. „Diese Sorge ist nicht unbegrün det“, gibt Russell Korgaonkar, CIO von Man AHL, zu. Der langjährige Markt führer des Segments ist bekannt dafür, neben der laufenden Konzeptentwicklung auch Grundlagenforschung zu betreiben – natürlich mit dem Ziel, im Geschäft zu bleiben. Korgaonkar: „Es gibt mehrere sys tematische Strategien, die vor Jahren pro fitabel waren, aber ihren Vorteil verloren haben, als immer mehr Investoren einge stiegen sind. Man betrachte nur das klassi sche Pair Trading bei Aktien. Am Anfang steht die Identifikation von Aktienpaaren oder -Baskets. Dann sucht man nach klei nen Abweichungen vomDurchschnitt des Korbs und setzt darauf, dass diese wieder zur Mitte tendieren. Hätte ich ein System entwickelt, das auf einmonatige Mean Reversion setzt und dabei alle Risikofak toren neutralisiert, hätte man es in den 1960er-Jahren für ein Schneeballsystem gehalten, als es noch keine Computer gab, die leistungsstark genug für diese Strategie waren. Es funktionierte dennoch bemer kenswert gut in den 1990er-Jahren. Doch der Vorteil schwand mit der Zeit – die Aktienmärkte wurden effizienter; je mehr Kapital in den Handel floss, desto weniger trat die Ineffizienz in Erscheinung.“ Was für große angelsächsische Pensionsfonds, die die Ineffizienzen durch ungeschickte Handelsmuster verursacht hatten, eine gute Nachricht war, erwies sich für systemati sche Hedgefonds, die Gewinne erzielen wollten, als schlechte Nachricht. Korgaon kar weiß das, da er Anfang der 2000er- Jahre eine Paarstrategie handelte und die einst starke Performance schwinden sah. Die Optionen waren damals, entweder große Ressourcen in Handelstechnologie zu investieren – in einem nie endenden Streben nach Geschwindigkeit – oder nach vielversprechenderen Anlagemöglichkeiten zu suchen. Historisches Relikt ImMakrobereich ist die kurzfristige Trend folge eine weitere Strategie, bei der die lukrativen Renditen von einst der Effizienz moderner Märkte zumOpfer gefallen sind. Wie lässt sich dieser Rückgang erklären? Die Antwort liegt inder Entwicklung derMarkt dynamik. Nachrichtenwerden schneller ein gepreist, da technologische Fortschritte die sofortige Verarbeitung von mehr Informa tionen ermöglichen. Diese Anomalie wird wohl nie mehr zurückkehren, sie ist das Relikt einer Ära, in der Informations- und Liquiditätsbarrieren bestanden, die sich im Lauf der Zeit abgebaut haben. Einige Strategien haben sich bisher aller dings als widerstandsfähig erwiesen. Sie liefern wertvolle Erkenntnisse über die Persistenz bestimmter Ineffizienzen. Was traditionelle Aktienfaktoren betrifft, so haben sich quantitative Handelsstrategien, bei denen Titel anhand fundamentaler Merkmale wie Gewinnkennzahlen sortiert werden, im Lauf des technologischen Fort schritts vergleichsweise gut bewährt. Sie haben auch gezeigt, dass sich Ineffizienzen auf unterschiedliche Weise manifestieren können. Bereits BenjaminGrahamerkann te 1949, dass unterbewertete Aktien lang fristig tendenziell besser abschneiden, weil Investoren dazu tendieren, fürWachstums potenzial zu viel zu bezahlen. Diese Ineffi zienz ist signifikant und kann langfristig für attraktive Renditen genutzt werden, ist aber nicht immun gegen erhebliche Kursrück gänge. Dies ist teilweise auf das Anleger verhalten zurückzuführen: Kapitalzuflüsse in diesen Bereich können die Portfolioren dite steigern, während Kapitalabflüsse, die Renditeverteilung Relativ wenige stark negative Ausreißer im linken Verteilungsast Die farbliche Kennzeichnung beinhaltet den letzten deutlichen Drawdown. Tatsächlich tre- ten Gewinne von mehr als 15 Prozent über rollierende 12-Monats-Zeitfenster im Ver- gleich dazu vergleichsweise häufig auf, näm- lich 59 (!) Mal. Quelle: SocGenundManGroupDatabase |Zeitraum:Januar2000bisApril2025 » Das Jahr 2025 war eine Herausforderung für Trend- investoren. Hochgradige poli- tische Unberechenbarkeit ist schwer zu modellieren. « Russell Korgaonkar, Head of Systematic bei der Man Group und CIO, Man AHL Foto: © Alastair Fyfe 0 Unter -20% Häufigkeit 0 2 7 37 51 41 40 20 17 8 14 56 Renditehäufungen je Kohorte Stark negative Rendite-Ausreißer -20 bis -15% -15 bis -10% -10 bis -5% -5 bis 0% 0 bis 5% 5 bis 10% 10 bis 15% 15 bis 20% 20 bis 25% 35 bis 30% Über 30% 10 20 30 40 60 50
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