Institutional Money, Ausgabe 3/2026
Foto: © Christoph Hemmerich 140 3/2026 | institutional-money.com INTERVIEW Jeffrey Dissmann und Tilo Kraus „normalen“ Zinsregime. Der Preis von Geld wirkt nicht mehr künstlich verzerrt. Andererseits hat die folgende Hochinfla- tionsphase vielen Unternehmen bewusst gemacht, dassPensionsrückstellungenreale Risiken sind.Das ist keine reineBilanzposi- tionmehr, wenn plötzlich jedes Jahr zehn, zwölf oder 13 Prozent höhere Renten aus- zuzahlen sind. Drittens passt die deutsche Wirtschaft ihre Unternehmensmodelle gerade an.GroßehistorischePensionslasten passenoft nichtmehr zueiner strategischen Neuausrichtung.Diesedrei Faktorenerklä- ren die hohe Gesprächsbereitschaft von Unternehmen und eine zunehmende Umsetzungsdichte. Dennoch ist der deutsche Markt im Vergleich zum britischen noch relativ klein. Welche Rolle spielt der Wandel deutscher Unternehmen – etwa Port- folioumbauten oder Konzerne ohne vieleMitarbeiter, abermit vielenPen- sionären dabei? TILO KRAUS: Das betrifft nicht nur deut- sche Konzernmütter, auch ausländische Gesellschaften mit deutschen Pensionä- ren sind betroffen. Bei Portfolioumbauten wieVerkauf, Börsengang,Aufspaltungoder ZusammenlegungmussmansichjedesMal mit demThemaPensionsverbindlichkeiten auseinandersetzen. Es gibtUnternehmenin Deutschland, die kaum noch Mitarbeiter, aber viele Pensionäre haben. Dann stellt sich die Frage: Ist das Unternehmen selbst noch der richtigeHeimathafen für die Pen- sionäre? Eine vollständig kapitalgedeckte, spezialisierte Lösung, hinter der ein eigener Treuhänder steht, ist die bessere Antwort. Die Ausfinanzierungsgrade von ent- sprechenden Pensionseinrichtungen liegen im Schnitt bei 90 Prozent odermehr.AbwelchemSchwellenwert kippt die Rechnung für ein Unterneh- men konkret von „nice to have“ zu „ökonomisch zwingend“? JEFFREY DISSMANN: Ab rund 90 Prozent Ausfinanzierung beginnen wir mit Unternehmen über eine langfris- tige Zielstruktur zu sprechen, entweder im internen Selbststeuerungsmodus oder über einen Risikotransfer. Unter 90 Pro- zent fragen viele Unternehmen, woher sie das Geld überhaupt nehmen sollen. Der Grund für dieSchwelle ist dieAsymmetrie: Ein Industrieunternehmen hat wenig Nut- zen von einemFundingLevel vonmehr als 130Prozent, aber vielleicht einbilanzpoliti- schesProblem,wennes auf 70Prozent fällt. Deshalb ist aus unserer Sicht heuteder rich- tige Zeitpunkt, um über das „Endgame“ nachzudenken. Wie schnell könnte sich das Fenster wieder schließen, wenn die Zinsen sinken? Sprechen wir über Monate oder Jahre? JEFFREYDISSMANN: Wirsehenkeinen kurzfristigen Zinsschock, aber wir haben auch die Zinsanhebung nach Corona um zwei bis drei Prozent nicht kommen sehen. Deshalb braucht robustes Risikomanage- ment einen Plan für ein Szenario „zwei Prozent niedrigerer Zins morgen“: Bei zehn Jahren Duration auf die Pensionsver- pflichtungen bedeutet das rund 20 Prozent höhereBarwerte, ohnedass sichsonst etwas verändert hat. Wer glaubt, der Zins bleibt für immer auf dem heutigen Niveau, sollte entsprechend rechtzeitigüber einenRisiko- transfer nachdenken. Sie beschreiben die Konstruktion als bewusst zweigleisig, mit Marsh als Co-CIO und eigenen, von Vedra unab- hängigen Risikoannahmen. Wo hat die dabei zu erwartende „Reibung“ tatsächlich zu einer nützlichen Dis- kussion geführt? JEFFREY DISSMANN: Am längsten haben wir über die passende Aktienquote diskutiert. Entscheidend ist, dass wir in unserenMeetingsnicht einfachnurBerichte vortragen, sondern uns gegenseitig bewusst hinterfragen.BeideSeitenerstellenunabhän- gig ihre Reports und gleichen sie dann mit denZahlenderjeweilsanderenSeiteab,statt dassnureineParteiihrenReportweiterreicht. TILO KRAUS: Ein weiterer konstanter Diskussionspunkt ist Private Equity vs. Sponsored Private Debt. Wenn Kredit- und Eigenkapitalgeber letztlich dieselben Unter- nehmenfinanzieren,hatmaninvermeintlich diversifizierten Portfolios am Ende densel- ben Risikotreiber. Das erfordert erhöhte Vorsicht. Interessanter erscheinen uns daher Private-Markets-Segmente jenseits dieses sponsorengetriebenen Universums: etwa Infrastruktur oder Energie – Bereiche, die diesen Korrelationseffekt mit klassischem Private Equity nicht aufweisen. WiegenaufunktioniertdasLiquiditäts- management für dieRentenzahlungen der nächsten ein bis drei Jahre in der Praxis? Wir versuchen mit unseren Modellen eine hohe Sicherheit zu gewährleisten dafür, dass der Liquiditätsbedarf für Renten und Zah- lungsverpflichtungendernächstendreiJahre gedecktist.DeshalbwirddieseAssetklassein einemseparatenSegmentundaufSichtgefah- ren. Wenn man in einer Abschwungphase an den Kapitalmärkten Vermögensgegen- stände zwangsweise verkaufen muss, um Rentenauszuzahlen,geschiehtdaszuschlech- tenKonditionen.Dieses Segment ist deshalb bewusst auf solide Investment-Grade-Boni- tätohnegrößereAusfall-oderSpread-Risiken ausgerichtet, sodass ein beispielsweise 2030 fälliger Cashflow schon heute entsprechend investiert ist, ohne auf Zins- oder Aktien- markthebel angewiesen zu sein. WelchesVolumenverwaltetder imJuli 2025bei Universal Investment aufge- setzteSpezialfonds denn inzwischen? » Unser Anspruch ist, ein seriös kapitalisierter und gut geführter Partner mit solider Governance zu sein. « Tilo Kraus, Geschäftsführer Vedra Pensions
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