Institutional Money, Ausgabe 3/2026
Foto: © Christoph Hemmerich INTERVIEW Jeffrey Dissmann und Tilo Kraus 138 3/2026 | institutional-money.com „MERCER WIRD ZU MARSH“ hieß es Ende August in einer Pressemitteilung des anderNewYorkerBörsegelistetenundwelt- weit agierenden Beratungsunternehmens für die Segmente Risiko, Rückversiche- rungundKapital.Wiebereits einJahr zuvor angekündigt,wurdedamitauchdieMarken- integration des gerade im institutionellen Geschäft weithin bekannten Geschäftsbe- reichs „Mercer“ vollzogen, über denMarsh seine Kunden bereits seit 1959 dabei unter- stützt, ihre Anlageziele zu erreichen, die Arbeitswelt der Zukunft zu gestalten sowie die Gesundheits- und Altersvorsorge ihrer Mitarbeitenden weiterzuentwickeln. An der bereits im Oktober 2025 gestarteten engen Kooperation von Marsh, damals ebennochMercer,undVedraPensionswird sich dadurch nichts ändern, wie uns Jeffrey Dissmann, Leiter des Bereichs Investments bei Marsh, und Tilo Kraus, einer von zwei Geschäftsführern bei Vedra Pensions, am Rande unseres Interviews versichert haben. Was war eigentlich der Auslöser, im Oktober 2025 eine formelle Koope- ration zwischen Vedra Pensions und Marsh bekanntzugeben? JEFFREY DISSMANN: Wir haben auch früher schon projektbezogen im Bereich Pension Buy-out zusammengearbeitet, aller- dings jedes Mal neu festgelegt, wer welche Aufgabe übernimmt. Für neue Kunden ist das unbefriedigend: Es braucht von Anfang aneinklaresBilddavon,wiediePartnerschaft zwischen Marsh und Vedra funktioniert. Vor zwei Jahren begannen wir, die Rollen von Marsh und Vedra klar zu definieren. Heraus kam ein strukturiertes Gesamtkon- zept, in dem ein Unternehmen, das seine Pensionsverpflichtungen abgeben möchte, allesWesentlicheüberdenProzessnachlesen kann. Darauf folgten KYC-Prozesse, Dienst- leistungsverträge und die Einbindung von Universal Investment als KVG des dahinter- stehendenSpezialfonds.Alsalldasvereinbart war, haben wir die Kooperation im Herbst 2025 öffentlich gemacht. Pension Buy-out: Wie muss man sich dieAufgabenteilung imTagesgeschäft vorstellen? Wo beginnt die eine Ver- antwortung, wo endet die andere? TILO KRAUS: Das Konstrukt teilt sich in zwei Ebenen: die kommerzielle Koopera- tion zwischen Marsh und Vedra Pensions einerseits und die investmentrechtliche FondsarchitekturmitUniversalInvestment. Ebene 1 betrifft den Risikotransfer. Vedra Pensions übernimmt als dedizierter, separat kapitalisierter Risikoträger die Pen- sionsverpflichtungen des auslagernden Unternehmens gegen einen Kapitalbeitrag und bündelt sie in einer Rentnergesell- schaft, die künftig sämtliche laufenden RentenzahlungenandieBerechtigtenüber- nimmt. Marsh bringt in die Kooperation seine Pensions-, Investment- undRisikoma- nagementexpertise ein und unterstützt bei Implementierung, Monitoring und Steue- rungderKapitalanlage,unteranderemüber TreuhandlösungenwiedieMarshTreuhand. JEFFREY DISSMANN: Ebene 2 betrifft die Kapitalanlage über einen Masterfonds. Statt dass jede Rentnergesellschaft separat anlegt, hat Vedra Pensions einen Master- fonds aufgelegt, der als offener Spezial-AIF nach Paragraf 282 KAGB strukturiert ist. Universal Investment fungiert als Kapital verwaltungsgesellschaft (KVG) dieses Masterfonds, während Bethmann HAL die Verwahrstelle übernimmt. Warum ein Masterfonds mit externer KVG? TILO KRAUS: Das Prinzip folgt der klas- sischen Master-KVG-Logik. Statt dass jede Rentnergesellschaft eigenständig Fonds- anteile hält und verwaltet, bündelt der Masterfonds die Kapitalanlagen aller Rent- nergesellschaftenzentralüberallerelevanten Assetklassen hinweg. Universal Investment als Service-KVG übernimmt dabei die Fondsverwaltung, also die investment- rechtliche Hülle, das Reporting und die Einhaltung der KAGB-Vorgaben. WoliegendiewesentlichenUnterschiede zuherkömmlichenInvestmentmodellen im institutionellen Geschäft? TILO KRAUS: Anders als das klassische Dienstleistungsgeschäft eines Anbieters von Fondslösungen, der nicht direkt das Risiko seiner Entscheidungen trägt, stellt uns der Pension Buy-out vor eine andere Frage: Wie müssen eine Rentnergesellschaft und ihre Kapitalanlageaufgestelltsein,umlangfristige, nicht deterministische Cashflows mit hoher Konfidenz abzubilden? Gemeint sind Zah- lungsströme, deren Höhe, Zeitpunkt oder Eintritt zwar bis zu einem gewissen Grad planbar sind, aber nicht vollständig festste- hen.DazuzählenFaktorenwieLanglebigkeit oderInflation.EinPensionsplanisteinleben- desSystem:Erkannlängerlaufenoderhöher ausfallen als ursprünglich erwartet, und das gilt es zu modellieren. Dazu kommt die Frage der Governance, also sicherzustellen, dass LeitplankeneindiszipliniertesHandeln gewährleisten.UndRisikoübernahmebedeu- tet auch zu prüfen, welche Risiken wir mit eigenenMitteln zu unterlegen bereit sind. JEFFREYDISSMANN: DerZeithorizont ist der entscheidende Unterschied. Ein bör- sennotiertes Unternehmen sorgt sich um dennächstenBilanzabschluss.BeiderBedie- nung von Pensionsverpflichtungen geht es aberauchdarum,wiemandieKapitalanlage so aufsetzt, dass über 50 Jahre alle Renten inklusive Anpassungen gesichert sind. Wir denken in langfristiger Wertgenerierung, nicht in Quartalen. Was hat die Entscheidung ausgelöst, zu diesem spezifischen Zeitpunkt einen strategischen Investor – den globalen Investmentmanager One Investment Management – als Min- » Wir denken in langfristiger Wertgenerierung, nicht in Quartalen. « Jeffrey Dissmann, Leiter Investments bei Marsh
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