Institutional Money, Ausgabe 3/2026

THEORIE & PRAXIS Synthetic Risk Transfer 108 3/2026 | institutional-money.com Die verfügbare Evidenz deutet auf einen moderaten Fremdkapitaleinsatz hin; bei Repo-Finanzierungen berichten die Auto- ren von Haircuts zwischen 40 und 60 Prozent sowie täglichemMargining. Viele SRT-Fonds sind geschlossen oder als Ever- green-Strukturen organisiert, was den Verkaufsdruck bei Rückgaben begrenzt. Dass der Markt weiter wachsen dürfte, erscheint dennoch wahrscheinlich. Ban- ken suchen nach Möglichkeiten, ihre Bilanzen effizienter zu nutzen, wäh- rend Digitalisierung, Energiewende und Verteidigung zusätzlichen Kreditbedarf erzeugen könnten. Auf Investorenseite wächst mit Private Credit und Multi-Stra- tegy-Fonds gleichzeitig der Kapitalpool, der solche Risiken übernehmen kann. Für die EU rechnen die Autoren in einem einfachen Szenario vor, dass sich das aus- stehende SRT-geschützte Kreditvolumen von knapp 400 auf mehr als 800 Milliar- den Euro verdoppeln könnte, wenn die Nutzung im gesamten Bankensektor auf das Niveau der durchschnittlichen heuti- gen SRT-Bank stiege. Ganz schrankenlos ist dieser Weg nicht. SRTs reduzieren risikogewichtete Aktiva, nicht aber die Bilanzsumme. Die Lever- age Ratio setzt damit eine natürliche Grenze. Hinzu kommt die Aufsicht: Je stärker eine Bank auf neue SRTs ange- wiesen ist, desto größer wäre das Risiko, dass ein geschlossener Markt unmittelbar auf die Kapitalquote oder die Kreditver- gabe durchschlägt. Das vielleicht größte Problem ist deshalb derzeit nicht das sicht- bare Risiko, sondern das unsichtbare. Es gibt weder ein globales Datenregister noch konsistente Meldepflichten für Emissio- nen, Preise, Investorenfinanzierung oder Kreditperformance über Jurisdiktionen hinweg. Gerade bei grenzüberschreitenden Konstruktionen bleibt oft unklar, welcher Fonds welchen Schutz verkauft, wie stark er gehebelt ist und bei welcher Bank er sich finanziert. Europäische und japanische Ins- titute übertragen lautMarktbeobachtungen Kreditrisiken an US-Hedgefonds und Pri- vate-Credit-Fonds und stellen einzelnen dieser Häuser gleichzeitig Finanzierung zur Verfügung. Noch ist das Volumen solcher Rückkopplungen nach Einschätzung der BIS gering. Messen lässt es sich allerdings nur unvollständig. Die Autoren plädieren angesichts potenziel- ler Risiken für mehr Transparenz, besseren grenzüberschreitendenDatenaustausch und die Einbeziehung von SRTs in systemweite Stresstests. Das erscheint nicht übertrieben. Denn die entscheidende Frage lautet nicht, ob Synthetic Risk Transfers funktionieren – das tun sie bislang durchaus. Entschei- dend ist, ob das Finanzsystem auch dann noch weiß, wo das Risiko liegt, wenn Volu- mina und Verflechtungen unübersichtlich werden.Wer sich hier, wie erwähnt, an Sub- prime erinnert, steht wahrscheinlich nicht ganz allein da. HANS WEITMAYR Wie der SRT-Kreislauf gesamtwirtschaftlich funktioniert Letzten Endes haben Chancen und Risiken der SRT-Verbriefung Auswirkungen auf die Realwirtschaft. SRTs übertragen Kreditrisiken aus dem Bankensystem an diverse institutionelle Investoren und Asset Manager. Über Repo-Finanzierungen, Kredit­ linien, Versicherungen oder Beteiligungen entstehen dabei neue Verbindungen zwischen den Sektoren. ImStressfall kann es passieren, dass Risiken auf diese in das Bankensystem zurückwandern oder sich über mehrere Stationen hinweg sogar verstärken. Quelle: BIS Quarterly Review, March 2026 Kreditnehmer Banken Andere institutionelle Investoren Versicherer Geldanlagen 3 3 3 3 2 2 4 5 1 5 6 Finanzierter SRT-Schutz Investment Kreditversicherung Investment Direktkredite/Eigenkapital Direktkredite Finanzierter SRT-Schutz Repo-/Fonds- finanzierung Nicht finanzierter SRT-Schutz Finanzsystem Grenzüberschreitende Verbindungen Realwirtschaft

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