Institutional Money, Ausgabe 1 | 2026
tation im Verlauf der Mandatsbetreu- ung eines Investors tatsächlich und praktisch? DR. MARC-ANDRÉ GÖRICKE: Für jeden Prozessschritt halten wir fest, welche Informationen vorlagen, wie sie bewertet wurden und warum bestimmte Manager auf der Strecke geblieben sind, andere aber in die engere Wahl aufgerückt sind. Über diese Entscheidungsmatrix ist stets nachvoll- ziehbar, welche Kriterien den Ausschlag für den ausgewähltenManager gegeben haben. DR. JOCHEN KLEEBERG: Und diese Dokumentation ist enorm wertvoll, wenn ein Kunde nach fünf oder zehn Jahren fragt, warum wir damals Manager X und nicht Manager Y empfohlen haben, insbe- sondere wenn die ex-post-Betrachtung der Performance anders ausgefallen ist, als man es sich gewünscht hätte. Wir können dann zeigen: Zum Entscheidungszeitpunkt war Manager X anhand aller objektiven und qualitativen Faktoren der erfolgswahr- scheinlichste Kandidat. Und damit war die Empfehlung rational, auch wenn später unvorhersehbare Ereignisse wie etwa ein Teamwechsel oder ein starker Anstieg des Strategievolumens eingetreten sind. Bezogen auf Ihr Manageruniversum: Welche Rolle spielen bekannte Namen und große Häuser, und wo sehen Sie den „Sweet Spot“ zwischen Boutique, spezialisiertem Team und Nutzung der Ressourcen eines großen Asset- Management-Konzerns? DR. JOCHEN KLEEBERG: Namen wie Kaldemorgen, Flossbach und viele andere sind selbstverständlich auf unserem Radar, weil wir grundsätzlich den gesamtenMarkt abdecken. Letztlich aber spielt ein Name für uns keine Rolle, entscheidend ist die Investmentqualität und der „Fit“ der jewei- OLJHQ 6WUDWHJLH ]XP0DQGDWSURljO GHV .XQ - den. Empirisch sehen wir durchaus einen „Sweet Spot“. Das sindmeist stark fokussier- te Teams mit überschaubaremVolumen in großen Häusern, die die Ressourcen eines Konzerns nutzen können, gleichzeitig aber beweglich bleiben. Daneben gibt es sehr JXWH %RXWLTXHQ LQVEHVRQGHUH LQ LQHȯ]LHQ - tenNischenwie Small Caps oder speziellen Kreditsegmenten, bei denen das Volumen nicht zu groß sein darf, umdie besten Ideen überhaupt umsetzen zu können. Was war die Kernidee dahinter, mit dem alphaport Credit Opportunities Ihre institutionelle Expertise in einen Dach- fonds zu gießen. Und welchen Anleger- typus haben Sie dabei im Auge? DR. JOCHEN KLEEBERG: Bisher war unsere Arbeit stark auf Spezialmandate für große institutionelle Investoren fokussiert. Mit demDachfonds habenwir diese Exper- tise in ein Vehikel übersetzt, über das auch kleinere Investoren wie Stiftungen, Vermö- gensverwalter und sogar private Investoren Zugang zu unserer institutionell geprägten Selektionsexpertise bekommen. FLORIAN HERTLEIN: Zugleich ist der Fonds im Grunde so etwas wie unsere „Spardose“. Wir investieren dort als Team und als Firma unser eigenes Geld und allokieren ausschließlich Strategien, von denen wir zu 100 Prozent überzeugt sind. Das Produkt soll zeigen, dass Dachfonds anders sein können, als ihnen manchmal nachgesagt wird: mit einer sehr schlanken Kostenstruktur und einer bewusst begrenz- ten Zahl an Zielfonds ein positives Netto- Alpha für den Anleger liefern. Wie setzt sich der Fonds heute zusam- men, und worin unterscheidet er sich von klassischen, eben oft teuren Dach- fondskonstruktionen? FLORIAN HERTLEIN: Der Fonds inves- tiert aktuell in neun handverlesene Strate- gien, die verschiedene Segmente in attrak- tiven Nischen des globalen Kreditmarktes abdecken. Neben Euro-Corporates mit KRKHU 2Ȭ %HQFKPDUN 4XRWH VLQG GDUXQ ter auch Investments in US High Yield Short Duration, in Emerging Market Cre- dit sowie diverse Total-Return-Ansätze, die sowohl auf der Long- als auch auf der Short- Seite agieren können. Als Benchmark dient der Bloomberg Global Credit Index, der das Credit-Universumbreit abbildet. Unser Renditeziel liegt bei rund fünf Prozent über den Zyklus hinweg, derzeit beträgt die laufende Rendite knapp unter sechs Prozent. Für die Zielfonds zahlt der Dach- fonds durchschnittlich etwa 55 Basispunk- te. Derselbe Fondskorb würde im Direkt- zugang für institutionelle Investoren etwa 86 Basispunkte und für Privatanleger sogar knapp 1,5 Prozent kosten. Daraus ergibt VLFK HLQ HȬHNWLYHU *HEĞKUHQYRUWHLO YRQ mehr als 30 Basispunkten für institutionel- le Anleger und von rund 90 Basispunkten für Privatanleger. In der Fixed-Income-Welt verzichten Sie generell und durchaus bewusst auf quantitative Fonds und auf aktive ETFs. Was spricht aus Ihrer Sicht im Anleihenmarkt gegen rein quantitative Ansätze, und warum ist das Thema Volumen nach Ihrer Aussage der „Feind des Alpha“? DR. JOCHEN KLEEBERG: Im alpha- SRUW &UHGLW 2SSRUWXQLWLHV ljQGHQ 6LH DNWX - ell keinen quantitativen Fonds und auch keinen aktiven ETF. Der Grund ist, dass der Anleihenmarkt strukturell anders funk- tioniert als der Aktienmarkt. Es gibt zum einen eine enorme Anzahl von Emissionen mit unterschiedlichenCovenants und Lauf- » Für jeden Prozessschritt halten wir fest, welche Informationen vorlagen, wie sie bewertet wurden und warum bestimmte Manager auf der Strecke geblieben sind, andere aber in die engere Wahl aufgerückt sind. « Dr. Marc-André Göricke, Senior Consultant alpha portfolio advisors 68 1/2026 | institutional-money.com INTERVIEW Dr. Jochen Kleeberg, Dr. Marc-André Göricke und Florian Hertlein
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