Institutional Money, Ausgabe 1 | 2026
Können Sie den Weg von der ersten Universumsdefinition bis zur finalen Managerempfehlung skizzieren: Wel- che Schritte durchläuft ein typischer Selektionsprozess?. DR. JOCHEN KLEEBERG: Ein Mana- gerauswahlprozess dauert bei uns typischer- weise etwa zwölf Wochen. Am Anfang steht ein möglichst vollständiger Markt- ĞEHUEOLFN )ĞU GLH MHZHLOLJH $VVHWNODVVH GHlj - nieren wir ein breites Universum, in dem möglichst alle relevanten Anbieter enthal- ten sind, von großenMarkennamen bis hin zur spezialisierten Boutique. DR. MARC-ANDRÉ GÖRICKE: Danach HUIROJW HLQ PHKUVWXljJHU )LOWHUSUR]HVV PLW Fragebögen, quantitativen Screenings und einem Scoring-Modell, in das sowohl har- te Kennzahlen als auch qualitative Kriterien HLQijLHĕHQ $XV +XQGHUWHQ YRQ $QELHWHUQ kristallisieren sich zunächst eine Longlist von sechs und schließlich drei Shortlist- Kandidaten heraus, die wir – inklusive Vor-Ort-Besuchen – sehr intensiv analy- sieren, bevor wir dem Kunden eine klare Empfehlung geben. Wichtig ist: Der Pro- zess ist einMaßanzug, das heißt, der Kunde kann eigene Ideen undKandidaten einbrin- gen und sich an vielen Stellen des Selek- tionsprozesses aktiv einbringen. Wobei Sie selbst sagen, dass Ihre Arbeit nach demBeauty Contest nicht endet. Was passiert in der laufenden Mandatsbegleitung bis hin zur Ent- scheidung, ob ein Mandat fortgeführt oder gewechselt wird?. FLORIAN HERTLEIN: Ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung entsteht in der lau- fenden Mandatsbegleitung, wenn wir zwei- mal im Jahr mit den einzelnen Managern der rund 100 Bestandsmandate intensive Gespräche führen, umzu verstehen, was sich LP YRUKHULJHQ+DOEMDKU YHUÌQGHUW KDW VHL HV im Portfolio, im Team, im Investmentpro- zess oder beimverwaltetenVolumen. Dabei prüfenwir systematisch, ob die strategischen Erfolgsfaktoren, die zur ursprünglichen Auswahl geführt haben, noch intakt sind. Ändern sich Rahmenbedingungen, etwa durch starkes Volumenwachstum, Team- wechsel, Übernahmenoder auch Stilbrüche, dokumentierenwir das und empfehlen dem Kundengegebenenfalls einenManagerwech- sel. GeradeweilMärkte undOrganisationen dynamisch sind und der Faktor Glück kurz- fristig starkwirkt, braucht es diese langfristi- ge, disziplinierte Begleitung. In Ihrem Scoring-Modell macht die Analyse des historischen Track Records nur etwa 15 Prozent aus, 85 Prozent entfallen auf qualitative Fak- toren. Warummessen Sie der Vergan- genheit so wenig Gewicht bei? Und was steckt alles in diesen 85 Prozent? DR. MARC-ANDRÉ GÖRICKE: Der his- torische Track Record ist natürlich nicht irrelevant, aber er ist vergangenheitsbezogen und wird, gerade im Rahmen konzentrier- ter Portfolios, in erheblichem Maß vom =XIDOO EHHLQijXVVW 8QVHU $QVDW] LVW GDKHU bewusst zukunftsgerichtet. Die übrigen 85 Prozent setzen sich entsprechend aus einer Vielzahl von qualitativen Faktoren zusam- men. Dazu gehören Teamzuschnitt, Stabi- lität der Organisation, Klarheit und Kon- sistenz des Investmentprozesses sowie die Tiefe des Research. Ebenso wichtig sind das Kapazitätsmanagement und Anreizstruktu- ren sowie nicht zuletzt die handelnden Per- sonen selbst. Diese Informationen gewinnen wir über strukturierte Fragebögen, Tiefen- interviews, Vor-Ort-Besuche und ergänzen- de Recherchen und dokumentieren sie so, dass sie intersubjektiv nachvollziehbar sind. Wie laufen Ihre Vor-Ort-Besuche bei Managern in der Regel konkret ab? DR. JOCHEN KLEEBERG: ImRahmen der Vor-Ort-Besuche legen wir den Mana- ger gewissermaßen „unters Mikroskop“. Dabei verbringen wir einen ganzen Tag vor Ort, sitzen bewusst nicht nur im Kon- ferenzraum, sondern auf demFloor bei den Analysten und Portfoliomanagern, um zu sehen, wie der jeweilige Investmentprozess tatsächlich gelebt wird. Ganz praktisch las- sen wir uns das aktuelle Portfolio zeigen und gehen einzelne Positionen durch, um zu erfahren, warum eine bestimmte Anlei- he oder eine Aktie überhaupt im Portfolio ist, welches Research dahinter liegt, wann der letzte Kontakt zumUnternehmen statt- gefunden hat undwelche Überlegungen zu einer Über- oder Untergewichtung geführt haben. Parallel achten wir stark auf weiche 64 1/2026 | institutional-money.com INTERVIEW Dr. Jochen Kleeberg, Dr. Marc-André Göricke und Florian Hertlein Foto: © Christoph Hemmerich EIN BÜRO, WO EINST LOKOMOTIVEN STANDEN Die Büroräume von alpha portfolio advisors sind kein gewöhnlicher Unter- nehmenssitz. Die Ludwig-Sauer-Straße 12 inKronberg imTaunus war einst ein Lokschuppen, in dem Dampflokomotiven der Kronberger Bahnlinie abgestellt und gewartet wurden. Zu Beginn der 1930er-Jahre wurde er abgerissen, 1935 wieder neu aufgebaut als massiver Backsteinbaumit 38 Zentimeter starken Mauerpfeilern, charakteristischen Eisenprofilfenstern und markanter Dachlaterne. Anfang der 2010er-Jahre wurde das schon lange nichtmehr genutzteGebäude umfassend saniert, heute dient es den insgesamt 15 Teammitgliedern von alpha portfolio advisors als Bürofläche.
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