Institutional Money, Ausgabe 1 | 2026
getriebene Über- und Untergewichtungen der Assetklassen Zusatzerträge zu erzielen. Unser Ansatz der dynamischen Asset Allo- cation kümmert sich zwar ebenfalls um sol- che vorübergehenden Quotenveränderun- gen, verzichtet jedoch bewusst auf jegliche Form von Renditeprognosen. Die Steue- rung der Quoten erfolgt somit rein risikoba- siert und zielt darauf ab, Downside-Risiken wirksamzu reduzieren, den Investor also in Phasen des Marktstresses ruhiger schlafen zu lassen. Unser Ansatz versteht sich somit als Bindeglied zwischen der langfristigen strategischen Ausrichtung und der unter- jährigen Risikosteuerung. Warum halten Sie eine solche rein risi- kogetriebene, dynamische Steuerung von Assetklassen gerade in der aktuel- len Gemengelage aus Geopolitik, Infla- tion und Zinsen für so zentral?. FLORIAN HERTLEIN: Weil die Zahl der Unwägbarkeiten in den letzten Jahren deut- lich zugenommen hat. Denken Sie an die JHRSROLWLVFKHQ.RQijLNWH XQG8QZÌJEDUNHL - ten, den disruptivenWandel durch künstli- che Intelligenz und den abrupten Wechsel des Zinsregimes, mit denen man als ins- titutioneller Anleger gerade in der jünge- ren Zeit umgehen musste. In so einem Umfeld sind Prognosen notorisch unsicher, und Investoren müssen mit einer Vielzahl schwer kalkulierbarer Risiken umgehen. Unsere Antwort darauf ist, das Portfolio konsequent an Risikogrößen statt an Mei- nungen auszurichten. DR. MARC-ANDRÉ GÖRICKE: Unser Ansatz der Dynamischen Asset Allocation reduziert die Risikoexposures in Phasen starkerMarktkorrekturen, um sie in ruhige- ren Phasenwieder systematisch zu erhöhen. Durch die prognosefreie und regelgebun- dene Steuerung unterliegt der Entschei- dungsprozess keinerlei emotional getrie- EHQHQ (LQijĞVVHQ 6R HQWVWHKW HLQ UREXVWHU Steuerungsmechanismus, der nicht davon abhängt, ob die Makroprognose gerade richtigliegt oder eben nicht. Zurück zum eben erwähnten Bild vom gleichen Boot wie der Kunde: Im Bereich Managerselektion betonen Sie gern Ihr performanceabhängiges Ver- gütungsmodell. Wie genau funktioniert das Modell, und wie stellt es sicher, dass wirklich alle in die gleiche Rich- tung rudern? FLORIAN HERTLEIN: Eines unserer zen- WUDOHQ 'LȬHUHQ]LHUXQJVPHUNPDOH LVW GDVV wir damit tatsächlich ins Obligo gehen. Wir erhalten nur dann eine Vergütung, wenn der Kunde nach Kosten ein positives Alpha erzielt, denn ausschließlich daran knüpfen wir unsere Honorierung. Die damit ein- hergehenden Leistungsanreize sind kon- sequent auf die Interessen unserer Kunden ausgerichtet und führen auf unserer Seite zu einer maximalen Motivation. Diese am Mehrwert orientierte Vergütungsphiloso- phie haben wir auch für unserenMitte ver- gangenen Jahres aufgelegten Dachfonds alphaport Credit Opportunities umgesetzt. In der institutionellen Anteilsklasse erhal- WHQZLU HLQHPRGHUDWH lj[H *HEĞKU LQ+ĆKH von 20 Basispunkten zuzüglich einer Perfor- mance Fee von 15 Prozent auf dieWertent- ZLFNOXQJ REHUKDOE GHV %ORRPEHUJ *OREDO Credit Index. Ein wesentlicher Teil unserer Vergütung entsteht damit erst, wenn der Fonds nach Kosten besser abschneidet als seine Benchmark. INTERVIEW Dr. Jochen Kleeberg, Dr. Marc-André Göricke und Florian Hertlein 62 1/2026 | institutional-money.com Foto: © Christoph Hemmerich DER KAPITALMARKT ALS LEBENSWERK Dr. Jochen Kleeberg ist Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter der alpha portfolio advisors GmbH, die er am 15. Mai 1998 gemeinsam mit Dr. Christian Schlenger in Kron- berg im Taunus gegründet hat. Seit mehr als 35 Jahren beschäftigt er sich mit den Kernfragen des aktiven Portfolio- managements. Seine Karriere begann 1991 bei Barra, dem US-amerikanischen Spezialisten für Investmenttechnologie, wo er unter renommierten Mentoren wie Stan Beckers und Ron Kahn früh Führungsverantwortung übernahm und die deutsche Niederlassung leitete. 1994 promovierte er an der Universität Münster über das Minimum-Varianz-Portfolio und wurde dafür mit dem ersten Hochschulpreis des Deutschen Aktieninstituts ausgezeichnet. Er ist Mitherausgeber mehre- rer Standardwerke und Verfasser zahlreicher Fachartikel zur institutionellen Kapitalanlage, zuletzt mit einemSchwerpunkt auf aktivemManagement und Managerselektion. Kleeberg ist verheiratet, hat zwei Töchter und lebt im Taunus.
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