Institutional Money, Ausgabe 1 | 2026
aufgebaut werden.Wenn sichdannnochdie Sozialpartner imRahmen vonTarifverhand- lungen darauf einigen, dass bestimmte Teile der jeweiligen Verteilmasse für die Betriebs- renten aufgewendet werden sollen, wäre schon eine Menge gewonnen. Eine Wahl- möglichkeit zwischen reinen Beitragszusa- gen oder Zusagen, die Garantien enthalten, könnte die Akzeptanz bei den Arbeitneh- mern steigern. Viele von ihnen wünschen sich nämlich solche Garantien und nehmen dafür geringere Renditechancen in Kauf. Arbeits-, Steuer- und Aufsichtsrecht müss- tendeutlich entschlackt werden, digitale und transparente Prozesse sollten möglich sein, und die Systeme müssten auch leichter an zukünftige Entwicklungen anpassbar sein. Stichwort ETF-Begeisterung bei der Jugend: Sehen Sie das als Konkurrenz zur betrieblichen Altersvorsorge? KLAUS STIEFERMANN: Kapitalmarkt- orientierte Sparformen erfahren in den letzten Jahren vor allem bei jungen Men- schen eine wachsende Zustimmung. Das zeigt sich etwa auch in der Jugendstudie vonMetallRente. Nicht zuletzt die sozialen Medien und Informationen aus dem Inter- net haben das Interesse an Finanzthemen wachsen lassen. Das heißt aber lange noch nicht, dass ausreichende Finanzbildung vor- handen ist. Vorsorge soll nach demWillen MXQJHU 0HQVFKHQ WUDQVSDUHQW ijH[LEHO XQG selbstbestimmt sein. Dem kommen ETFs natürlich entgegen, vor allem wenn sie „spielerisch“ mittels Smartphone bespart beziehungsweise genutzt werden kön- nen. Sie allein sind aber keine Altersver- sorgung, sie allein können keine Absiche- UXQJ GHV /DQJOHELJNHLWVULVLNRV VFKDȬHQ sie dienen der Vermögensbildung. Und genau da sehe ich die große Gefahr, wenn ich nicht sicherstelle, dass das gebildete Vermögen am Ende auch für eine lebens- lange Leistung zur Verfügung steht. Wie hoch können monatliche Einkünfte aus einem Kapital von 100.000 oder 200.000 Euro sein? Daraus können 300 Euro bis 400 Euro lebenslange Monatsleistung werden. In der Bevölkerung wird irrigerweise von deutlich höheren Leistungen ausgegangen. Gleichzeitig zeigt die Jugendstudie etwas Überraschendes: Die Jugendlichen haben ein sehr großes Zutrauen zu den Sozial- partnern, teilweise sogar mehr als zu den eigenen Eltern. Ist das so? KLAUS STIEFERMANN: Das ist so. Die Studie zeigt, dass junge Menschen sich Sicherheit, Transparenz und verlässliche Regeln wünschen – alles Stärken kollektiv organisierter Vorsorgemodelle. Die Sozial- partner gelten als unabhängige, kompetente und faire Akteure, die einen Rahmen schaf- fen, in dem niemand allein gelassen wird. Die Erwartung ist, dass ein Arbeitgeber ein originäres Interesse hat, dass seine Arbeit- nehmer keinen Schaden nehmen. Außer- GHP JHKW PDQ GDYRQ DXV GDVV HU LQ ljQDQ - ziellen Fragen in der Regel mehr Erfahrung hat als man selbst. Und so ist es regelmäßig auch. Zudem gilt: Eine Betriebsrentenzusa- ge kostet den Arbeitgeber einiges, und auch er hat ein Interesse daran, dass derWirkungs- grad jedes eingebrachtenEuro größtmöglich ist. Erwirddaher versuchen, attraktiveGrup- penkonditionen auszuhandeln, oder gar ein eigenes Versorgungswerk aufbauen. Stichwort Riester-Reform: In der Fokusgruppe beim Finanzministerium wurde ja diskutiert, was Altersversor- gung eigentlich ist. Wie sehen Sie das? KLAUS STIEFERMANN: In der Fokus- gruppe der letzten Regierung wurde das Thema intensiv diskutiert, das stimmt. Daran knüpft auch der Gesetzentwurf für ein neues Altersvorsorgereformgesetz an. EinAltersvorsorgeprodukt ist demnach auch eines, das einen Auszahlungsplan bis zur Vollendung des 85. Lebensjahres beinhal- tet. Aus meiner Sicht passt das nicht zum Ziel, das sich die Bundesregierung in dem vorliegenden Gesetzentwurf selbst gesetzt hat: „Neben der gesetzlichen Rente soll eine ergänzende, freiwillige Altersvorsorge einen Beitrag dazu leisten, den persönli- chen Lebensstandard im Alter zu sichern.“ Dieses Ziel kann mit dem Gesetzentwurf nicht erreicht werden! Von 100.000 67-Jäh- rigen werden rund 50 Prozent der Frau- en und mehr als 30 Prozent der Männer älter als 85. Aber ab dem 86. Lebensjahr wird die neue staatlich geförderte priva- te Altersvorsorge keinen Beitrag mehr zur INTERVIEW Klaus Stiefermann | aba & PensionsEurope 50 1/2026 | institutional-money.com » Ab dem 86. Lebensjahr wird die neue staatlich geförderte private Alters- vorsorge keinen Beitrag mehr zur Lebensstandardsicherung leisten. Das halte ich für bedenklich. « Klaus Stiefermann, Geschäftsführer aba & Vorstandsvorsit- zender PensionsEurope PENSIONSEUROPE VERTRITT ... über 21 Mitgliedsverbände in 16 EU-Staaten und 3 weiteren europäischen Ländern 65 Millionen Menschen und 2,5 Billionen Euro an Assets Quelle: PensionsEurope € Grafiken: © yurchello108 | Adobe Stock, Icons-Studio | Adobe Stock
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