Institutional Money, Ausgabe 1 | 2026
ER IST DEUTSCHLANDS STIMME in Europa, wenn es um das Thema betriebli- che Altersvorsorge geht. Denn im Novem- ber 2025 trat Klaus Stiefermann den Vor- standsvorsitz von PensionsEuope an. Wir trafen den aba-Geschäftsführer zu diesem Anlass in der Berliner Zentrale. Es wurde eine veritable Tour de Force, bei der sich der Pensionsexperte auch nicht zu schade war, sich zum Foto-Shooting vor die knal- OLJHQ *UDȯWL DXV .UHX]EHUJ ]X VWHOOHQ ł undwarumauch nicht? Manchmal muss es eben auch laut sein, wie Stiefermann selbst sagt. Aber lesen Sie selbst. Herr Stiefermann, Sie haben kürzlich die Rolle des Vorstandsvorsitzenden von PensionsEurope übernommen. Wie werden Sie dieses Amt angehen, wel- che Spielräume haben Sie, und was haben Sie konkret vor? KLAUS STIEFERMANN: (lacht) Das beginnt gleichmit einer schwierigen Frage! Aber imErnst: Die Agenda für die nächsten Monate hat uns die Kommission vorgege- ben. Wir haben kurz vor Weihnachten das sogenannte Pension Package erhalten. Das war alles andere als ein höchst willkom- menes Weihnachtsgeschenk, da wir uns nun mit einer Überarbeitung der IORP-II- Richtlinie befassen müssen und auch ein Relaunch des Pan-European Personal Pen- sion Product (PEPP) vorgesehen ist. Die EU will das kaum genutzte PEPP durch zahl- reiche Erleichterungen attraktiver machen ł VRJDU PLW $UEHLWJHEHUEHLWUÌJHQ DXWRPD WLVFKHU (LQEH]LHKXQJ XQG ijH[LEOHUHQ Regeln. Gleichzeitig drohen den Einrich- tungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) deutlich strengere Anforderungen durch mehr Aufsicht ähnlich Solvency II, zusätzliche Vorgaben für Kapitalanlage und Nachhaltigkeit, strengere Informations- XQG 9HUKDOWHQVSijLFKWHQ VRZLH ZHQLJHU Spielraum beim Proportionalitätsprinzip. Damit entsteht ein Ungleichgewicht mit Entlastung und Förderung für individu- elle Vorsorge (PEPP), aber mehr Regulie- rung und Belastung für kollektive Betriebs- rentensysteme. Auch die Reformder SFDR verschärft den Druck auf Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV), obwohl sie strukturell nicht mit Finanzpro- dukten vergleichbar sind. Dagegenmüssen wir uns wehren und auch mal laut wer- den. Es steht zu viel auf demSpiel für all die Menschen, die auf gute Altersversorgung angewiesen sind. Das Ganze ist zudem in die Savings and Investment Union einge- bettet. Für die EU und ihre Mitgliedsstaa- ten hat es oberste Priorität, einen starken HXURSÌLVFKHQ .DSLWDOPDUNW ]X VFKDȬHQ um europäisches Kapital für Investitionen in Europas Transformationsprozesse zu nut- zen. Institutionelle Investoren wie Pen- sionskassen und Pensionsfonds sind dabei von großer Bedeutung. Sie können enor- me Mengen Geld sehr langfristig investie- ren und daher auch in gewissemMaße Risi- ken tragen. Auch hier müssen wir deutlich machen, dass EbAV natürlich auf gute und starke Finanzmärkte angewiesen sind. Es ist aber nicht ihre primäre Aufgabe, diese Kapitalmärkte zu vertiefen und weiterzu- entwickeln. Nur bei einer Win-win-Situa- tion wird für uns eine Story daraus! Insge- samt ist die große Herausforderung, dass die betriebliche Altersversorgung als aus unserer Sicht wichtigste ergänzende Säule zum jeweils staatlichen System weiterhin gut positioniert wird und dass die beson- deren Qualitäten der betrieblichen Alters- versorgung erhalten bleiben. Welche besonderenQualitäten sind das, die Sie verteidigen möchten? KLAUS STIEFERMANN: Die betriebliche Altersversorgung bietet als kollektives System eine ganzeMenge Vorteile gegenüber indivi- dueller privater Vorsorge. Sie ist angelegt als Sozialleistung imBetrieb, also nicht zu redu- zieren auf ein reines Finanzmarktprodukt. In diesem Zusammenhang können, wenn gewünscht und sozialpolitisch sinnvoll, auch Risikenwie Invalidität oderHinterbliebenen- versorgung integriert werden. Und ganz wichtig: Betriebliche Altersversorgung kann auf attraktive Weise lebenslange Leistungen generieren. Das muss nicht zwingend eine Rente sein, das siehtman inDeutschland am Sozialpartnermodellmit der reinenBeitrags- zusage. Dieses Modell ermöglicht eine Aus- zahlungsmodalität, die lebenslang leistet und JOHLFK]HLWLJ GXUFK 3XȬHUELOGXQJ GLH W\SL - schen Berg-und-Tal-Fahrten der Kapitalanla- ge ausgleichen kann. Darüber hinaus bietet die betriebliche Altersversorgung die Mög- OLFKNHLW EHVRQGHUV Hȯ]LHQW ]X DUEHLWHQ ZHLO man Abschlusskosten reduzieren oder ganz wegfallen lassen kann und je nach Ausge- staltung auch der Vertriebsaufwand entfällt. Das sehen wir ganz deutlich in Ländern, in denen es obligatorische oder quasi obligato- rische Betriebsrentensysteme gibt. Gleichzei- WLJ HUĆȬQHW VLH GLH 0ĆJOLFKNHLW YLHO .DSLWDO DQ]XVDPPHOQXQG GDGXUFK EHVRQGHUV Hȯ]L - ent zu arbeiten. Aus Arbeitgebersicht ist die betriebliche Altersversorgung natürlich ein wichtiges personalwirtschaftliches Instru- ment, um Arbeitnehmer zu gewinnen und ODQJIULVWLJ ]X ELQGHQ ł HLQ$VSHNW GHU DQJH - INTERVIEW Klaus Stiefermann | aba & PensionsEurope 46 1/2026 | institutional-money.com » Auch die Reform der SFDR verschärft den Druck auf EbAV, obwohl sie strukturell nicht mit Finanzprodukten vergleich- bar sind. Dagegen müssen wir uns wehren und auch mal laut werden. « Klaus Stiefermann, Geschäftsführer aba & Vorstands- vorsitzender PensionsEurope
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