Institutional Money, Ausgabe 1 | 2026

Foto: © William Blair Investment Management 218 1/2026 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN Vietnam Nun ist Vietnam zwar imSinne internatio- naler Organisationen wie Weltbank, IWF und OECD ein Schwellenland, wird aber von großen Indexanbietern wie MSCI und FTSE Russell als „FrontierMarket“ geführt, was als eine Entwicklungsstufe darunter gilt. Grund dafür sind vor allempraktische Einschränkungen bei den Kapitalmarkt- standards, die die Investierbarkeit für inter- nationale Investoren reduzieren. Das hat zur Folge, dass passiv anlegende Investment- fonds, die sich in Schwellenländern engagie- ren, vietnamesische Assets nicht imPortfo- lio haben. Mit einer „Heraufstufung“ zum Schwellenland würde sich das schlagartig ändern – und damit potenziell Milliarden an passivem Kapital nach Vietnam lenken. FTSE Russell hat 2025 angekündigt, das Land ab Herbst 2026 als Schwellenland zu führen, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. „Wir erwarten, dass MSCI in wenigen Jahren dasselbe tun wird“, sagt Dominic Scriven, Chairman von Dragon Capital, einem der ältesten auf Vietnam spezialisierten Asset Manager. „Die Ein- stufung als Schwellenland ist sehr wichtig, und wir glauben, dass sie zu einer erhebli- chen Zunahme der Käufe vietnamesischer Assets durch internationale Investoren füh- ren wird.“ Scriven, der seit den 90er-Jahren inVietnam investiert und dessenGeschäfts- modell auf der Attraktivität des Standorts aufbaut, hat naturgemäß ein Interesse an dieser Einschätzung – doch die techni- sche Logik dahinter ist unstrittig: Schwel- lenländerindizes ziehen passives Kapital an, Frontier-Indizes nicht. Der Weg dahin ist laut Scriven klar: „Wir wissen, was die Punkte sind, die angegangen werden müs- sen.“ Einmal gehe es darum, den auslän- dischen Besitz an vietnamesischen Unter- nehmen zu erleichtern, der derzeit auf 30 Prozent bei Banken und 49 Prozent bei anderen Firmen beschränkt ist. Der wich- tigste Punkt ist laut Scriven aber das Fehlen einer CCP (Central Counterparty, Zentrale Gegenpartei), die bei internationalenWert- papiertransaktionen das Clearing garan- tiert, wie sie an entwickelten Börsen Usus ist. Das Fehlen einer CCP bedeutet ein höheres Gegenparteirisiko und allgemein höhere Transaktionskosten für Investoren. „Es gibt eine Roadmap für den Aufbau einer CCP in Vietnam, und wir erwar- ten, dass das 2027 passiert“, so Scriven. Trotz des noch ausstehendenUpgrades zum Schwellenland ist von einigen der größ- ten institutionellen Investoren der Welt ĆȬHQWOLFK EHNDQQW GDVV VLH LQ 9LHWQDP investiert sind, oft über ETFs, darunter der Staatsfonds von Singapur GIC, die Abu Dhabi Investment Authority, der norwe- gische Pensionsfonds GPFG, der kaliforni- sche Pensionsfonds CalPERS sowie diverse amerikanische Stiftungsfonds. Der Markt bietet dafür bereits eine ganze Reihe von Investmentprodukten, die sich auch oder ausschließlich an institutionelle Investo- ren wenden. So haben die amerikanischen Anbieter BlackRock und VanEck sowie die deutsche DWS ETFs mit Vietnam- Fokus oder großem Vietnam-Gewicht im Programm, daneben existieren ETFs und aktive Fonds mit Frontier-Market-Expo- sure, in denen Vietnam eine bedeutende Rolle einnimmt. Investoren haben auch die Option von Private-Equity- oder Infra- strukturfonds, die auf Vietnam als Wachs- tumsmarkt setzen, oder sie können sich an diversen geschlossenen Vehikeln, etwa von Dragon Capital oder VinaCapital, beide ansässig in Vietnam, beteiligen. Der vietnamesische Aktienmarkt hat in den letzten Jahren eine ansehnliche Breite und Tiefe erreicht. Dominic Scriven von Dra- gon Capital rechnet vor, dass die Marktka- pitalisierung 2025 350 Milliarden US-Dol- lar erreicht hat, mehr als sechsmal so viel wie 2014. Im selben Zeitraum wuchs die Zahl der gelisteten Firmen von gut 900 auf mehr als 1.600, die Zahl der Firmen mit einemMarktwert über einer Milliarde US- Dollar versechsfachte sich von neun auf 54. Das ging mit einem neunmal höheren Tagesumsatz von 1,4 Milliarden US-Dollar einher. Der vietnamesische VN Index legte in den zwölf Monaten bis zum 13. Februar rund 43 Prozent zu. An den drei Handels- plätzen, den LeitbörsenHo-Chi-Minh-Stadt und Hanoi sowie UPCoM, dem Markt für noch nicht vollständig regulär gelistete ĆȬHQWOLFKH 8QWHUQHKPHQ ]XVDPPHQ ZHU - den rund 1.700 Firmen gehandelt. Besondere Chancen bieten Bankenwerte, erklärt Fondsmanagerin Vu. „Wir erwar- ten, dass sich vietnamesische Banken gut entwickeln werden, weil sie Unternehmen und Einzelpersonen in einer stark wach- senden Volkswirtschaft Kredit zur Verfü- gung stellen“, erklärt sie. Entsprechend ist ihr Vietnam Equity Fund in dem Sektor mit knapp 38 Prozent des Portfolios über- gewichtet, während Banken in der Bench- mark, demVN Index, einGewicht von gut » Vietnam ist in einer ähn- lichen Position wie China in den 90ern – mit einem sehr starken Exportwachstum und hohen Kapitalzuflüssen. « Ian Smith, William Blair Investment Management Hoher und wachsender Zufluss von Direktinvestitionen Direktinvestitionen nachVietnamnahmen 2019 bis 2024 durchschnittlich um 7 Prozent zu. Die meisten flossen in den Fertigungssektor, gefolgt von Immobilien und Versorgern. Quelle: KPMG, EIU Kumuliertes Beispiele 503 CAGR 2019– 2024 Sonstige 16 % 7,6 % Versorger 8 % 12,1 % Immobilien Gamuda Lotte Keppel Land 15 % 4,6 % Fertigung Intel LG Lego Unilever Foxconn Honda Samsung 61 % 7,6 % Kumuliertes Investitions- volumen laufender Inves- titionsprojekte (Mrd. USD) 6,8 %

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