Institutional Money, Ausgabe 1 | 2026
DER FONDS PICTET – Quest AI-Driven Global Equities verspricht nichts weniger, als klassisches Quant-Investing mit moder- ner KI zu verbinden. Statt auf spektakulä- re Wetten setzt das Team von Pictet Quest, der quantitativen Aktiengruppe von Pictet Asset Management, auf ein schwaches, aber konsistentes KI-Signal, das aus Hunderten von Marktdaten und Verhaltensindikato- ren destilliert wird und die Benchmarkmit möglichst geringem Zusatzrisiko schlagen VROO 'LH 0RGHOOH GDKLQWHU ljOWHUQ ]XQÌFKVW systematisch alle bekannten Stil-, Länder- und Sektorfaktoren heraus und konzen- trieren sich dann auf das, was klassische Quants als bloßes Kursrauschen bezeich- nen, jene „leise Stimme im lauten Markt“, aus der sich nach und nach Alpha auf- baut. ImGespräch erklärt Gabriele Susinno, Senior Client PortfolioManager, warum er KI eher als „Quant 2.0“ versteht. Herr Susinno, wenn Sie auf IhrenWork- shop am Institutional Money Kongress im April 2025 zurückblicken: Welche Elemente Ihres KI-Ansatzes haben sich in der Praxis seitdem bestätigt, und wo hat Sie der Markt überrascht? GABRIELE SUSINNO: Am meisten überrascht hat mich, dass es praktisch keine Überraschungen gab. Unsere zentra- len Annahmen aus dem Workshop, etwa zur Robustheit des Signals und zur Rol- le des vermeintlichen „Rauschens“, haben sich in der Live-Umsetzung weitgehend bestätigt. Unsere Long-Short-Strategie lief ja bereits länger intern, die Long-only-Vari- ante hatte damals noch eine sehr kurze Historie und performt bis heute im Rah- men unserer Erwartungen positiv. Wich- tig ist: Das KI-Signal kommt nie vollkom- men „rein“. Es ist immer von linearen Abhängigkeiten und Rest-Exponierungen gegenüber klassischen Faktoren überla- gert, im Grunde so wie in jeder aktiven Strategie. Diese linearen Komponenten schwanken um null, aber über die Zeit überlagert die Konsistenz des KI-Signals diese Bewegung. Wenn Sie über Jahre ein schwaches, aber positives Signal kontinu- ierlich aufaddieren, entfernen Sie sich von der Benchmark, obwohl Sie formal deren 5LVLNRSURljO QDFKELOGHQ Sie sprechen von KI als „Quant 2.0“. Wo genau bricht Ihr Ansatz mit der klassischen Faktorlogik? Und ist das eine Revolution oder eher eine Evo- lution? GABRIELE SUSINNO: AlsWissenschaft- ler misstraue ich großen Revolutionserzäh- lungen. Meist sind es in Wahrheit kleine Bausteine, die sich zu einem bestehenden Gebäude addieren. In diesemSinn ist KI für mich eine Evolution des quantitativen Inves- tierens. Traditionelle aktive Investoren bau- en konzentrierte Portfolios stark korrelierter Wetten. Die Korrelation sind imPrinzip sie selbst, ihre Kriterien, ihr Blick auf die Welt, der sich in den Positionenmaterialisiert. Mit dem Aufkommen der Quants wurde diese ,QWXLWLRQ V\VWHPDWLVLHUW 0DQ LGHQWLlj]LHUWH erfolgreiche Stockpicker, abstrahierte deren Kriterien in Faktoren und baute breitere, aber immer noch faktorgetriebene Portfo- lios. Das war „Quant 1.0“ mit alternativen Betas und lokal linearem Denken. Mit KI haben wir erkannt, dass in dem, was klassi- sche Quants als idiosynkratisches Kursrau- schen abtun, durchaus Information steckt. Der Bruch mit der klassischen Faktorlogik besteht darin, dass wir diese Faktoren kon- sequent vorab aus denDaten entfernen und dann die scheinbar chaotischen Residuals mit nichtlinearen Verfahren wie sogenann- ten „Gradient Boosted Trees“ analysieren. Wir verschieben den Fokus weg von der Erklärung durch bekannte Faktoren und hin zur systematischen Nutzung dessen, was bisher als unerklärtes Rauschen galt. Dennoch ist das kein radikaler Bruch mit der Ökonomie, eher eine Erweiterung des Instrumentariums. Ihr Ziel ist, die einmonatige spezifi- sche Rendite einzelner Aktien zu pro- gnostizieren. Wie robust ist dieses Sig- nal über verschiedene Marktregime hinweg? Und wo stößt es an Grenzen? GABRIELE SUSINNO: Unser Signal ist so robust, wie ein schwacher Prädiktor sein kann. Aber es bleibt eben ein schwacher Prädiktor. Ich vergleiche die klassische Fak- torprognose mit der Flugbahn eines Pfeils: viele Parameter, eine klar berechenbare Tra- jektorie, aber sehr fokussiert und konzen- WULHUW ., HQWVSULFKW HKHU HLQHU 6FKURWijLQWH DIE PICTET-GRUPPE Verwaltetes oder verwahrtes Vermögen: 813 Milliarden Euro Gesamtkapitalquote: 21,6 Prozent Liquiditätsquote: 191 Prozent Mitarbeitende: über 5.500 Standorte weltweit: 31 INTERVIEW Gabriele Susinno | Pictet Quest 158 1/2026 | institutional-money.com » KI entspricht eher einer Schrotflinte: Die Bahn jedes Schrotkorns ist ungenau, die Trefferwahrscheinlichkeit insgesamt ist aber hoch. « Gabriele Susinno, Senior Client Portfolio Manager Pictet Quest Grafik: © Icons-Studio| Adobe Stock €
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=