Institutional Money, Ausgabe 1 | 2026

Wachstum zu maximieren, ohne in den Ruin zu laufen. Ein Beispiel: Ein Portfolio- manager hat 100 Geldeinheiten, muss aber 90 jederzeit verfügbar halten. Mit den restli- chen zehn kann er eine riskante Wette ein- gehen: Gewinn verdreifacht den Einsatz, Verlust vernichtet ihn. Die klassische Port- foliotheorie würde empfehlen, das gesamte Risikokapital einzusetzen, umdie erwartete arithmetische Rendite zu maximieren. Das .HOO\ .ULWHULXP KLQJHJHQ HPSljHKOW QXU b3UR]HQW GHV 5LVLNRNDSLWDOV ]X VHW]HQ XQG den Einsatz nach jedem Ergebnis anzupas- sen. So bleibt der Manager dauerhaft hand- lungsfähig und maximiert langfristig sein Kapitalwachstum. Das ist besonders relevant für Investoren, die strengen regulatorischen Vorgaben unterliegen. Sie kombinieren diesen Ansatz noch mit einer „konsequent antizyklischen Fixed-Mix-Strategie“. Was hat es damit auf sich? ANDREAS ROTHBARTH: Das Portfolio ZLUG UHJHOPÌĕLJ DXI GLH LQ GHU 6$$ GHlj - nierten Zielgewichte zurückgeführt, bei liquiden Assetklassen wöchentlich, bei weniger liquiden in längeren Intervallen. Das berücksichtigt die unterschiedliche Liquidierbarkeit vonAssetklassen und gene- riert automatisch antizyklisches Verhalten: Überperformer werden zurückgeführt, Unterperformer nachgekauft, ohne dass Prognosen nötig wären. In Verbindung mit explizitenWertuntergrenzen verhindert das, dass ein Investor in Stressphasen zum schlechtesten Zeitpunkt zum Ausstieg gezwungen ist. Für Kunden, die große 9ROXPLQD ODQJH 9HUSijLFKWXQJHQ XQG KDU - te Verlustgrenzen vereinbarenmüssen, war genau diese Kombination überzeugend: ein hart kalibrierter Ruin-Schutz plus eine prognosefreie Steuerung, die sich in die bestehende Governance integrieren lässt. Wie gehen Sie beim Aufsatz eines Overlay-Mandats vor? ANDREAS ROTHBARTH: Wir gehen in PHKUHUHQ 6FKULWWHQ YRU (UVWHQV GHljQLHUHQ wir Ziele und relevante Kennzahlen unter Berücksichtigung historischer Stresspoten- ziale. Zweitens reduzierenwir die Portfolio- komplexität auf eine begrenzte Anzahl von Steuerungsparametern. Drittens legen wir das Instrumenten-Universum fest, zulässige Futures, Termingeschäfte und deren Kos- WHQ 9LHUWHQV GHljQLHUHQ ZLU 7ULJJHU /RJL - ken, die Kennzahlen in eine gelbe oder URWH =RQH GUĞFNHQ SOXV HLQH YRUGHljQLHUWH Reaktionslogikmit Handlungsalternativen. Fünftens regelnwir Governance, Reporting und Audit Trail, der dokumentiert, welcher Trigger welche Maßnahme ausgelöst hat. Welche Bedeutung haben Governance, Reporting und Audit Trail? ANDREAS ROTHBARTH: Das ist eine essenzielle Dokumentation, um gegenüber Gremien, Aufsicht und Prüfern jederzeit belegen zu können, dass eine Entscheidung in einem regelbasierten, nachvollziehbaren 3UR]HVV JHWURȬHQ ZXUGH (V VFKDȬW 7UDQV - parenz und Akzeptanz, intern wie extern. Portfoliomanager können in Gremien prä- zise erklären, warum in einer bestimmten Phase Aktien- oder Zinsrisiken über das Overlay verändert wurden. Gleichzeitig erleichtert es dieWeiterentwicklung: Wenn sich dasMarktumfeld oder die Regulierung verändert, können gezielt einzelne Punkte angepasst werden. Nicht zuletzt vereinheit- licht sich die Risikoperspektive. Statt dass jeder Manager sein eigenes Risikomodell SijHJW JLEW HV HLQH NRQVLVWHQWH 6WHXHUXQJV - instanz für das Gesamtportfolio. Das ist ein unkonventioneller Ansatz. Wie kam es zu seiner Entwicklung? ANDREAS ROTHBARTH: Einer unse- rer Ausgangspunkte war: Ein Overlay, das nur defensiv absichert, wäre langfristig zu teuer. Das bedeutet, ein Overlay muss auch LQQHUKDOE GHU GHljQLHUWHQ 5LVLNRSDUDPH - ter die Möglichkeit haben, sich chancen- orientiert zu positionieren. Es geht am Ende immer darum, gleichzeitig Vorgaben zur Zielperformance und zur Wertunter- grenze einzuhalten. Ein weiterer wichti- ger Punkt ist die mathematisch überlegene Risikobudgetierung des Gesamtportfolios, statt „Risikosilos“ je Assetklasse zu bewirt- schaften. Wir verstehen Overlay eher als adaptives Allrad-Fahrwerk: Es dämpft Stöße auf holpriger Strecke, erlaubt mehr Dynamik bei freier Fahrt und verteilt die Antriebskraft gleichmäßig nicht auf Basis von Prognosen, sondern von gemeinsam GHljQLHUWHQ 5HJHOQ Das erinnert an den „Total Portfolio Approach“ (TPA), den CalPERS und die Abu Dhabi Investment Authority anwenden. Sehen Sie Parallelen? ANDREAS ROTHBARTH: Aus konzep- tioneller Perspektive ist TPA auch aus Sicht unserer Kunden attraktiv. Die Idee, alle Anlageentscheidungen – von der strategi- schen Allokation über taktische Anpassun- gen bis zu Overlay-Entscheidungen – in HLQHP GXUFKJÌQJLJHQ 0RGHOO ]X WUHȬHQ entspricht im Prinzip dem, was sich insti- tutionelle Anleger wünschen. In der Praxis stößt das bei Pensionskassen jedoch an handfeste Grenzen: Sie arbeiten mit sehr unterschiedlichen rechtlichenVehikeln und einem gewachsenen Ökosystem aus inter- nen und externen Managern, IT-Systemen und Gremien, das sich nicht ohneWeiteres in ein homogenes Steuerungsraster pressen lässt. „BantleonRisk2Return“ ist daher eine Art „pragmatischer TPA light“. Unser Sys- tem übernimmt die Basisidee von TPA, setzt sie aber in einer Form um, die zu Struktur, Regulierung und operativenMög- lichkeiten unserer Kunden passt. 152 1/2026 | institutional-money.com INTERVIEW Andreas Rothbarth | Bantleon Foto: © Tim Flavor » Ein Overlay, das nur defensiv absichert, wäre langfristig zu teuer. « Andreas Rothbarth, Bantleon Institutional Investing

RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=