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Wirtschafts-Nobelpreisträger Romer exklusiv: "Mehr Demut täte uns gut"

Auf dem 12. Institutional Money Kongress hielt Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Romer eine Rede, die mild im Ton, aber kämpferisch in der Aussage war: Politiker und Ökonomen sollten sich Ihrer Unzulänglichkeiten bewusst werden und bereit sein, sich von bequemen Halbwahrheiten zu verabschieden.

Paul Romer Nobelpreisträger Institutional Money Kongress
Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Romer während seines Vortrags auf dem 12. Institutional Money Kongress.
© Hemmerich / Institutional Money

Mit dem Besuch von Vorträgen ist das ja so eine Sache. Man kann wegen des Namens hingehen, wegen der behandelten Materie, oder wegen des interessanten Titels. In einer ehrlichen Minute kann man auch zugeben, dass man einen Vortrag vielleicht auch nur besucht, weil man sonst nichts Besseres zu tun hat. Selten – dafür beim Institutional Money Kongress (IMK) in gehäufter Form – hat man hingegen die Gelegenheit, im Rahmen eines hoch informativen Vortrag auch noch einen exklusiven Blick in die Seelenwelt eines wirklich großen Redners zu erhaschen.

Im Rahmen des am 27. Februar in Frankfurt zu Ende gegangen IMK hatte man unter anderem beim Vortrag des frisch gekürten Nobelpreis-Trägers Paul Romer die Möglichkeit, einen derartigen Moment zu erleben. Der US-amerikanische Ökonom, der zwischenzeitlich Chef-Volkswirt der Weltbank war,  ist aufgrund des von ihm entwickelte Konzept der "Charter-Städte" bekannt geworden – ein Entwurf, der ihm letzten Endes und angesichts der seit längerer Zeit bestehende Flüchtlingsproblematik rund um den europäischen Kontinent die prominenteste Auszeichnung in seinem Metier sicherte. Davor musste er sich jedoch teils geharnischte – und nicht selten persönlich-untergriffige – Kritik gefallen lassen.

Charter-Cities
Unter Charter-Cities versteht Romer Sonderzonen, die von reichen Nationen in wirtschaftlich herausfordernden Weltengegenden installiert werden. Diese Sonderzonen, die rund um bestehende urbane Infrastruktur errichtet werden sollen, werden mit Regulatorien – "Charters" – ausgestattet, die denen der Umgebung in ökonomischem Sinn überlegen sein sollen. Das daraus entstehende stärkere Wachstum strahlt in der Folge auf die umliegende Gegend aus und verhilft so über kurz oder lang einer weiter gefassten Region zu mehr Wohlstand und Rechtssicherheit.

"Mir wurde nicht selten gesagt, dies sei die schlechteste Idee zur Entwicklungshilfe, die jemals existiert habe", erinnert sich Romer, der nun aus der sicheren Deckung seines Nobelpreises in die Offensive gehen könnte.

Was er in seinem Vortrag auch tat. Allerdings auf andere Weise, als zu erwarten gewesen wäre.

Von der Gefahr ewiger Wahrheiten
Denn anstatt Spott und Hohn über seine einstigen Kritiker zu schütten, predigt Romer akademische Demut. "Niemand kennt die Zukunft", erklärt der Ökonom. Man könne nur Vermutungen und mögliche Wege in ein besseres Morgen aufzeigen – da liege es aber in der Natur der Sache, dass man sich irre. Diese Irrtümer, die er auch für seine eigene Arbeit rund um die Charter Cities einräumt, seien zu akzeptieren und auf keinen Fall als irregeleitete Dogmen auf Gedeih und Verderb zu verteidigen. Nur so könne man Ideen produktiv weiter entwickeln und schütze sich letzten Endes selbst davor, irrelevant zu werden.

Regelwerk als Ursünde
Das gelte aber nicht nur für akademische Thesen, sondern genauso für wirtschafts- und finanzpolitische Regelwerke. Als ein prominentes Negativ-Beispiel nennt er Bitcoin. "Die Ursünde der Kryptowährung, war, dass man versucht hat ein unveränderliches Regelwerk zu entwerfen." Dieses Ansinnen sei schlicht unmöglich umzusetzen, schlicht weil jedes System zunächst von Menschen entworfen wird und somit per definitionem fehlerbehaftet sein muss. "Genau das ist dann 2013 auch passiert. Es gelang einem User, denselben Bitcoin zwei Mal auszugeben. Das war de facto ein 'Deal Breaker'", erklärt Romer. In der Folge musste das System und das mit ihm einhergehende Regelwerk adaptiert werden, mit dem ursprünglichen Ansinnen eines unveränderlichen Regulatoriums war man also gescheitert.

Too small to work?
Auch aus der Finanzkrise zieht Romer einen einleuchtenden Schluss. Aus seiner Sicht gehe es nicht um das Ausschließen eines "Moral Hazard", oder darum zu verhindern, dass Banken "too big to fail" würden. Faktum sei, dass die Player auf den Märkten "in der überwiegenden Mehrzahl weder vor haben in betrügerische Pleiten zu gehen, oder jemanden in anderer Form zu übervorteilen." Tatsache sei aber auch, dass Fehler immer wieder passieren. "Aufgabe der Regulatoren und Gesetzgeber ist es aber nicht, diese Fehler zu vermeiden. Das ist wohl unmöglich. Aufgabe muss es aber sein, zu verhindern, dass diese Fehler katastrophale Ausmaße annehmen."

Auch die Größe von Instituten stelle nicht die ursächliche Gefahr dar, immerhin sei die Finanzkrise von einer Gruppe kleinerer Banken ausgelöst worden. Die Wirkung der Lehman-Pleite habe man schlicht unterschätzt – also wieder ein Fehler, aus dem man lernen könne. Stattdessen habe man aber unter dem Slogan "Too Big to Fail" einen zumindest angreifbaren Schluss gezogen.

Nobelpreis als Unfehlbarkeits-Falle
Das Akzeptieren von Fehlern setzt jedoch eine gewisse Art von Demut voraus – ein Charakterzug, den Romer nicht nur von Institutionen oder anderen Einzelpersonen, sondern auch für sich selbst einfordert. Gefährlich könnte ihm da, wie er mit unverhohlener Selbstironie erzählt, ausgerechnet der Nobelpreis werden: "Einige Wochen zuvor hatte ich bei einer Fachzeitschrift einen Artikel eingereicht. Ich bekam die Antwort, dass er der Publikation aus diversen Gründen nicht genüge. Nach meinen Korrekturen und dem abermaligen Einsenden des Textes gab man mir zu verstehen, dass ich mir weitere Mühen sparen könne, der Text würde bei der Leserschaft wohl schlicht auf keine Resonanz stoßen. Eine Woche nach dem Nobelpreis bekam ich dann einen Brief, wonach der Artikel doch ganz wunderbar sei und hervorragend ins Konzept passte. An dieser Stelle wurde mir klar: Mit dem Nobelpreis kommt mir möglicherweise das äußere Korrektiv abhanden – ab jetzt muss ich aufpassen." (hw)

 

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