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Warren Buffett: Das steht im ersten Aktionärsbrief seines Nachfolgers

Greg Abel setzt auf Kontinuität bei Berkshire Hathaway. Der neue CEO würdigt Warren Buffett, bekennt sich zu Kapitaldisziplin und Langfriststrategie – und präsentiert zugleich aktuelle Geschäftszahlen mit deutlichen Ergebnisrückgängen.

Greg Abel, Berkshire Hathaway: "Warren ist offensichtlich eine sehr schwer zu ersetzende Persönlichkeit."
Greg Abel, Berkshire Hathaway: "Warren ist offensichtlich eine sehr schwer zu ersetzende Persönlichkeit."© David Paul Morris / Bloomberg

Eckpunkte:

  • Der erste Aktionärsbrief von Greg Abel würdigt die Leistungen von Warren Buffett
  • Der Brief lieferte des Weiteren eine sachliche Übersicht über die Geschäftsentwicklung

Der CEO von Berkshire Hathaway, Greg Abel, hat zugesichert, die Leitprinzipien von Warren Buffett unverändert fortzuführen. Zugleich bemühte er sich, Investoren zu versichern, dass das Unternehmen auch ohne den legendären Manager Bestand haben werde.

Abel eröffnete seinen ersten Aktionärsbrief, der am Samstag (28.2.) im Rahmen des Geschäftsberichts veröffentlicht wurde, mit einer Würdigung Buffetts, des Milliardärs, der das Unternehmen mehr als sechs Jahrzehnte lang geführt und dabei auf werthaltige Investments und einen langfristigen Ansatz gesetzt hatte. "Warren ist offensichtlich eine sehr schwer zu ersetzende Persönlichkeit", schrieb der 63-jährige Abel.

Kernwerte bleiben unverändert
Er bezeichnete Buffett als "wohl den größten Investor aller Zeiten", betonte jedoch, sein Mentor habe mit dem Aufbau von Berkshire zu einem dauerhaft erfolgreichen Unternehmen – gemeinsam mit seinem langjährigen Geschäftspartner Charlie Munger – eine ebenso beeindruckende Leistung vollbracht. Die Kernwerte des Konzerns – Kapitaldisziplin, Integrität und langfristiges Investieren – blieben unverändert, versprach der CEO.

"In 20 Jahren, wenn ich nur einen Bruchteil der Amtszeit von Warren erreicht haben werde, ist es meine Absicht, dass Sie – oder Ihre Nachkommen – stolz darauf sein werden, dass Ihr Unternehmen noch stärker ist", schrieb Abel.

Aktienrückkäufe statt Dividende
Abel bekräftigte die Politik zur Aktionärsrendite. Berkshire werde eigene Aktien zurückkaufen, wenn er nach Rücksprache mit Buffett der Ansicht sei, dass sie unter ihrem inneren Wert gehandelt würden.

Zugleich werde das Unternehmen weiterhin keine Dividende zahlen, solange "mit jedem einbehaltenen Dollar mit hinreichender Wahrscheinlichkeit mehr als ein Dollar an Marktwert für die Aktionäre geschaffen werden kann". Von Investitionen werde sich Berkshire nicht zurückziehen.

"Qualität statt Quantität"
Der Brief war ansonsten eine sachliche Übersicht über die Geschäftsentwicklung. Abel versuchte dabei, eine eigene Handschrift zu entwickeln und zugleich der Unternehmenskultur treu zu bleiben. "Abel versucht, den Personenkult zu überwinden, der Investmentfirmen oft daran hindert, einen Führungswechsel zu überstehen", sagte Christopher Davis von Hudson Value Partners.

Abel kündigte zudem an, die Kommunikation mit Investoren nicht grundlegend zu verändern. Berkshire, das einzige börsennotierte Unternehmen seiner Größe ohne eigene Investor-Relations-Abteilung, veranstaltet neben der Hauptversammlung keine weiteren investorenorientierten Events.

"Wir konzentrieren uns auf Qualität, nicht auf Quantität", schrieb Abel. "Wenn ein bedeutendes Thema aufkommt, werden Sie von mir hören, aber nicht in Form von Quartalskommentaren, angesichts unseres langfristigen Horizonts."

Ende einer Ära
Für Buffett-Anhänger markiert Abels erster Aktionärsbrief das Ende einer Ära. Die pointierten Weisheiten und Lebensratschläge des Milliardärs machten die Schreiben zu einer viel beachteten Lektüre.

"Es ist in gewisser Weise das, was ich erwartet habe: eine angemessene Würdigung von Warren Buffett als Person, aber zugleich die Betonung, dass die Organisation Berkshire Hathaway, ihre Werte, ihre operativen Grundsätze und ihre Denkweise fortbestehen werden", sagte Cathy Seifert, Analystin bei CFRA Research.

Obwohl der Brief überwiegend Kontinuität signalisiert, enthielt er mindestens eine Neuerung: Bei der kommenden Hauptversammlung im Mai werden mit Katie Farmer von BNSF und Adam Johnson von Netjets weitere Führungskräfte aus dem Berkshire-Konzern auftreten. Investoren und Analysten hatten seit Langem mehr Transparenz über die zweite Führungsebene gefordert.

Deutlicher Gewinnrückgang im Schlussquartal
In einer separaten Mitteilung veröffentlichte das Unternehmen am Samstag seine Zahlen für das vierte Quartal. Der operative Gewinn sank im letzten Quartal unter Buffett als CEO um nahezu 30 Prozent, da der Gewinn aus dem Versicherungsgeschäft im Underwriting um mehr als 54 Prozent einbrach. Berkshire verwies auf mögliche Herausforderungen im Versicherungsgeschäft infolge intensiven Wettbewerbs und steigender Schadenfälle.

Zudem verbuchte Berkshire im Quartal eine Wertminderung in Höhe von 4,5 Milliarden US-Dollar. Im vergangenen Jahr wurden Belastungen von 8,3 Milliarden US-Dollar im Zusammenhang mit Beteiligungen an Kraft Heinz und Occidental Petroleum ausgewiesen. "Unsere Investition in Kraft Heinz war enttäuschend", schrieb Abel. "Selbst unter Berücksichtigung der Vorzugsaktienkomponente unserer ursprünglichen Heinz-Investition war unsere Rendite deutlich unzureichend."

Hoher Kassenbestand, sinkende Zinserträge
Der Kassenbestand von Berkshire belief sich auf 373,3 Milliarden US-Dollar nach 381,7 Milliarden Dollar im Vorquartal. Niedrigere Zinsen belasteten die Erträge aus den liquiden Mitteln – Zins- und sonstige Investmenterträge aus dem Versicherungsgeschäft gingen im Jahresvergleich um 11,9 Prozent zurück. Im Berichtszeitraum war Berkshire Nettoverkäufer von Aktien und trennte sich von Papieren im Wert von 3,2 Milliarden Dollar.

Der jährliche Vorsteuergewinn aus dem Versicherungsgeschäft sank 2025 um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Geico, der wichtigste Ergebnisbeitrag im Versicherungsgeschäft, verzeichnete einen Rückgang des Vorsteuergewinns aus dem Versicherungsgeschäft um rund 13 Prozent auf 6,8 Milliarden Dollar, unter anderem aufgrund höherer Werbeausgaben zur Neukundengewinnung.

Der operative Gewinn der Eisenbahntochter BNSF stieg im vierten Quartal um 5,4 Prozent auf 1,3 Milliarden US-Dollar. Dagegen verzeichnete das Energiegeschäft mit Pacificorp, Midamerican und NV Energy einen Rückgang des operativen Gewinns um 5,2 Prozent auf 691 Millionen US-Dollar.

Berkshire verzichtete das sechste Quartal in Folge auf Aktienrückkäufe, selbst nachdem die Aktie um 6,5 Prozent gefallen war, nachdem Buffett im Mai angekündigt hatte, zum Jahresende 2025 als CEO zurückzutreten. (mb/Bloomberg)

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