VZB-Verlust rückt Engel & Völkers-Lizenzmodell ins Rampenlicht
Die Verluste des Versorgungswerks der Zahnärztekammer Berlin (VZB) lenken die Aufmerksamkeit vieler Marktakteure auf die Marke des Immobilienmaklers Engel & Völkers. Denn dieser hatte Lizenzen an Firmen vergeben, die weniger Fortune als das "Original" gehabt haben.

Eckpunkte:
- Der gute Ruf von Engel & Völkers sorgt bei Asset Owner für Vertrauen
- In Folge wurden bei Unternehmen, die nur über eine Engel & Völkers-Lizenzierung hatten, hohe Investments getätigt
- Einige dieser Investments gingen schief
Über ein knappes halbes Jahrhundert baute Engel & Völkers an seinem Ruf eines bekannten deutschen Immobilienmaklers für hochwertige Objekte und setzte auf “Kompetenz, Exklusivität und Leidenschaft” als Kernwerte. Tausende Zahnärzte in Berlin, Brandenburg und Bremen haben laut "Bloomberg News" schmerzlich erfahren, dass die Marke weniger exklusiv war, als es den Anschein hatte.
Das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) hat - wie Bloomberg in ihrem Bericht erinnert - mindestens 1,1 Milliarden Euro verloren, die Hälfte seines Vermögens von 2,2 Milliarden Euro. Als Anwälte und Wirtschaftsprüfer im Auftrag des VZB Unterlagen sichteten, um festzustellen, wie es dazu kommen konnte, stießen sie laut Bloomberg auf Namen wie Engel & Völkers Asset Management, Engel & Völkers Capital oder Engel & Völkers Digital Invest als Geschäftspartner in vielen Investments. Laut einem Schriftsatz, den das Versorgungswerk beim Kammergericht in Berlin eingereicht hat, stehen mehrere hundert Millionen Euro an Verlusten im Zusammenhang mit Firmen, die den Namen Engel & Völkers tragen, merkt Bloomberg an.
Lediglich Lizenznehmer
Diese Unternehmen sind rechtlich vom Hamburger Makler getrennt und haben lediglich die Lizenzen für die Marke erworben. VZB hat Engel & Völkers kein Fehlverhalten vorgeworfen. Dennoch könnte der traditionsreiche Name dazu beigetragen haben, dass Geld in fragwürdige Geschäfte investiert wurde, sagte Thomas Schieritz, der neue Vorsitzende des Verwaltungsausschusses des VZB, wie Bloomberg anmerkt.
“Der Name Engel & Völkers vermittelte dabei eine Nähe zu einem renommierten Immobilienmakler, die tatsächlich nicht oder nur in untergeordneter Weise bestand”, so Schieritz.
Niedrigzinsphase zwang Institutionelle zum Eingehen höherer Risiken
Der Skandal hat die ansonsten ruhige Welt der deutschen Versorgungswerke erschüttert und den Blick auf deren Governance gelenkt. Viele Versorgungswerke waren in den Niedrigzinsphasen von sicheren, aber niedrig verzinsten Anlagen abgerückt. Das VZB hat erklärt, der Milliardenschaden sei entstanden, nachdem ein Großteil des Anlagevermögens in nicht börsennotierte Unternehmen, Immobilieninvestitionen und Darlehen geflossen war.
Engel & Völkers reagierte professionell
Ein Sprecher von Engel & Völkers sagte, das Unternehmen lizensiere seit 2021 seinen Namen nicht mehr an nicht zum Kerngeschäft gehörende Unternehmen. Im selben Jahr übernahm die Beteiligungsgesellschaft Permira die Mehrheit an dem Makler.
“Vor dem Hintergrund von Reputationsüberlegungen hat Engel & Völkers 2021 die Lizenzierung seines Namens an nicht zum Kerngeschäft gehörende Unternehmen eingestellt und seither seine Governance rund um die Markennutzung weiter verschärft”, sagte der Sprecher. “Verbleibende Lizenzen werden kontinuierlich gemeinsam mit den jeweiligen Lizenznehmern überprüft. Die Lizenzierung der Marke war stets ein sehr kleiner Teil des Geschäfts und machte weniger als ein Tausendstel der jährlichen Provisionseinnahmen des Unternehmens aus.”
Geblendet?
Das VZB investierte direkt in einige Unternehmen, die unter einer Engel & Völkers-Marke auftraten, oder in Firmen, die von ihnen verwaltet oder entwickelt wurden, heißt es in dem Schriftsatz, der Ende Dezember eingereicht wurde.
“Mehrere Untersuchungen brachten ans Licht, dass das VZB durch eine Reihe klar rechtswidriger und auch im Übrigen nicht nachvollziehbarer, weil wirtschaftlich unsinniger, obendrein intransparenter und hochriskanter Investitionsentscheidungen massive Verluste erlitt,” heißt es in der Antragsschrift. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass das VZB “massiv in Unternehmen investierte, die über kein Investment-Grade-Rating verfügten, Nachrangdarlehen in Millionenhöhe vergab, zumeist auf Sicherheiten verzichtete und das Risiko der Ausleihungen nicht prüfte.”
Das Dokument ist laut Bloomberg Teil eines Verfahrens, mit dem das VZB gegen ehemalige gewählte Gremienvertreter, gegen seinen früheren Abschlussprüfer Forvis Mazars, die Apobank sowie das Land Berlin vorgehen will.
Laufende Verfahren
Der Berliner Senat und Forvis Mazars lehnten es laut Bloomberg ab, sich zur Sache zu äußern, weil ein Rechtsstreit anhängig sei. Die Apobank, die als Berater des VZB in Anspruch genommen werden soll, wies Vorwürfe zurück, für Verluste von VZB verantwortlich zu sein, wollte sich darüber hinaus aber nicht äußern.
Der frühere VZB-Geschäftsführer, Ralf Wohltmann, und der ehemalige Vorsitzende des VZB-Verwaltungsausschusses, Ingo Rellermeier, spielten laut dem VZB eine zentrale Rolle bei der Investititonsstrategie. Wohltmann wurde im vergangenen Jahr entlassen, merkt Bloomberg an.
Ein Anwalt von Rellermeier erklärte, sein Mandant weise die Vorwürfe zurück. Wohltmanns Anwalt lehnte es ab, sich zu äußern, da noch ein arbeitsrechtliches Verfahren zwischen seinem Mandanten und dem VZB anhängig sei.
Fehlinvestments
Laut dem Schriftsatz verlor das VZB etwa 31 Millionen Euro beim Crowdfinance-Immobilieninvestor Engel & Völkers Digital Invest (EVDI) und einer damit verbundenen Firma, die im vergangenen Jahr Insolvenz anmeldete. VZB beteiligte sich an der EVDI und dessen Immobilienprojekten und verlieh dafür auch Geld. Doch das Unternehmen konnte steigenden Zinsen und Baukosten nicht standhalten. Mehrere Luxuswohn- und Büroprojekte sind inzwischen pleite.
Die Anwälte des VZB nennen in dem Gerichtsdokument auch die Investition in die Engel & Völkers Capital AG (EVC), einen Immobilien-Investmentmanager in Hamburg, den das VZB 2017 erwarb. Das Versorgungswerk wirft laut Bloomberg dem früheren Mehrheitsaktionär und dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden vor, sich auf Kosten des VZB bereichert zu haben, indem sie mittels einer Reihe von Transaktionen Millionenbeträge abzogen, bevor sie EVC-Anteile zu einem überhöhten Preis an VZB zurückverkauften.
Vertreter von Engel & Völkers Capital reagierten nicht auf eine Anfrage. Anwälte der von VZB beschuldigten Personen lehnten es ab, sich zu äußern, oder wiesen die Vorwürfe zurück, merkt Bloomberg an.
VZB schrieb zudem 152 Millionen Euro auf verschiedene Vermögenswerte ab, darunter drei Hotelentwicklungsprojekte im Mittelmeerraum und in Schottland. Diese Geschäfte wurden zunächst mit einem anderen Investor abgeschlossen, später jedoch in einen von Engel & Völkers Asset Management verwalteten Fonds übertragen, woraufhin VZB sein Engagement in den problematischen Projekten erhöhte.
Schließlich schrieben die Buchhalter 72 Millionen Euro auf eine VZB-Tochter ab, deren größtes Investment bei Engel & Völkers LiquidHome lag, einem Unternehmen, das Anteile an einzelnen Wohnimmobilien erwarb, aber den bisherigen Eigentümern erlaubte, dort weiter zu wohnen. Das Unternehmen stellte dieses Geschäft ein, nachdem eine deutsche Verbraucherzentrale Klage gegen diese Praxis eingereicht hatte.
Engel & Völkers Digital Invest ist insolvent. Engel & Völkers LiquidHome sowie Engel & Völkers Asset Management - inzwischen nach einer Fusion in Magna Asset Management umbenannt - reagierten nicht auf Anfragen, merkt Bloomberg abschließend an. (aa)




