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Versorgungswerk-Chef kritisiert nach Milliardenverlust Ratings

Der Vorsitzende des Verwaltungsausschusses des Versorgungswerks der Zahnärztekammer Berlin (VZB) sieht statistische Auffälligkeiten bei vielen Ratings im Bereich der Private Markets. Das scheint eine Entwicklung zu sein, die Investoren genauer im Auge behalten sollten.

© Atelier W. / stock.adobe.com

Das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB), das wegen hoher Verluste bei Private-Markets-Investments in die Schlagzeilen geraten ist, hat die Integrität der verwendeten Ratings infrage gestellt. Die Äußerungen befeuern Warnungen vor Bewertungsrisiken in dieser florierenden Anlageklasse. Das ist einem Bloomberg-Bericht zu entnehmen.

“ebenso auffällig wie statistisch völlig unwahrscheinlich”
“Fast alle” der 739 Millionen Euro an Krediten, die das VZB zu Ende vergangenen Jahres in den Büchern hatte, verfügten über ein “BBB-”-Rating, erklärte Thomas Schieritz, Vorsitzender des Verwaltungsausschusses des VZB, gegenüber Bloomberg. Er bezeichnete die massive Konzentration von Kreditratings in einer einzigen Risikokategorie als “ebenso auffällig wie statistisch völlig unwahrscheinlich”. Schieritz hatte sein Amt in diesem Jahr übernommen.

Ein “BBB-”Rating kennzeichnet in der Regel eine Kreditwürdigkeit, die nur knapp über Ramsch-Niveau liegt. Viele institutionelle Anleger meiden Kredite mit einem Rating unterhalb von “BBB-”.

Die Zuverlässigkeit von Kreditratings im Markt für Private-Markets-Investment - also Anlagen, die nicht an Börsen gehandelt werden - gerät zunehmend in die Kritik. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hatte etwa davor gewarnt, dass institutionelle Anleger Ratingentscheidungen auch von kleineren Anbietern einholen könnten, was die Wahrscheinlichkeit überhöhter Bewertungen steigere.

Das VZB hatte unlängst einen geschätzten Anlageverlust von rund 1,1 Milliarden Euro – etwa der Hälfte seines Gesamtvermögens – offenbart. Verantwortlich dafür waren unter anderem Investitionen in Hotels und Startups ("Institutional Money" berichtete).

Der Fall des VZB ist das bisher wohl deutlichste Beispiel für eine schleichende Krise, von der viele deutsche Pensionskassen erfasst worden sind. Diese hatten in intransparente und riskante Marktsegmente investiert, um die durch jahrelange Niedrigzinsen geschmälerten Renditen zu stützen. Einige dieser Strategien führten seit dem Anstieg der Zinsen zu größeren Verlusten.

ApoBanker erstellte Risikoanalysen
Schieritz zufolge hat, wie Bloomberg des Weiteren berichtet, die ApoBank in der Vergangenheit Risikoanalysen für das VZB erstellt. Ein Sprecher des genossenschaftlichen Instituts erklärte: “Eine etwaige Mitschuld an den in der Öffentlichkeit kolportierten Verlusten des VZB weisen wir klar von uns.”

In ihrem Halbjahresfinanzbericht schreibt die ApoBank, dass zu ihren Kundengruppen unter anderem die berufsständischen Versorgungswerke der Heilberufe und Pensionskassen zählen. “Unser Angebot umfasst auch vermögensverwaltende Leistungen und Bonitätsanalysen für Rentendirektbestände institutioneller Anleger”, heißt es dort. (aa)

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