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Update Wirecard: Das Desaster wird für manche Fondsmanager zum Problem

Der verheerende Kurskollaps des bilanziell unter Druck stehenden Zahlungsdienstleisters Wirecard hält die Fondsbranche auch am Tag danach in Atem. Manch ein aktiver Manager hat bereits die Reißleine gezogen.

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© taa22 / stock.adobe.com

Das Drama um den Payment-Spezialisten Wirecard geht auch in der heutigen Börsensitzung weiter. Nachdem gestern (18. Juni) die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY mitteilte, dass über die Existenz von Wirecard-Guthaben auf Treuhandkonten in Höhe von 1,9 Milliarden Euro – das entspricht rund einem Viertel der Bilanzsumme – keine ausreichenden Prüfnachweise vorliegen, war die Aktie des einst gefeierten Dax-Unternehmens im Donnerstagshandel bereits um rund 70 Prozent abgestürzt. Gegen 10 Uhr am Freitag hatte das Papier noch einmal rund die Hälfte seines Kurswerts verloren und notierte kurz vor Mittag bei nur noch 22 Euro.

Der in seiner Dimension für ein Dax-Mitglied nahezu beispiellose Absturz (nur der Anteilschein der Hypo Real Estate war zu Beginn der Finanzkrise im Spätsommer 2008 noch stärker eingeknickt) bringt nicht nur ETFs und Indexfonds, sondern auch manchen aktiven Fondsmanager, der auf Wirecard gesetzt hat, erheblich ins Schwitzen.

Zu den größten Anteilseignern gehört beispielsweise Nicolas Walewski, der zuletzt mit knapp zehn Prozent des von ihm gemanagten Alken European Opportunities in Wirecard investiert war. Am meisten über die Kursentwicklung geärgert haben dürften sich aber die Strategen der Goldman Sachs-Gruppe, die laut offiziellen Angaben zur Aktionärsstruktur von Wirecard noch rund 16 Prozent der Stimmrechtsanteile halten. Auch andere Finanzriesen wie Morgan Stanley, Société Générale und Blackrock sind demnach mit Anteilen von jeweils mehr als fünf Prozent nach wie vor engagiert. Bei den beiden letzteren hängt das unter anderem damit zusammen, dass entsprechende Indexfonds – beispielsweise solche der Blackrock-Tochter iShares – gar nicht anders können, als ihre Anteile zu halten. Um den deutschen Leitindex Dax nachzubilden, müssen sie eben auch Wirecard-Aktien im Portfolio haben.

"Wir sind fassungslos" 
Groß ist die Aufregung auch bei aktiven Fondsmanagern hierzulande. "Wir sind fassungslos", erklärte zum Beispiel Ingo Speich, Leiter des Bereichs für gute Unternehmensführung bei der Deka, gegenüber der "Süddeutschen Zeitung“. Auch in der aktuellen Situation habe sich wieder gezeigt, dass den Ankündigungen von Wirecard keine Taten folgen. Ein personeller Neuanfang sei nun dringender denn je, so Speich, der bereits im Mai den Rücktritt von Vorstandschef Markus Braun gefordert hatte.

Andere treten die Flucht nach vorne an. Union Investment zum Beispiel hat nach Angaben des "Handelsblatts“ seine Wirecard-Anteile mittlerweile abgestoßen. Das Unternehmen hatte erst im Februar seine Stimmrechtsanteile ausgebaut. Zuletzt hatte der Fondsanbieter aus Frankfurt seine Position aber schon wieder verkleinert und hielt insgesamt nur noch gut drei Prozent an dem Zahlungsdienstleister.

Rechtliche Schritte werden geprüft
Auch die DWS war um "Schadensbegrenzung" gegenüber ihren Anlegern bemüht. Noch Ende vergangenen Jahres hatte das Haus seine Wirecard-Gewichtung in hauseigenen Portfolios wie dem DWS Investa sowie dem DWS Aktienstrategie Deutschland deutlich erhört und sogar die meldepflichtige Beteiligungsschwelle von fünf Prozent an dem Zahlungsdienstleister überschritten.

Doch jetzt bekamen auch die DWS-Manager offenbar kalte Füße und ließen in einer offiziellen Mitteilung wissen, dass man über die letzten Monate die treuhänderisch gehaltene Position in Wirecard-Aktien sukzessive reduziert habe. "Per Marktschluss 17. Juni 2020 hatte die DWS ihre Position bereits um circa 60 Prozent reduziert", heißt es darin. Aktuell halte man keine materiellen Positionen in aktiv gemanagten Fonds mehr. Die DWS wie im Übrigen auch Union Investment hatten zudem bereits am Donnerstabend angekündigt, man wolle die Einleitung rechtlicher Schritte gegen die Wirecard AG prüfen. (hh)

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