Übernimmt die Commerzbank die HVB?
Schluckt die Commerzbank die HVB, bevor sie selbst in der Unicredit aufgeht? Zumindest diskutiert wird ein solches Szenario, wie aus Äußerungen der Commerzbank-Chefin auf einer Finanzkonferenz hervorgeht.
Eckpunkte:
- Über einen Aktientausch könnte die Commerzbank die Mutter der HVB werden
- Es bestehen aber auch andere Optionen, wie die Commerzbank im Unicredit-Konzern organisatorisch aufgehängt werden könnte
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat im Zuge des möglichen Zusammenschlusses mit der Mailänder Unicredit die Idee ins Spiel gebracht, deren Münchener Tochtergesellschaft HVB zu übernehmen. Abgewickelt werden könnte diese Transaktion über einen Aktientausch: Die Unicredit würde die HVB an die Commerzbank weiterreichen – und würde im Gegenzug ihren Anteil an der Frankfurter Großbank erhöhen.
Orlopp nannte diese Möglichkeit am Donnerstag (24.9.) auf einer von der Bank of America veranstalteten Konferenz als eine von "drei grundlegenden Optionen" dafür, wie die Unicredit ihr Deutschlandgeschäft, das aktuell aus der HVB besteht und künftig auch die Commerzbank umfassen soll, in einer Einheit bündeln könnte.
Eine andere Option sei eine "einfache Fusion" der beiden Institute, eine weitere "ein Angebot an die verbleibenden Aktionäre" – in diesem Fall müsste die Unicredit wohl eine Prämie bieten und sich so zusätzliche Commerzbank-Aktien sichern, um dort durchregieren zu können.
75-Prozent-Mehrheit nötig
Denn: Der Commerzbank zufolge kann die Unicredit die Frankfurter Bank nur dann mit ihrem in der HVB gebündelten Deutschlandgeschäft zusammenführen, wenn Investoren mit insgesamt drei Vierteln der Stimmrechte einen solchen Vorschlag unterstützen. Aktuell hat die Unicredit Zugriff auf knapp 50 Prozent der Commerzbank-Aktien. "Man braucht auf einer Hauptversammlung eine Mehrheit von 75 Prozent", um eine solche Transaktion umzusetzen, die auch die HVB einbeziehen würde, sagte Orlopp.
"Daher sind die Gespräche zwischen Unicredit und der Regierung als zweitgrößtem Aktionär ziemlich wichtig, damit das zustande kommt", betonte Orlopp. Berlin hält rund 13 Prozent an der Bank. Orcel hat in diesem Monat mit Bundesfinanzminister Lars Klingbeil über die Zukunft der Bank gesprochen. Beide Seiten bezeichneten die Gespräche anschließend als konstruktiv.
Eigenständige Strategie bleibt bestehen
Solange die Commerzbank ein eigenständiges Unternehmen bleibe – selbst wenn sie von der Unicredit kontrolliert würde –, würde sie sich laut Orlopp in der ersten Phase der Übernahme befinden. In dieser Zeit werde sie weiterhin eine eigenständige Strategie verfolgen.
Auf diese Strategie angesprochen, sagte Orlopp, die Commerzbank habe am Vortag ihre jährliche Strategiesitzung mit dem Aufsichtsrat abgehalten. "Das Gute ist, dass wir uns mit den Zielen, die wir im Mai festgelegt haben, sehr wohlfühlen", sagte sie. (mb/bm/Bloomberg)


