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Studie: Nach Virus fordert die Rezession Leben

Der Wirtschaftseinbruch infolge der Corona-Maßnahmen dürfte die Bevölkerung teuer zu stehen kommen, sagt der Ökonom Bernd Raffelhüschen. Er hat ausgerechnet, dass Lockdown und Co. wohl deutlich mehr Lebensjahre kosten, als sie gerettet haben.

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© Reikara / stock.adobe.com

Covid-19 hat bereits Tausende Menschen das Leben gekostet. Allein die USA verzeichnen inzwischen mehr als 100.000 Tote durch die grassierende Pandemie. Die indirekten Verluste an Menschenleben durch die wirtschaftlichen Folgen der Viruswelle könnten noch obendrauf kommen, befürchten Wissenschaftler. Bernd Raffelhüschen, Finanzwissenschaftler an der Universität Freiburg, hat die Auswirkungen der Corona-Rezession auf die Lebenserwartung der Bevölkerung in Deutschland untersucht – und ist zu einem dramatischen Ergebnis gekommen: "Unterm Strich kostet der Wachstumseinbruch deutlich mehr Lebensjahre, als wir bewahren konnten", sagt er laut einem Bericht der Zeitung "Die Welt".

Eine Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um ein Prozent verändere die Lebenserwartung um 0,89 Monate, also fast um einen ganzen Monat, erklärt der Leiter des Forschungszentrums Generationenverträge. Das zeige die langfristige BIP-Entwicklung in Deutschland: Seit den 1950er Jahren ist die Lebenserwartung parallel zur Wirtschaftskraft der Bundesrepublik gestiegen. Als Grund für diese Korrelation nennt Raffelhüschen, dass ein BIP-Anstieg stets mit technischem und medizinischem Fortschritt einhergeht. Umgekehrt bremst der jüngste Konjunkturrückgang seiner Einschätzung nach den Fortschritt in der Bekämpfung von Volkskrankheiten wie Krebs oder Herzinfarkt.

Fünf Monate Lebenszeit verloren
Die Bundesregierung rechnet damit, dass die Wirtschaft in Deutschland im laufenden Jahr um 6,3 Prozent einbricht. "Damit ist ein Verlust von mehreren Millionen Lebensjahren zu befürchten", sagt Raffelhüschen. Seinen Berechnungen zufolge entgehen den Bundesbürgern durch die Coronakrise zusammengenommen mehr als 37 Millionen Lebensjahre. Das entspricht im Schnitt fünf Monaten verlorener Lebenszeit pro Bürger.

Der Ökonom hält die Maßnahmen, mit denen die Regierung die Pandemie in Deutschland eingedämmt hat, daher konsequenterweise auch für unverhältnismäßig. Durch Lockdown und Kontaktverbote seien zirka 60.000 Todesfälle verhindert worden, sagt er. Unter Berücksichtigung des Durchschnittsalters der Verstorbenen seien umgerechnet maximal 557.000 Lebensjahre gewonnen worden – weit weniger, als durch die tiefe Rezession verlorengehen könnten. (fp)

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