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Stromhändler-Telefonkonferenz lässt die Alarmglocken schrillen

Ein Austausch unter Stromhändlern und anderen Experten sollte vorausschauende Investoren nachdenklich machen.

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© assja_sav / stock.adobe.com

Auch wenn die Telefonkonferenz "nur" unter britischen Stromhändlern stattfand, sollten heimische Profianleger mit einem Auge über den Ärmelkanal schauen. Denn viele Fehlentwicklungen am Energiemarkt ereignen sich zuerst am britischen Markt oder werden dort zuerst publik, bevor diese auch in Deutschland eintreten bzw.  bekannt werden.

So gibt eine wöchentliche Telefonkonferenz britischer Stromnetzexperten tiefe Einblick in die Schwierigkeiten, mit denen die Branche angesichts des russischen Einmarschs in der Ukraine und der Energiekrise in Europa zu kämpfen hat. “Ihnen zuzuhören wird von Woche zu Woche beängstigender - und lässt vermuten, dass es in diesem Winter viel schwieriger sein wird, die Stromversorgung aufrechtzuerhalten, als die europäischen Regierungen zugeben”, schreibt der bekannte Bloomberg-Kolumnist Javier Blas.

Er verweist darauf, dass Großbritanniens Haushalten vergangenen Freitag mitgeteilt wurde, dass ihre Strom- und Gasrechnungen ab 1. Oktober um 80 Prozent steigen werden. Die Telefonkonferenz der Branchenexperten deute jedoch darauf hin, dass das Problem umfassender ist als nur die steigenden Kosten.

Hohe Kosten sind das geringste Problem, es drohen Engpässe
Zunehmend fielen Worte wie “Notfall” und “Engpass”, wobei sich die Teilnehmer auf die Frage konzentrierten, wann eine Krise eintritt - und nicht ob. “Stellen Sie sich vor, Sie hätten die Gespräche zwischen den Führungskräften der Wall Street und der Federal Reserve belauschen können, als sich die globale Finanzkrise 2008 manifestierte”, schreibt Blas.

In der Telefondebatte vergangene Woche sei beispielsweise die Frage gestellt worden: “Spielen Sie mögliche Optionen für den Fall durch, dass der grenzüberschreitende Handel in diesem Winter unter dem Druck der Versorgungssicherheit zusammenbricht?” Oder auch: “Können wir eine Sitzung abhalten, in der wir die Notfallvorkehrungen durchsprechen?”

Ein anderer Teilnehmer habe angemerkt, das Verhältnis von Angebot und Nachfrage zeige, “wie schlimm der Winter für jeden werden kann, der rechnen kann”. Derselbe Anrufer habe sich unverblümt über die Vorhersagen des Netzbetreibers selbst geäußert: “Ich glaube nicht, dass Sie glauben, was Sie geschrieben haben. Niemand sonst tut das.”

Blas verweist darauf, dass die britischen Stromterminpreise für Dezember 2022 der Marke von 1000 Pfund (1180 Euro) je Megawattstunde entgegengehen - was vom derzeitigen Niveau eine Verdoppelung wäre. Damit drohten Stromausfälle. Indessen beharre die Regierung in London darauf, dass sich die Briten keine Sorgen machen müssten.

Regierung kalmiert
“Haushalte, Unternehmen und die Industrie können sich darauf verlassen, dass sie über den Winter mit dem nötigen Strom und Gas versorgt werden”, ließ die Downing Street in dieser Woche wissen. Großbritannien verfüge schließlich über “eines der zuverlässigsten und diversesten Energiesysteme der Welt”.

Chaotische Zeiten befürchtet
Die Profis am Markt seien indessen bereits voll im Krisenmanagement. “Wenn ein Systemstress-Ereignis sowohl im Gas- als auch im Strombereich auftritt, wie kommunizieren dann der Stromnetzbetreiber und die Gasleitstelle? Welches Stressereignis hat Vorrang?”, habe in der Branchen-Telefonkonferenz ein Teilnehmer wissen wollen. 

Sorgen bereite auch die Frage, was passiert, sollten europäische Länder die Stromweiterleitung zu ihren Nachbarn unterbrechen. “Bitte, der Markt muss besser verstehen, wie die Verbindungsleitungen in Zeiten sehr hoher Preise und möglicher Erzeugungsausfälle genutzt werden sollen”, habe letzte Woche ein Call-Teilnehmer gefragt, so Blas.

Investoren sollten alarmiert sein
Blas, der der Telefonkonferenz der Energiemarkt-Profis in den letzten Monaten mehrfach gefolgt ist, zieht sein Resümee in drei Feststellungen. “Erstens: Der sich abzeichnende Stromnotstand ist schlimmer, als viele Manager der Branche öffentlich zugeben, und viel gefährlicher, als die Regierung zugibt. Zweitens: Die hohen Preise sind ein großes Problem, aber auch die Versorgungssicherheit ist gefährdet. Drittens: Die Zeit wird knapp, um sich vorzubereiten, bevor die Temperaturen sinken.” (aa)

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