Straße von Hormus: De facto Stillstand
Nach Angriffen auf zwei Tanker ist der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus nahezu zum Erliegen gekommen. Die Eskalation zwischen Iran und den USA verschärft die Risiken für eine der wichtigsten Transportrouten der globalen Energieversorgung.

ECKPUNKTE:
- Zwei von Dynacom gemanagte Tanker wurden in der Straße von Hormus angegriffen.
- Die öffentlich sichtbaren Schiffspassagen durch die Meerenge sind fast vollständig zum Stillstand gekommen.
- Die jüngste Eskalation schürt Sorgen über die Öl- und Gasversorgung aus der Golfregion.
Der Verkehr durch die Straße von Hormus ist nach weiteren iranischen Angriffen auf Tanker und verstärkten US-Militärschlägen offenbar nahezu zum Stillstand gekommen. Wie Bloomberg berichtet, wurden nach Angaben von Dynacom Tankers Management der Öltanker „Acheloos“ und der kleinere Produkttanker „Kavomaleas“ in der Meerenge getroffen.
Die Attacken dürften die Reedereien besonders beunruhigen, da Dynacom bislang zu jenen Unternehmen gehörte, die ihre Schiffe trotz der wachsenden Gefahren weiterhin durch die Passage führten. Nach öffentlich zugänglichen Positionsdaten werden inzwischen kaum noch Durchfahrten gemeldet. Reeder und Besatzungen versuchen, Angriffe zu vermeiden.
Transponder abgeschaltet
Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, vier Schiffe hätten ihre Transponder ausgeschaltet und trotz Warnungen versucht, die Meerenge auf einer „unsicheren Route“ zu passieren. Zwei davon seien verunglückt und gestoppt worden. Unabhängig überprüfen ließen sich diese Angaben zunächst nicht.
Die britische Seefahrtsbehörde UK Maritime Trade Operations berichtete zugleich von einem brennenden, manövrierunfähigen Schiff nordwestlich von Kumzar im Oman. Dynacom bestätigte später den Angriff auf die „Kavomaleas“. Die Besatzung habe das Schiff verlassen und sei in Sicherheit. Die „Acheloos“ sei von einem Geschoss unbekannter Herkunft getroffen worden.
Einzelne Schiffe könnten die Meerenge weiterhin mit ausgeschalteten Transpondern passieren. Wie stark der Verkehr tatsächlich eingebrochen ist, dürfte daher womöglich erst in einigen Wochen oder Monaten feststehen. Ortungsdaten deuten darauf hin, dass zumindest einige Frachter Hormus zuletzt auf diese Weise durchquert haben.
Die Angriffe erhöhen die Sorgen über weitere Störungen der Energieexporte aus der Golfregion, darunter auch Flüssiggas. Die Ölpreise und die europäischen Gaspreise legten am Montag zunächst zu, gaben einen Teil ihrer Gewinne später jedoch wieder ab. Nach Einschätzung des Risikoberaters Marisks zeigen die Vorfälle, dass Handelsschiffe unabhängig von der gewählten Route direkter militärischer Gewalt ausgesetzt bleiben. (bloomberg/hw)