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Stefanie Schock, Erste AM: „Active Ownership zahlt sich aus“

Für die ESG-Analystin bei der österreichischen Erste Asset Management rechne es sich, auf den Hauptversammlungen als institutioneller Investor mehr Nachhaltigkeit einzufordern. Durch den Impact entstehen laut Stefanie Schock eine bessere Corporate Governance sowie ein performancerelevanter Einfluss.

Stefanie Schock, ESG-Analystin bei Erste Asset Management
Stefanie Schock, ESG-Analystin bei Erste Asset Management 
© Erste Asset Management

Stefanie Schock, ESG-Analystin bei der österreichischen Erste Asset Management, berichtet in einem exklusiv für „Institutional Money“ verfassten Beitrag von der abgelaufenen Hauptversammlungssaison. Unterm Strich zeige sich, dass sich Active Ownership für Aktionäre mittel- bis langfristig rechne. „Obwohl nur in Einzelfällen tatsächlich eine Mehrheit für Nachhaltigkeitsanträge erreicht wird, umfasst ihr Impact vor allem eine potentiell verbesserte Corporate Governance. Das kann für Investoren einen performancerelevanten Einfluss haben“, betont Schock.

Interessanterweise  wurde ein Großteil der Aktionärsanträge aus dem Umwelt- und Sozialbereich wieder zurückgezogen. Dies erfolgte jedoch nur, da die betroffenen Unternehmen die Notwendigkeit erkannten, die aufgezeigten Themen auch ohne Abstimmung zu berücksichtigen. „So wurden nach Angaben der Non-Profit-Organisation Ceres beispielsweise zwöf von insgesamt 20 verfassten Anträgen zur Analyse der Erreichung des Zwei-Grad-Ziels wieder zurückgezogen, da sich die Unternehmen im Vorhinein dazu bereit erklärten, die notwendigen Analysen anzustellen“, berichtet Schock.

Als Gründe für die verstärkte Wahrnehmung von Nachhaltigkeitsthemen nennt die ESG-Analystin, dass 2017 mehrere institutionelle Investoren ihre Stimmrechts-Richtlinien zugunsten der Unterstützung von Nachhaltigkeitsanträgen adaptierten. Außerdem erreichten mehrere dieser Anträge eine Mehrheit. Während in den USA laut ISS im Jahr 2017 nur sechs Anträge aus dem Nachhaltigkeitsbereich eine Zustimmung von über 50 Prozent erhielten, stieg diese Anzahl 2018 auf zehn an.

„Insbesondere der US-Markt zeichnete in der aktuellen Stimmrechtsaison ein klares Bild: Umwelt- und Sozialthemen werden bedeutender, allen voran die Themen Klimawandel, politisches Lobbying, geschlechtsspezifische Lohnunterschiede sowie Diversität in Gremien“, erläutert Schock.

Besseres „Content Management“ für Facebook
Neben Nachhaltigkeitsthemen ging es Schock zufolge in diesem Jahr vielfach auch um den richtigen Umgang mit Online-Inhalten bei Alphabet („Google“) sowie Facebook. So waren Fake News und unzureichendes Content Management Inhalt eines Facebook-Aktionärsantrags. Die Vorwürfe beziehen sich vor allem auf die Verbreitung und Unterstützung von Fake News, Hassbotschaften, sexueller Belästigung, Gewalt oder Wahlbeeinflussung. Da die Antworten von Facebook vor allem reaktiver Natur waren, forderte der Antrag unter anderem die Ausarbeitung der Risiken, die sich aus den Kontroversen rund um Content Management ergeben.

Frauenanteil in den Gremien als wesentlicher Faktor
Wie Schock unter Verweis auf ISS-Daten weiter berichtet, gab es am US-Markt vermehrte Forderungen großer institutioneller Investoren nach mehr Geschlechter-Diversität in den Gremien (executive als auch non-executive). Der Anteil der Anträge, die Frauen als Kandidatinnen vorschlugen, stieg im Vergleich zum Vorjahr von 27 auf 33 Prozent. „Die Abstimmungsergebnisse bestätigen diesen Eindruck, denn Unternehmen ohne weibliche Vertreterinnen in den Gremien erfuhren bei der Bestellung ihrer aufgestellten Mitglieder mehr Widerstand, während Unternehmen mit höherem Frauenanteil mehr Unterstützung seitens ihrer Aktionäre fanden“, berichtet Schock.

Unterstützte Klimaanträge
Als nachhaltiger Investor legt die Erste Asset Management besonderes Augenmerk auf Aktionärsanträge aus dem Klimabereich, die – sofern sie der hausinternen Stimmrechtsrichtlinie entsprechen – unterstützen. Aufbauend auf den Anträgen der vergangenen Saisons, wurde laut Schock in der Hauptversammlungssaison 2018 die Ausweisung von Zielen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen gefordert. Erstmals rückte aber auch der Umgang mit Methanemissionen in den Vordergrund sowie die Errechnung der maximal möglichen CO2-Belastung, die Unternehmen bei einer Beschränkung der Erderwärmung um zwei Grad noch emittieren dürften.

„Unser Stimmrecht üben wir aber nicht nur für nachhaltige Fonds, sondern für alle Aktienpublikumsfonds aus“, betont Schock. Der große Vorteil ist dabei aus Nachhaltigkeitsperspektive: So sei es möglich, die Aktionärsstimme auch bei Unternehmen abzugeben, die aus Sicht der Nachhaltigkeit noch einen größeren Aufholbedarf aufweisen. „Per Ende Oktober 2018 haben wir auf mehr als 380 Hauptversammlungen in über 5.800 Agenda-Punkte unter Berücksichtigung unserer EAM-Stimmrechtsrichtlinie abgestimmt. In 13 Prozent dieser Abstimmungspunkte stimmten wir gegen Empfehlungen des Managements. Bei 88 Hauptversammlungen wurden neben Anträgen des Managements auch solche von Aktionären eingebracht – insgesamt rund vier Prozent aller Anträge. 63 Prozent dieser Anträge unterstützten wir“, berichtet Schock rückblickend.

Fazit
Schocks Resümee für 2018 lautet: Active Ownership habe einen positiven Einfluss auf Unternehmen, insbesondere im Bereich Nachhaltigkeit und Klimathemen. Die genannten Beispiele zeigten jedoch, dass neben der Umwelt auch Soziale Fragen und die Unternehmensführung zunehmend wichtig werden. „Institutionelle Investoren tragen maßgebend zu dieser Entwicklung bei, die weiter positiv verlaufen dürfte“, erklärt Schock abschließend. (aa)


Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema auf dem 12. Institutional Money Kongress, der am 26. und 27. Februar 2019 im Frankfurter Congress Center stattfindet. ESG-Investing wird nicht nur in zahlreichen Workshops und den Gruppengesprächen, sondern auch im Rahmen von „IM Spezial“ ausführlich thematisiert. Mehr Informationen sowie eine Anmeldemöglichkeit finden institutionelle Investoren unter nachfolgendem LINK:

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