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Sozialpartnermodell: Erster Abschluss ist fertig

Nach der verbesserten Geringverdienerförderung ist nun auch das erste Sozialpartnermodell auf dem Markt. Die Beschäftigten des Versicherers Talanx erhalten bald eine Betriebsrente auf Wunsch auch als reine Beitragszusage.

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© peterschreiber.media / stock.adobe.com

Das Garantieniveau für Neuverträge in der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) muss angesichts der Niedrigzinsphase auf ein erträgliches Maß reduziert werden. Folglich gehört die Zukunft den beitragsorientierten und den reinen Beitragszusagen. Letztere sollen insbesondere beim Sozialpartnermodell (kurz: SPM) zum Zuge kommen. Bislang gibt es jedoch in der Praxis kein einziges SPM, obwohl das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) bereits seit 2018 in Kraft ist.

Die seit vielen Monaten wiederholten Ankündigungen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und des Versicherers Talanx, dass der erste Abschluss unmittelbar bevorsteht, scheinen sich nun zu erfüllen. Die Verhandlungen seien nun abgeschlossen, heißt es. Das ausgehandelte Vertragswerk rund um den Haustarifvertrag für rund 11.000 Talanx-Beschäftigte liegt jetzt zur obligatorischen Prüfung bei der Bafin.

Vertrag liegt nun zur Prüfung bei der Bafin
Ab 1. Juli 2021 sollen Beschäftigte der Talanx-Gruppe dann Vorsorgeverträge zur reinen Beitragszusage zeichnen können. Die Umsetzung erfolgt über "Die Deutsche Betriebsrente", eine gemeinsame Marke von Zurich und Talanx in der bAV. Konkret fungieren die Pensionsfonds beider Gruppen als Produktgeber des Sozialpartnermodells. Man habe nach intensiven Verhandlungen eine "Blaupause kreiert, die Verdi auch auf andere Branchen in Deutschland anwenden kann", sagt Carsten Schildknecht, Vorstandschef von Zurich Deutschland. Damit setze man "auch in der bAV auf die Chancen des Kapitalmarktes", ergänzt Talanx-Vorstand Christopher Lohmann.

Wie das im Detail aussehen soll, hat die Deutsche Betriebsrente bereits erprobt. "Seit 2018 zeigen Simulationen, dass im Zusammenspiel mit dem Produktmodell und den Glättungsmechanismen die Zielrenten planmäßig gehalten werden konnten", sagt Lars Golatka, Bereichsvorstand bAV bei Zurich und Vorstandschef des Deutschen Pensionsfonds. Diese bAV-Variante werde ein wesentliches Standbein der Altersvorsorge für künftige Generationen sein.

Arbeitnehmer wandeln Entgelt und bekommen AG- sowie Sicherungsbeitrag
Talanx-Beschäftigte erhalten als erste den Zugang zur reinen Beitragszusage. Neben den Arbeitnehmerbeiträgen aus der Entgeltumwandlung fließen auch die gesetzlichen Arbeitgeberzuschüsse in Höhe von 15 Prozent ein. Zudem leisten die Arbeitgeber 5,0 Prozent ergänzenden Sicherungsbeitrag, der dem Kollektiv als zusätzlicher Sicherheitspuffer zugutekommt, so Vertreter beider Seiten.

"Damit hat das Sozialpartnermodell, auch wenn keine formellen Garantien ausgesprochen werden dürfen, ein hohes Maß an Sicherheit zu bieten", sagt Fabian von Löbbecke, bei Talanx Vorstand für bAV und zugleich mitverantwortlich für "Die Deutsche Betriebsrente". Gegenüber herkömmlichen bAV-Lösungen mit Garantie gebe es laut Löbbecke eine etwa doppelt so hohe Zielrente für jeden Beschäftigten. Einbezogen seien auch Geringverdiener mit 72 Euro Förderbeitrag pro Jahr sowie ausdrücklich Teilzeitkräfte.

Talanx habe bereits vor einiger Zeit 100 Millionen Euro in den Pensionsfonds eingespeist. Der Mix aus 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Renten brachte bislang 20 Prozent Rendite, betont Löbbecke. Durchführung und Steuerung seien von Verdi intensiv geprüft worden. Verdi selbst betont, dass sich Talanx als Arbeitgeber neben einem Sicherungsbeitrag als Kompensation für die Enthaftung auch mit einem substanziellen Betrag an der bAV beteiligt habe.

Keine Verschlechterung bestehender Zusagen  
"Es gibt auch keine Ablösung oder Verschlechterung bereits bestehender Zusagen durch das neue SPM", erklärt Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz. Das bestehende Aufsichtsregime beim Pensionsfonds hält er für den besseren Weg, als für das SPM eine gemeinsame Einrichtung der Tarifpartner neu zu schaffen.

Geht es nach dem Willen der Initiatoren, legt "Die Deutsche Betriebsrente" den Grundstein für weitere Sozialpartnermodelle. Mit der Blaupause sei es nun leichter, weitere Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften vom Zielrentenkonzept zu überzeugen. "Unsere Erwartung ist es, dass Geringverdiener zusätzlich gestärkt und dynamisiert gefördert werden“, sagt Golatka in Richtung Politik. Auch die Öffnung für Unternehmen ohne Zugang zu dieser tarifvertraglichen Lösung solle konsequent vorangetrieben werden. (dpo)

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