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Sollen Asset Manager KVG-Leistungen selber machen oder outsourcen?

Der Geschäftsführer von Hansainvest bricht eine Lanze für das Geschäftsmodell seines Arbeitgebers und empfiehlt Asset Managern im Immobilienbereich tendenziell eine Auslagerung von entsprechenden Serviceleistungen.

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Marc Drießen, Geschäftsführer der Hansainvest: "Ein Asset-Manager oder Projektentwickler, der neu ins Fondsgeschäft einsteigen will, muss immer abwägen, ob er selbst die Zulassung als KVG bei der BaFin anstrebt oder ob er sich mit einer Service-KVG zusammentut und ihr den ganzen administrativen Part bei der Fondsauflage überlässt."
© Hansainvest

Marc Drießen, Geschäftsführer der Hansainvest Hanseatische Investment-GmbH und in dieser Funktion für den Bereich Service-KVG Real Assets verantwortlich, erklärt in einem Gastbeitrag, warum Asset Manager im Immobilienbereich angesichts hoher Regulierungshürden von einer Gründung einer eigenen Service-KGV absehen und sich besser auf ihre eigentlichen Kernkompetenzen konzentrieren sollten:

"Viele Immobilien-Asset-Manager gründen keine eigene Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG), sondern arbeiten mit einer Service-KVG zusammen. Diese Entwicklung ist nicht ohne Grund: Für viele Anbieter rechnet sich eine eigene KVG schlicht nicht. Und für die anderen hat ein Servicer dennoch Vorteile.

Die Trennung von Fondsadministration (Service-KVG-Tätigkeit) und Asset-Management wird auch bei offenen Immobilien-Spezialfonds immer mehr die Regel. Laut BVI ist der Anteil der Fonds, bei dem die Service-KVG-Leistungen durch externe Dritte erbracht werden, von vier Prozent im Jahr 2012 auf 22 Prozent im Jahr 2017 gestiegen. Wohin die Reise gehen kann, zeigen die Wertpapierfonds: Hier liegt der Anteil der Service-KVGen mit 60 Prozent deutlich höher.

Ein Asset-Manager oder Projektentwickler, der neu ins Fondsgeschäft einsteigen will, muss immer abwägen, ob er selbst die Zulassung als KVG bei der BaFin anstrebt oder ob er sich mit einer Service-KVG zusammentut und ihr den ganzen administrativen Part bei der Fondsauflage überlässt.  

Hauptargumente für eine eigene KVG
Für die Gründung und Zulassung einer eigenen KVG entscheiden sich vor allem Marktteilnehmer, die alle Prozesse in einer Hand behalten wollen. Darüber hinaus kann die Unterhaltung einer eigenen KVG erfahrungsgemäß ab einer Größenordnung von ca. zwei Milliarden Euro Assets under Management günstiger sein, als die Einschaltung einer Service-KVG– auch, wenn die Set-up-Kosten zur Gründung einer eigenen KVG in der Regel eine Million Euro schnell übersteigen.

Argumente für eine externe Service-KVG
Die genannten Argumente für eine eigene KVG-Zulassung sollten nicht ignoriert werden. Gleichwohl kann eine Kooperation mit einer professionell aufgestellten Service-KVG für Asset-Manager sowie Projektentwickler selbst dann attraktiv sein, wenn diese auf einen Teil der Wertschöpfung verzichten müssen.

Zunächst bietet eine Service-KVG durch ihren breiten Marktüberblick bei vielen Prozessen und Leistungen den Zugriff auf die Best-Practices aus dem Markt. Damit fungiert eine Service-KVG auch als Sparringspartner des Initiators für den Vertrieb des Produktes. Darüber hinaus müssen Prozesse – beispielsweise alle Abstimmungen mit der Aufsichtsbehörde BaFin – nicht mühsam implementiert werden, da diese bei der Service-KVG bereits etabliert sind und routinemäßig ablaufen. Dies gilt beispielsweise auch für das Anleger-Reporting oder die Abstimmung mit der Verwahrstelle. 

Das vielleicht wichtigste Argument für eine externe Service-KVG: Diese Form der Arbeitsteilung erlaubt dem Asset-Manager, sich ganz auf seine Kernkompetenzen zu konzentrieren, nämlich die Arbeit an der Immobilie. Im anderen Fall sind oft personelle Ressourcen in beträchtlichem Umfang mit administrativen Aufgaben blockiert. Diese Aufgaben sind teilweise aufwendig und komplex – insbesondere wenn sie neu etabliert werden müssen.

Zusammenarbeit mit einer großen Service-KVG erhöht Akzeptanz neuer Player
Vor allem für mittelständische Unternehmen, die ins Fondsgeschäft einsteigen wollen, bringt eine Kooperation mit einer Service-KVG zudem Vorteile in der Außenwahrnehmung. Die Einbindung eines etablierten Hauses erhöht die Akzeptanz bei allen Beteiligten – bei den Investoren, Placement-Agents, Verwahrstellen etc., da die Service-KVG dem Anleger als Haftungspartner verpflichtet ist und mittels Vier-Augen-Prinzip die Rechtsmäßigkeit der Transaktionen unabhängig bestätigt. Von besonderer Bedeutung ist dieser Effekt auf die Geschäftsbeziehungen zu Banken: Es kommt zu einer „Bonitätsleihe“ des Fondsanbieters. Je größer und etablierter die KVG, desto größer ist dieser Effekt.

Schließlich bietet die Zusammenarbeit mit einer breit aufgestellten Service-KVG auch den Vorteil, dass diese die Expansion in neue Geschäftsbereiche leichter ermöglicht. Ein Asset-Manager, der bislang nur deutsche Fonds aufgelegt hat, kann künftig vergleichsweise einfach Fonds nach Luxemburger Recht auflegen, wenn seine Service-KVG bereits in Luxemburg präsent ist und ihm die dortigen administrativen Aufgaben erleichtert. Dieses Prinzip gilt auch, wenn ein Asset-Manager neue Asset-Klassen bedienen möchte: Beispielsweise wenn er bislang nur Immobilienfonds initiiert hat, künftig aber auch Infrastrukturfonds anbieten möchte." (aa)

 

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